NRW

Wozu Männer manchmal gut sind! Mein Gatte gab mir heute morgen einen guten Tipp für meinen Blog. Im Morgenmagazin wurde an einem typischen Ruhrpottkiosk ein Mann zu den Wahlergebnissen in NRW befragt. Klare Antwort: »Na die Leute hier fühlen sich verarscht und drum hamse gewählt, wie se eben gewählt haben!« Woraufhin meine bessere Hälfte bemerkte, dass er eine derart klare und eindeutige Wahldiagnose noch von keinem hochbezahlten Wahlanalytiker vernahm. Ich kann nur sagen: »Wo se recht ham, hamse recht«, sowohl mein Angetrauter als auch der Kioskmann. Studierte Politikwissenschaftler aller Couleur geben sich bei den Fernsehsendern die Klinke förmlich in die Hand, dabei reicht es völlig aus, sich mitten in NRW auf die Straße zu stellen und einem X-beliebigen das Mikrofon hinzuhalten. SPD, Linke und Grüne wollen jetzt die Wahlschlappen gründlich analysieren und ich kann mir denken, dass da kostenintensiv irgendwelche großkopferten Hochstudierten zu Rate gezogen werden. Bis ins kleinste Detail wird mit Fachleuten recherchiert und diskutiert, woran es denn gelegen haben könnte. Auf die simpelsten Lösungen, wie die, dass die Menschen sich regelrecht verarscht fühlen, kommt man nicht, weil man nicht darauf kommen will. Denn dann müsste man ja einmal gewaltig in sich gehen und einsehen, dass ein Wort, dem keine Tat folgt, auch vom einfachsten Gemüt als bloße Phrase erkannt wird. Und wer als Sonnenblume verkleidet, waffelbackenderweise – wie bei den Grünen geschehen – Wahlkampf betreibt, kann nicht wirklich davon ausgehen, ernst genommen zu werden. Politiker wollen uns glauben machen, dass die Wirklichkeit, die wir täglich erleben, rein statistisch gesehen, nur eine gefühlte ist. Wenn man sich andauernd anhören muss, Deutschland ginge es so gut wie nie zuvor in seiner Geschichte, dann fragt man sich doch, wer ist mit diesem Deutschland gemeint? Und Menschen, die sich nicht gemeint fühlen (!), verteilen bei Wahlen gerne einmal Denkzettel. Da hilft auch das idiotische NRWir nicht! Was lässt sich die CDU für die Bundestagswahl einfallen? Ein CDUns? Aber ich war ja noch bei meinem Kioskmann. Marode Straßen fühlt man nicht, die sieht man! Und Lehrer, die ob der desaströsen Verhältnisse von Therapie zu Therapie laufen, mögen sich zwar inkompetent fühlen, aber real sind nicht sie, sondern das Schulsystem ist gescheitert. In Berlin – wo auch sonst – gibt es jetzt ein Schulkonzept, das darauf beruht, dass Schüler entscheiden, wann, wo und wie gelernt wird, und ob sie überhaupt Bock darauf haben. Da lässt man natürlich kein Kind zurück, aber was wäre die Konsequenz? Einzelunterricht für alle? Wie Helmut Schmidt schon richtig bemerkte: »Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen!« Und solange Martin Schulz mit nichts als Visionen aufwartet, sehe ich für die nächste Wahl schwarz (!).

