Smartphone von Elke Balthaus-Beiderwellen

Zugegeben Autofahren ist langweilig und da wird sich gerne per Smartphone ein wenig Unterhaltung verschafft. Unfallursache Nummer 1 in Deutschland, denn eine Sekunde auf das Handy geblickt, bedeuten 15 Meter absoluten Blindflug! Ist ja auch zu verführerisch. Da plinkt eine SMS oder MMS und, da jede Text- oder Bildnachricht das eigene Leben von Grund auf verändern könnte, reicht die Zeit nicht, um eben rechts ranzufahren, um in aller Ruhe zu checken, worum es sich handelt. Meistens dreht es sich um Fotos irgendwelcher Mahlzeiten von irgendwelchen Freunden, sinn- und wahllos zusammengestellte Emoticons und Botschaften, die einen nicht die Bohne interessieren, aber, da die Hoffnung zuletzt stirbt, riskiert man im besten Falle 85 Euro und einen Punkt in Flensburg und im schlechtesten Falle Kopf und Kragen. Gott sei Dank sind diese Delinquenten meist derart mit ihren Smartphones beschäftigt, dass sie den Polizeiwagen im Rückspiegel oder nebenan auf gleicher Höhe nicht bemerken, sodass diese Verkehrssünder häufig zur Kasse gebeten werden können, aber, die Zahl der Unentdeckten ist hoch und so mancher Fußgänger oder Radfahrer landet unsanft auf der Kühlerhaube, nur weil ein Grinsesmiley versendet werden musste. Wessen Smartphone sich regt, der ist wichtig! Es handelt sich also um einen Fall von Selbstaufmerksamkeit, die Steuer und Straße in den Hintergrund rücken lässt. Weiterlesen

Technik von Elke Balthaus-Beiderwellen

Neulich bekam ich einen neuen Wäschetrockner. Mit Innenbeleuchtung! Zunächst wunderte ich mich, was dieser Unsinn sollte, aber es ist wahrer Komfort, die Wäsche aus einer hell erleuchteten Trommel zu holen. Leider bin ich manchmal nicht schnell genug und das Licht schaltet sich automatisch ab. Dann taste ich wie in früheren Zeiten im dunklen Gerät herum, was mich in eben diesen Zeiten nicht weiter störte, mir jetzt aber gewaltig auf den Geist geht, denn den Luxus, den man einmal kennen lernte, gibt man höchst ungern wieder auf. Wie bin ich früher nur ohne Spülmaschine klargekommen? Ohne Kaffeevollautomat? Ohne mein Laptop? Ohne mein E-Bike? Die Liste der Gegenstände, die ich erst vermisse, nachdem ich sie benutzte und die dann aus irgendeinem Grunde ihre Funktion einstellen, ist lang. Weiterlesen

„Läuft bei dir“ von Elke Balthaus-Beiderwellen

Es läuft so manches. Was den Einsatz von Personalpronomen betrifft, läuft es in die falsche Richtung, was die Konjugation von Verben angeht, läuft einiges aus dem Ruder, und in Bezug auf den bestimmten Artikel läuft so manches gegen die Wand. In der deutschen Sprache läuft vieles grundverkehrt, läuft daneben oder läuft ins Aus. Egal, Hauptsache »läuft bei dir«, was so viel heißen soll, wie: Du hast deine, dir gestellten Aufgaben ausgezeichnet erledigt, dein Leben befindet sich in vollkommener Ordnung, und es könnte nicht besser sein. Natürlich ist es unnütze Zeitvergeudung, diesen Zustand, der beim Menschen arg befristet ist, derart umständlich zu beschreiben. Wenn man Pech hat, hält dieses paradiesische Einssein mit sich und der Welt nur so lange an, wie dessen Beschreibung dauert. Da ist es schon besser, man formuliert es kurz und bündig, um etwas auszudrücken, was in dem Moment, in dem man es ausdrückt, noch Aktualität besitzt. Man kann es auch als Frage benutzen. Läuft bei dir? Antwort: Läuft bei mir. Ganze Romane wurden über diese Sechswortkommunikation geschrieben. Tolstois »Krieg und Frieden« hätte in eine knappe Zeile gepasst. Er hätte sein Jahrhundertwerk problemlos twittern oder als SMS versenden können. »Der Herr der Ringe«, «Das Lied von Feuer und Eis«, um auch dem Fantasiegenre gerecht zu werden, seitenlang quälten wir uns durch die Story, dabei wäre es mit sechs Worten getan gewesen. Jahrelange, letztendlich erfolgreiche(?) Psychoanalyse, sechs Worte reichen! Stundenlange Eheberatungen gehören der Vergangenheit an, denn entweder läuft, oder läuft nicht! Warum noch drei Worte auf den Zustand der Glückseligkeit verschwenden? »Läuft« reicht! Man stelle sich vor, man trifft einen Bekannten. Zuruf ist mehr als genug. Läuft? Läuft! Es ist auf alles anzuwenden, auf die Ehe, auf die Kinder, die Gesundheit, das Berufsleben und sogar auf das Auto und das Smartphone. Jedenfalls bin ich froh, dass ich jetzt Bescheid weiß, denn hätte vorher jemand »läuft bei dir« zu mir gesagt, hätte ich sofort nach einem Taschentuch gesucht.