Raucher von Elke Balthaus-Beiderwellen

Den heutigen Tag deklariere ich zum internationalen Tag des Rauchers. Nachdem ich letztens auf einer Feier war, auf der auf alle Rücksicht genommen wurde, von den Säufern bis hin zu den Veganern, und ich schräg angesehen wurde, als ich mir eine Zigarette anzünden wollte und des Raumes verwiesen werden sollte, ist mir innerlich die Hutschnur geplatzt. Die Trinker können sich in meiner Gegenwart ruhig unter den Tisch bechern, die Vegetarier, Veganer und Fruttarier von mit aus angewidert das Essen sezieren- macht mir gar nichts aus. Sogar Morphinisten dürften sich in meiner Gegenwart unbesorgt ihre Spritze setzen, Klatschbasen ihr verbales Gift versprühen und außergewöhnlich Dumme eben außergewöhnlich Dummes von sich geben; ich würde lächelnd darüber hinweggehen. Magersüchtige dürften nach der ausgiebigen Mahlzeit ruhig stundenlang auf der Toilette verschwinden; ich würde ihnen trotz schmerzender Blase alle Zeit der Welt geben, um ihrem Laster zu frönen. Für einen begrenzten Zeitraum sollte sich alles ertragen lassen; nur bei den Rauchern ist Schluss mit lustig. Alles darf, aber rauchen, das muss ja nun wirklich nicht sein. Weiterlesen

Die neuen Helden von Elke Balthaus-Beiderwellen

Es gibt eine Denunziantenapp. Unter »Wegeheld.de« können Fußgänger und Radfahrer Falschparker melden, oder sie gar auf Facebook und Twitter publik machen. Der zunächst geplante Name der App. »Straßensheriff« erschien selbst deren Erfindern zu entlarvend, denn ein Held des freien Weges zu sein, hört sich allemal besser an. Wie wäre es mit einer Rubrik »Schneckenpost.de« unter der, die vornehmlich älteren Zeitgenossen gemeldet werden, die unnötig Brot- oder Wursttheken mit ihrer umständlichen Bestellung blockieren, oder gar an der Kasse den zu zahlenden Betrag bis auf den letzten Cent aus ihrer Geldbörse kramen. Auch Autofahrern, die Tempolimits einhalten und, im schlimmsten Falle sogar unterschreiten, könnte hier ein öffentlicher Rüffel erteilt werden. Unter »Radrowdys.de« könnte man Fahrradfahrer der allgemeinen Verachtung preisgeben, die unter Missachtung aller Verkehrsregeln, kämpferisch ihrer umweltfreundlichen Gesinnung nachgehen. Der Möglichkeiten sind viele. Unter »Dummschwätzer.de« gehören Zeitgenossen an den Pranger gestellt, die ihrer Gedankenleere unablässig verbalen Ausdruck verleihen und unter »Muffelkopf.de« gilt das Gleiche für Ehemänner, die Haushaltstätigkeiten boykottieren. Und erst die Raucher! Die Volksvergifter Nr. 1 hätte ich glatt vergessen! »Mordbuben.de« bietet sich hier als Name der App an. Was die SED nicht schaffte, die schöne neue Internetwelt macht es möglich. Wer auch immer einem auf den Sack geht, wird gemeldet. Wir werden ein Volk von Spähern! Mir persönlich gehen nur Mitmenschen auf den Geist, die von der Devise »Leben und leben lassen« noch nie gehört zu haben scheinen!

 

Disziplin von Elke Balthaus-Beiderwellen

Amerikanische Forscher fanden heraus, dass Menschen, die ihre Betten machen, mit sich und der Welt zufriedener sind, als diejenigen, die abends in dieselbe verknüllte und vermiefte Koje kriechen, aus der sie sich morgens herausquälten. Minimale Selbstdisziplin führt demnach zu erstaunlichen Ergebnissen. Demnächst kommt noch heraus, dass Normalgewichtige ihr Spiegelbild mehr mögen als Dickerchen, Nichttrinker seltener einen Kater aushalten müssen als Alkoholiker und Zahnputzfanatiker sich häufiger bis ins hohe Alter ihrer eigenen Zähne erfreuen können als Zahnbürstenmuffel. Sportfreaks sind fitter als Couchpotatoes und Raucher husten mehr als Nikotinphobiker. Der Tritt in den eigenen Hintern garantiert einen Zuwachs an Lebensqualität. Wer hätte das gedacht? Weiterlesen