Wahrheiten von Elke Balthaus-Beiderwellen

Nirgends wird so viel geflunkert wie in der Liebe und beim Sex. Selbst bei Umfragen gibt jeder vor, ein wildes erotisches Leben zu haben, dabei kommt der Durchschnittsdeutsche auf gerade einmal zwei Mal Beischlaf pro Monat. Wer gibt schon gern zu, dass der verkniffene Nachbar womöglich ausschweifender lebt als man selbst. Die Täuschung macht selbst vor dem Orgasmus nicht halt. Über fünfzig Prozent der Männer und über achtzig Prozent der Frauen gaben zu, schon einmal eine diesbezügliche Show abgezogen zu haben. Das war, was die Männer betrifft, sogar mir völlig unbekannt. Sex sells, heißt es so schön, und Mann wie Frau wollen sich so teuer wie möglich verkaufen. Stellen wir uns einmal vor, jeder wäre dem anderen Geschlecht gegenüber grundehrlich. Weiterlesen

Internetdoktoren von Paul Wiedebach

»Zu viele Pornos machen impotent!«, ruft meine Frau aus ihrem Arbeitszimmer.

»Wer behauptet das?«, brumme ich zurück.

»Der Internetdoktor!«

»Seit wann frequentierst du Scharlatane im Internet?« Mist, jetzt hatte ich gerade ein tolles Thema für meine heutige Kolumne gefunden und nun ist es wie weggewischt. Ich starre auf den Bildschirm meines Laptops in meinem Arbeitszimmer, auf dem nur das Wort »Warum« prangt.

»Das ist kein Scharlatan, sondern ein renommierter Internist!«, hallt es zu mir herüber. »Wahrscheinlich liegt es an einer Überreizung der männlichen Sinne durch extreme Sexdarstellungen. Damit kommen sie in der Realität nicht mehr klar. Die Reizschwelle wird so erhöht, dass die eigene Ehefrau wie Pumpernickel neben einer Sahnetorte erscheint.«

Jetzt ist es mit meiner Kolumne ganz vorbei, denn ich bekomme das Bild nicht mehr aus dem Kopf. Weiterlesen

Tag des Kusses von Paul Wiedebach

Meine Göttergattin ist ein »Tag-Fan«. Sie wissen schon: Tag des Kindes, Tag der Frau und dergleichen mehr. Heute ist der Tag des Kusses und man kann sich vorstellen, was auf mich zukommt. Keine unwichtige Stelle von mir bleibt ungeküsst, während die wichtigen nicht berücksichtigt werden. Von den Haarspitzen bis zur Nasenspitze nichts ließen ihre Lippen bislang aus, aber, bevor ich sie darauf aufmerksam machen konnte, dass ich noch weitere hochsensible Spitzen besitze, ging wie auch schon ihrer Wege. Dabei ist der Kuss, nach Robert Lemke nur die Anfrage im ersten Stock, ob das Parterre frei ist. Und mein Erdgeschoss ist dermaßen frei und unbesetzt, dass die heißesten Wüsten der Erde dagegen übervölkert wirken. Warum gibt es keinen Tag des ausgiebigen Vögelns? Des ausschweifenden Sexes? Ich kann Ihnen sagen: warum. Weil der dämliche »Tag des …« bestimmt eine amerikanische Erfindung ist. Und, was sich da drüben unter der Gürtellinie abspielt, ist ja hinreichend bekannt. Ich hätte für alle 365 Tage im Jahr weitgehend interessantere Vorschläge. Tag der Fellatio, der neuen Stellung, der Toys, der Reizwäsche und des Schlagsahnebodypaintings. Ein Tag der Hüllenlosigkeit hätte auch seinen Charme, aber, wenn ich an unsere Nachbarn denke, dann doch wieder nicht. Meine Phantasie kommt ins Brodeln, aber etliche Einfälle meinerseits erscheinen nicht ganz jugendfrei. Während ich mit offenen Augen (!) noch so vor mich hinträume, klopft es leise an den Türrahmen. Meine Frau steht dort, in einem atemberaubenden Négligé mit einem Hauch von Nichts darunter. »Schatz, heute ist doch der Tag des Kusses und ich denke, ich habe da einige Stellen übersehen.«

Glauben Sie mir; ich bin ein echter »Tag-Fan«.

