Trump von Paul Wiedebach

Meiner Frau fehlen die Worte! An für sich ein sehr beneidenswerter Zustand für alle Ehemänner, wäre er nicht auf die Präsidentenwahl in den USA zurück zu führen. Sie spricht nur noch mit sich selbst. Gerade eben hat sie eine neue Packung Kleenex in die Jacke ihrer Strickjacke gestopft, denn sie schnieft und schnieft. Ich höre etwas vom Ende der zivilisierten Welt, vom Ende des »American Dream«, vom Untergang des Abendlandes. Seit sie sich um vier Uhr heute Morgen die ersten Trends angesehen hat, geht dies in einer Tour. »Gut, dass wir keine Kinder haben!«, schallt es mir aus dem Wohnzimmer entgegen. »In was für einer Welt leben wir eigentlich?« Ich würde sie ja gerne in den Arm nehmen und trösten, aber wenn sie sich in so einem Zustand befindet, ist fernbleiben angesagt. Ich könnte sie darauf hinweisen, dass der Wolf Trump in seiner Dankesrede das Friedens- und Einigkeitsschaf gegeben hat. Mit großen Dank an Clinton, die er gestern noch hinter Gitter hatte bringen wollen. Und dass noch nie etwas so heiß gegessen wie gekocht wurde, aber mit Allgemeinplätzen darf ich ihr schon gar nicht kommen. »Kannst du dir einen van Meuthen als Kanzler vorstellen, oder eine Petry als Kanzlerin? Die Amis können das anscheinend. John Wayne lebt! Jetzt kommt die Kavallerie und räumt gründlich auf unter Schwulen, Hispanios und allen, die in den USA nichts zu suchen haben! Wie kannst du nur so ruhig hier sitzen bleiben?«, steht sie wieder in der Küchentür. »Wie hatte das deutsche Bürgertum gemeint? Lass den Hitler mal zwei Jahre machen und Ordnung schaffen, dann fangen wir den wieder ein! Sag doch auch mal was!« »Mein Gott, gerade war er doch äußerst handzahm.« »Und bei wem hat er sich hauptsächlich bedankt? Bei etlichen Generälen und bei der Polizei!« »Bis zum Amtsantritt ist der auch in der Realität angekommen, bis dahin ist er weichgespült.« »Und seine Anhänger? Meinst du, die lassen sich das gefallen? Die tragen doch schon jetzt die Steine für eine Mauer nach Mexiko zusammen. Und Putin freut sich über Trumps Wahl! Was für ein Charakterschwein musst du sein, damit sich ein Herr Putin über deine Wahl freut? Reich mir mal die Kleenex rüber!« »Geh erst mal schön heiß duschen und sieh zu, dass du endlich aus diesem Nachthemd herauskommst. Es wird nichts so heiß gegessen wie gekocht …« da ist mir der verhängnisvolle Satz doch entschlüpft. Ihr Blick lässt vermuten, dass sie in den nächsten Wochen kein Wort an mich richtet. Uncle Sam, das hättest du mir ersparen können!