Trump von Paul Wiedebach

Meiner Frau fehlen die Worte! An für sich ein sehr beneidenswerter Zustand für alle Ehemänner, wäre er nicht auf die Präsidentenwahl in den USA zurück zu führen. Sie spricht nur noch mit sich selbst. Gerade eben hat sie eine neue Packung Kleenex in die Jacke ihrer Strickjacke gestopft, denn sie schnieft und schnieft. Ich höre etwas vom Ende der zivilisierten Welt, vom Ende des »American Dream«, vom Untergang des Abendlandes. Seit sie sich um vier Uhr heute Morgen die ersten Trends angesehen hat, geht dies in einer Tour. »Gut, dass wir keine Kinder haben!«, schallt es mir aus dem Wohnzimmer entgegen. »In was für einer Welt leben wir eigentlich?« Ich würde sie ja gerne in den Arm nehmen und trösten, aber wenn sie sich in so einem Zustand befindet, ist fernbleiben angesagt. Ich könnte sie darauf hinweisen, dass der Wolf Trump in seiner Dankesrede das Friedens- und Einigkeitsschaf gegeben hat. Mit großen Dank an Clinton, die er gestern noch hinter Gitter hatte bringen wollen. Und dass noch nie etwas so heiß gegessen wie gekocht wurde, aber mit Allgemeinplätzen darf ich ihr schon gar nicht kommen. »Kannst du dir einen van Meuthen als Kanzler vorstellen, oder eine Petry als Kanzlerin? Die Amis können das anscheinend. John Wayne lebt! Jetzt kommt die Kavallerie und räumt gründlich auf unter Schwulen, Hispanios und allen, die in den USA nichts zu suchen haben! Wie kannst du nur so ruhig hier sitzen bleiben?«, steht sie wieder in der Küchentür. »Wie hatte das deutsche Bürgertum gemeint? Lass den Hitler mal zwei Jahre machen und Ordnung schaffen, dann fangen wir den wieder ein! Sag doch auch mal was!« »Mein Gott, gerade war er doch äußerst handzahm.« »Und bei wem hat er sich hauptsächlich bedankt? Bei etlichen Generälen und bei der Polizei!« »Bis zum Amtsantritt ist der auch in der Realität angekommen, bis dahin ist er weichgespült.« »Und seine Anhänger? Meinst du, die lassen sich das gefallen? Die tragen doch schon jetzt die Steine für eine Mauer nach Mexiko zusammen. Und Putin freut sich über Trumps Wahl! Was für ein Charakterschwein musst du sein, damit sich ein Herr Putin über deine Wahl freut? Reich mir mal die Kleenex rüber!« »Geh erst mal schön heiß duschen und sieh zu, dass du endlich aus diesem Nachthemd herauskommst. Es wird nichts so heiß gegessen wie gekocht …« da ist mir der verhängnisvolle Satz doch entschlüpft. Ihr Blick lässt vermuten, dass sie in den nächsten Wochen kein Wort an mich richtet. Uncle Sam, das hättest du mir ersparen können!

Wahl von Elke Balthaus-Beiderwellen

Wenn Politiker, die sich in der Hierarchie hochduckten, ein Fernsehinterview geben, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, ich hätte es mit einer Art von Handpuppen zu tun, denen ein mir nicht bekannter Bauchredner die Worte in den Mund legt. Wir ferngesteuert kommen nur Phrasen aus Mündern, die den Kontakt zum Hirn verloren zu haben scheinen. Auch die Ohren dieser Avatare sind verschlossen, denn die Fragen der Journalisten werden nicht beantwortet. In Endlosschleife wird die Lobhudelei der eigenen Partei abgespult, so lange, bis die Sendezeit vorbei ist und der geneigte Zuschauer genau so schlau aus dem Interview herauskommt, wie er hineingegangen ist. Wie groß die Sehnsucht nach wenigstens rudimentär authentischen Politpersonen ist, zeigt sich am Wahlerfolg von Kretschmann und Dreyer. Eine reine Personenwahl fand statt. Ein Hauch von Charisma und schon macht der verzweifelte Wähler sein Kreuz dort, wo er eine Spur von innerer Haltung vermutet. Die etablierten Parteien können noch von Glück sagen, dass der AFD eine solche Persönlichkeit fehlt. Nicht auszudenken, wie das besorgte Volk wählen würde, wenn zu den Worten der AFD auch noch Geist käme! Weiterlesen

Wahlkampf von Elke Balthaus-Beiderwellen

Im Wahlkampf wird getrommelt und gepfiffen, wobei besonders die Sprache gerne missbraucht wird. Ständig zeigt jedermann »klare Kante«, obwohl mir persönlich noch keine unklare Kante unter die Augen gekommen ist. Es wird »explizit, mit aller Nachdrücklichkeit gesagt«; es werden »deutliche Worte gesprochen«, sodass man den Eindruck erhält, die Politikerwelt leidet den Rest der Zeit unter Artikulationsstörungen. Es wird »auf den Tisch gebracht, was andere unter den Teppich kehren«- eine sehr unappetitliche Vorstellung. Sätze gewinnen an Ausdrücklichkeit, wo allein durch die Zusammensetzung von Subjekt, Prädikat und Objekt, das Höchstmaß an Ausdruck erreicht ist. Es wird »besonders betont« und man fragt sich, wo die gute alte Sprachmelodie in der Zwischenzeit ihr Dasein fristet. Zwischen den Wahlperioden scheint nur gelallt, konfabuliert und paraphrasiert zu werden. Die »Katzen der gegnerischen Parteien werden alle gleichzeitig aus ihren Säcken gelassen« und in der Kakophonie des Geschreis, verliert der Wähler vollkommen die Orientierung. Die Politik wird mit einem Mal eindeutig, was vermuten lässt, dass sie bei der sonst üblichen Mehrdeutigkeit überhaupt keine Bedeutung besitzt. Zeit für mich, auch einmal klare Kante zu zeigen. Ich betone hier mit aller Ausdrücklichkeit und Deutlichkeit meiner Worte das Zitat des Götz von Berlichingen.