 

Lust von Witwe Clausen

Heute wird es ein wenig pikant. Die Leser dieses Blogs-wenn es denn welche gibt- mögen mir verzeihen.

Mein Friedrich, Gott hab ihn selig, wurde erst richtig lustig, wenn er tüchtig einen gepichelt hatte, was dazu führte, dass er es gerade noch schaffte, seiner eigenen Lust zu frönen, um dann von mir herunterzurollen und augenblicklich einzuschlafen. Während ich seiner Schnarchorgie lauschte, überlegte ich oft, ob ihm jemals der Gedanke in den Sinn gekommen sein mochte, dass weibliche Lust ebenfalls existiert und befriedigt werden kann, wenn Mann sich nur ein bisschen Mühe gibt.

War mir am nächsten Morgen aber egal, denn sobald er aus dem Hause ging, ging ich einkaufen, was natürlich dazu führte, dass er anfing, mich »Klamotten-Irmgard zu nennen. Aber ich musste ja irgendwohin mit meiner Lust und verwandelte sie in Kauflust. Ich konnte mich damals in einen regelrechten Kaufrausch hinein steigern, der mir leider nur sehr flüchtige Glücksmomente einbrachte, denn mein Kleiderschrank mutierte zur Messie-Bude. Ich hätte damals Ordnung in meinem Kopf schaffen sollen, anstatt unentwegt diesen Kleiderschrank aufzuräumen.

Mit der nicht ausgelebten sexuellen Lust, verging mir auch die Lebenslust. Es gab Phasen, da konnte ich Küche, Kinder, Haus, Garten und Mann nur mit Hilfe von Tabletten ertragen, die mir mein Hausarzt bereitwillig verschrieb. Wahrscheinlich hatte er genug sexuell frustrierte Nörgeltrinen am Hals und versuchte sie mit Pillen loszuwerden.

Wie ich erfuhr, bekam das Valium, gleich nach der Entdeckung seiner Wirkungsweise den Spitznamen »Mother`s little helpers«, was schon alles besagt.

Ja, ja, die sexuelle Lust, wenn sie unterdrückt wird, werden die Lust am Leben, die Lust am eigenen Körper und seinen Bedürfnissen gleich mit unterdrückt. Aber, da aller Trieb irgendwohin muss, konsumiert man eben Dinge, die einem nicht gut tun. Vielleicht ist das gewollt, fiel mir heute Morgen ein. Hat man je einen Bonobo shoppen gehen sehen? Unsere nächsten Verwandten im Tierreich frönen ausschließlich der körperlichen Lust. Was hätte die Wirtschaft davon, wenn wir tage- und nächtelang vögeln würden und dabei den Konsum von Luxusartikeln vergäßen?

Oh, Irmgard, was für eine Sprachwahl, rufe ich mich gerade zur Ordnung. Aber da liegt das Problem; ich traue mich noch nicht einmal, das Kind beim Namen zu nennen. Jetzt ist Schluss damit! Sprach ich jemals das Wort Ficken laut aus? Oder bumsen, oder poppen? Mir steht der Angstschweiß auf der Stirn, während ich diese Zeilen schreibe. Was mag der Leser nur von mir denken?

Um etwas für das man keine Worte besitzt, darum kann man nicht bitten. Wie hätte mein Friedrich wohl reagiert, wenn ich ihm gesagt hätte:«Lass das Saufen, bums mich lieber ausgiebig.« Noch jetzt beginnt mein Herz vor Angst zu rasen. Ich glaube, ich muss gleich zu meinen Tropfen greifen. Das Schreiben für diesen Blog bekommt mir ganz entschieden nicht, denn es zwingt mich dazu, über Dinge nachzudenken, über die

ich weder nachdenken will noch kann. »Nein, Irmgard«, ermutige ich mich. »Du hältst das durch!«

Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, die Aufforderung an meinen Friedrich. »Sag mal Mutter, geht`s noch?«, wäre seine Erwiderung gewesen. Dann hätte er sich angezogen und wäre mit seinen Kumpels einen zwitschern gegangen, um dann völlig besoffen auf mein Angebot zurückzukommen. Geh mir doch weg!

