Kinderfeindlichkeit von Tanja K.

Deutschland ist nicht kinderfeindlich, sondern hoch allergisch gegen Eltern, die ihre Kinder nicht im Griff haben. Wenn ich im Supermarkt von Dötzen überrannt und angerempelt werde und die liebe Mama nur ein verständnisvolles Lächeln für die Unarten ihrer Sprösslinge übrig hat, bei der Quengelware endlos quengeln lässt, bevor sie dann doch nachgibt und mir dann noch einen triumphierenden Blick nach dem Motto: Was bin ich doch für eine Supermutti, zuwirft, dann läuft mein Geduldsfass über. Der öffentliche Raum wird zunehmend dazu genutzt, seine Brut ihre Wege gehen zu lassen, denn schließlich muss jede Helikoptermutter sich schließlich auch einmal erholen. Ob in Wartezimmern, Supermärkten, Schwimmbädern oder öffentlichen Verkehrsmitteln, hier dürfen die Eltern ihre unendliche Toleranz beweisen. Kommt ein unbeteiligter Dritter dazu, schon endet die Verantwortung der Erziehungsverpflichteten, nicht berechtigten-wohlgemerkt. Weiterlesen

Steuerhinterziehung von Witwe Clausen

»Der werfe den ersten Stein …..«, kann man hier nur sagen. Mein Friedhelm, Gott habe ihn selig, war zeit seines Lebens ein äußerst geiziger Mensch und wo er den Staat betuppen konnte, tat er es mit Freude. »Wir sollen alles offen legen, aber der Staat legt nicht offen, wohin unser gutes Geld geht!«, lautete seine Devise. Seine Lieblingslektüre war das vom Bund der Steuerzahler herausgegebene Schwarzbuch und er konnte sich sehr echauffieren, wenn er sah, wie Vater Staat sein schwer verdientes Geld regelrecht verschleudert.

Also nahm er Rache. Kleine Hausreparaturen, Gärtner, Fensterputzer, alles »schwarz«, eben wegen des Schwarzbuches. Andererseits rastete mein Friedhelm auch aus, wenn es um die Steuerhinterziehung der ganz »Großen« ging. »Alles Schwerverbrecher!«, pflegte er zu toben, dabei vollkommen vergessend, dass er mindestens zu den Kleinkriminellen gehörte.

Ich kümmerte mich nie darum, aber in letzter Zeit bin ich doch moralisch enttäuscht, wenn ich mitbekomme, welche öffentlichen »Vertrauenspersonen« still und heimlich ihr Scherflein ins Trockene bringen.

Nehmen wir doch einmal einen so netten Mann, wie den Uli Hoeneß. Nach außen hin der Gutmensch per se, aber innerlich ein Verbrecher.

»Außen hui, innen pfui«, pflegte meine Mutter immer zu sagen und meinte damit den Menschen an sich. Je aufwändiger die Fassade, desto bröckeliger die Grundmauern, wenn man so will.

Da lobe ich mir die Tiere. Besonders meinen räudigen Tierheimkater mit dem Halbmastauge. Er will nie mehr scheinen, als er ist, weil er von seiner Existenzberechtigung absolut überzeugt ist. Er leistet nichts; er lebt einfach in den Tag hinein. Nun hat er es bei mir ausgesprochen gut, denn es kommt mir langsam so vor, als wäre ich zu seinem Hauspersonal degradiert worden. Er verlangt es nicht, ich tue dies vollkommen freiwillig und deswegen scheint er auch der Meinung zu sein, mir keine Dankbarkeit zu schulden. Er weiß genau, lägen die Dinge anders, wäre er absolut in der Lage, für sich selber zu sorgen. Vielleicht müsste er den Gürtel ein wenig enger schnallen, aber er käme durch. Er stellt keine Ansprüche an das Leben, also hat das Leben keine Ansprüche an ihn zu stellen.

Die Ansprüche sind der Knackpunkt, denke ich mir. Das Leben sollte unseren Vorstellungen entsprechen und, wenn wir uns nur genug verbiegen, wird es dies irgendwann auch tun. Spätestens auf unserem Totenbett werden wir feststellen müssen, dass das Leben kein Sparkonto ist, auf das wir einzahlen, um am Ende allen Verzichtes, endlich die erwartete Ausschüttung zu bekommen. Mein Kater weiß dies. Er zahlt nicht ein, sondern nimmt jeden Tag so, wie er halt kommt.

Wie bin ich jetzt von der Steuerhinterziehung auf meinen Kater gekommen?

Wahrscheinlich, weil der Mensch meint, den Verhältnissen ein »Schnippchen schlagen zu können«. Kurzfristig freut er sich, weil er glaubt, jemandem, der sich nicht verhält, wie er es seiner Ansicht nach sollte, gründlich eins ausgewischt zu haben, wie mein Friedhelm mit seiner Steuerhinterziehung im kleinen Stil. Im Großen und Ganzen hat es ihn aber nur Mühe und Ärger gekostet; es hat ihn insgesamt aber nicht zufriedener gemacht und sein Leben auch nicht um einen Tag verlängert.

Wie bei Uli Hoeneß.

Witwe Clausen