Obwohl-, fällt mir da gerade ein, vielleicht traute er sich nicht, mir im nüchternen Zustand mitzuteilen:«Mutter, lass uns poppen.«

Witwe Clausen

High Heels von Witwe Clausen

Wie ich erfuhr, feiern die High Heels heute irgendeinen Jahrestag. Welcher vergaß ich bereits, was in meinem Alter gelegentlich passiert. Mein Gott, wenn ich daran denke, dass auch ich zeitlebens in diesen Folterinstrumenten herum gestöckelt bin! Bei mir war es nachher soweit, dass ich aufgrund einer Verkürzung der Achillessehne nicht mehr in flachem Schuhwerk laufen konnte, vom barfuß gehen einmal abgesehen. Das Balancieren auf den Kuriositäten der menschlichen Erfindungskunst lässt die Beine straffer aussehen, der Busen und der Po werden herausgedrückt und der Frauengang wird majestätischer, was ich jetzt, für mich persönlich, als staksiger übersetze. Fliehen vermag Frau in diesen, sogenannten Schuhen nicht, und ob der Pfennigabsatz als gezielte Waffe Richtung Hoden eingesetzt werden kann, sei dahingestellt, da es auf die Treffsicherheit der Trägerin und deren Gleichgewichtsgefühl ankommt.

Warum ist es bei den Menschen nicht wie in der Tierwelt, wo die Männchen für das Aufplustern zuständig sind? Vom Pfauenrad über den Balztanz der Paradiesvögel, Mann muss beweisen, dass er etwas zu bieten hat, denn schließlich will er seine Gene weiter geben! Wer eingeladen werden will, sollte sich halt mehr anstrengen als derjenige, der einlädt. Besonders da es Frau außerhalb »heißer Phasen« sowieso egal ist, ob jemand zu Besuch kommt.

Was mich wieder zu den High Heels bringt, die eine stete Bereitwilligkeit des Weibchens simulieren, denn wer präsentiert schon Busen und Hintern, wenn er gar nicht paarungswillig ist? Von Dauerbrünstigkeit der Weibchen ist in der Tierwelt nirgendwo die Rede, warum soll es beim »denkenden Tier« anders sein?

John Carter, mein räudiger Tierheimkater mit dem Halbmastauge gähnte vernehmlich, als ich ihm meine Theorie auseinandersetzte.

»Tu doch nicht so, als wüsstest du nicht genau, wovon ich rede«, beschimpfte ich ihn. »Wer markiert denn auf Deubel komm raus und kreischt nächtelang herum, damit eine eine Katze dir die Ehre gibt.« Was ihn kurz nachdenklich machte. Aber ich war noch lange nicht fertig. »Außerdem ist es viel einfacher, jemanden zu besuchen als jemanden zu sich hereinzulassen; da muss Frau sich schon gut überlegen, ob und wen sie anlockt. Du zum Beispiel müsstest dir arge Mühe geben, wenn ich eine Katze wäre, denn eine Schönheit bist du wahrhaftig nicht!«

Es geht ja noch viel weiter, überlegte ich. Wer epiliert, cremt, salbt und parfümiert sich, lässt sich aufspritzen, operieren und trainiert die Gesäß- und Brustmuskulatur so lange, bis er damit Nüsse knacken kann? Ja, ist Frau denn verrückt? Nur um ein haariges Monster anzulocken, das den Gebrauch von Wasser und Seife nur rudimentär beherrscht? Das säuft, furzt und sich ungeniert an Hoden und Kimme kratzt?

»Männer sind halt Augenmenschen«, pflegte mein Friedrich, Gott hab ihn selig, zu sagen. Die Erwiderung, wieso dann nicht öfter in den Spiegel geschaut wird, schluckte ich stets noch rechtzeitig herunter. Mein Gatte hatte wenig von einem Pfau, von einem Paradiesvogel ganz zu schweigen!

Im besten Fall könnte es sein, dass sich Mann überlegte, als er zu denken anfing, es wäre besser, die eigenen Gene nicht weiterzugeben. Vielleicht hatte er ja doch flüchtig in eine spiegelnde Oberfläche geschaut. Was jetzt die High Heels sinnvoll macht, wenn Frau sich fortpflanzen will.

Witwe Clausen

 

McDonald’s statt Sex

Von Anna-Luisa Schlimmbach, Vorstandsassistentin „UWFC“

Gestern war ich mit Judith, der Frau vom Chef, zum Shoppen in Olbia, der größten Stadt hier am Rande der Costa Smeralda. Da ich auch einige Kosmetikartikel benötigte, suchten wir das größte Einkaufszentrum der Stadt auf. Betritt man dieses vom Parkplatz kommend, so geht man an einer McDonalds-Filiale vorbei. Mir fiel auf, dass vor dieser die längsten Kundenschlangen in der ganzen Mall standen. Nachdem ich Judith darauf aufmerksam gemacht hatte, bemerkte sie nur, dass sei doch nicht anders zu erwarten. Die längste Zeit der Menschheitsgeschichte herrschte schließlich ein eklatanter Mangel an Zucker, Fett und Salz, weshalb wir eine Gier nach diesen Substanzen entwickelt hätten. Und je weiter unten in der Hierarchie sich die Menschen befunden hätten, desto größer der Mangel und eben die Gier. Dass sei dann halt von Generation zu Generation weiter gegeben worden. Der Mangel sei zwar verschwunden, die Gier, insbesondere in den niederen Schichten, aber noch vorhanden. Anscheinend übertreffe sie sogar den Sexualtrieb, denn immerhin ruinierten diese Menschen mit der ungesunden Ernährung – sofern man bei dem Zeug überhaupt von Ernährung sprechen könne –  ihre Körperproportionen und mithin auch ihre sexuelle Attraktivität. Für die einen seien eben Hamburger da und für die anderen McDonald’s-Aktien. Der Unterschied müsse wohl irgendwie in den unterschiedlichen elektro-chemischen Prozessen im Inneren der Menschen begründet sein. Ob das jetzt genetisch oder erzieherisch bedingt sei, darüber sei sie noch zu keinem endgültigen Urteil gelangt. Aber das sei doch mal ein guter Ansatz für meinen Blogbeitrag zum Finanzsystem. Denn vermutlich sei auch der unterschiedliche Umgang mit Geld und Finanzen auf solche Körperfunktionen zurück zu führen.

Ich war zuerst  sprachlos, aber je mehr ich darüber nachdachte, um so einleuchtender fand ich ihre Ausführungen. Nicht nur, dass diese Leute ihrer Gesundheit schadeten, nein, sie verschwendeten auch noch ihr Geld, dass sie besser zur Tilgung all der Kredite, die sie in der Mehrzahl für allen möglichen unnützen Kram aufgenommen hatten, verwenden sollten. Andererseits profitieren von ihren Krediten , über tausend Umwege verschleiert, natürlich auch Unternehmen wie dasjenige, für das auch ich tätig bin. Nun kommt natürlich oft das Argument, die Menschen seien eben Opfer des ungerechten Systems. Allerdings stellt sich dann die Frage, warum sie nichts daran ändern. Immerhin stehen viel mehr Menschen bei McDonald’s in der Schlange, als es Aktienbesitzer dieses Konzerns gibt. Und all die Menschen, die ich mittlerweile im Umfeld unseres CEO kennengelernt habe, machten alle nicht den Eindruck, besonders fiese und unfreundliche Vertreter der Menschheit zu sein. Im Gegenteil schienen sie mir im Durchschnitt sogar sympathischer als die Vertreter weniger begüterter Kreise zu sein.

Langsam wird mir klar, warum Judiths Mann die Aufgabe, die ungeschminkte Wahrheit über unser Finanzsystem aufzuschreiben, an mich delegiert hat. So einfach, wie ich mir das im ersten Moment vorgestellt habe, ist die Aufgabe denn doch nicht. Vielleicht bekomme ich den CEO ja so weit, einen Arbeitskreis einzusetzen, um diese Wahrheit zu eruieren. Und sobald die ersten Ergebnisse vorliegen, werde ich sofort darüber hier im Blog berichten. Versprochen!

Ihre Anna-Luisa Schlimmbach