IS von Elke Balthaus-Beiderwellen

Die großen Jungs spielen wieder »Räuber und Gendarm«, und alle sind mit blindem Aktionismus dabei. Putin und Obama, Hollande, Erdogan und Cameron. China überlegt noch, während Tunesien voll dabei ist. Nur Merkel ziert sich noch. Kein Wunder, ist sie doch vermutlich eine Frau. Alles gut und schön, aber solange nicht klar ist, wer hier der Räuber und wer der Gendarm ist, sitzen die IS-Kämpfer gemütlich in ihrer Jurte und lachen sich kaputt. Putin für Assad, aber gegen die Turkmenen. Erdogan für die Turkmenen, aber gegen die Kurden. Obama prinzipiell gegen Putin und damit auch gegen Assad. Hollande nach den Pariser Anschlägen gegen alle und Cameron gegen alles, wogegen die USA sind. Es ist viel Bewegung im syrischen Luftraum, da wird sich schon einmal leicht gegenseitig abgeschossen und einander der schwarze Peter zugeschoben. Wenn ich mir das Chaos so anschaue, bewundere ich das Zustandekommen der Allianz gegen Nazideutschland. Und genau da liegt der Hund begraben. Weiterlesen

Manöver von Witwe Clausen

Wenn Putin und die Nato meine Enkel wären, würde ich sie auf die »stille Treppe« verweisen. Nun gut, Putin hat das Schäufelchen Krim entgegen dem Völkerrecht an sich gerissen, aber die Nato tut jetzt so, als wolle er den ganzen Sandkasten erobern. Jetzt fahren beide Seiten im Schwarzen Meer auf, was das Militär nur hergibt, um Präsenz, Macht und Stärke unter Beweis zu stellen. Den Nato-Generälen geht sichtlich »einer ab«, haben sie doch jetzt wieder ein eindeutiges Feindbild. Hurra, der kalte Krieg erlebt seine Renaissance. Weiterlesen

Cuba libre von Elke Balthaus-Beiderwellen

Wer braucht das amerikanische Gesundheits- oder Bildungssystem? Wer braucht die amerikanischen Umweltschutzauflagen? Die amerikanischen Sozialsysteme und Waffengesetze? Wer braucht McDonalds, Burger King, Pizza Hut und Starbucks? Kuba bestimmt nicht und der Rest der Welt eigentlich auch nicht. Weiterlesen

Ostukraine von Paul Wiedebach

Das nennt man sauber ins Knie gefickt! Die Ostukraine erklärt sich für unabhängig, bittet um gnädige Aufnahme ins russische Reich, und Putin will sie gar nicht. Außer der Krim geht ihn das marode Land nichts an. Lediglich die EU, die passionierte Auffangstation für Krisenstaaten aller Art zeigt unverständliches Interesse und legt es sich als Sieg aus, einen bankrotten Staat unter ihre mütterlichen Schwingen zu bekommen, während »Mütterchen Russland« die »Tigermutter« gibt.

Ähnlich ist es neulich einer Bekannten meiner Frau ergangen. Sie war den jahrelangen Ehetrott leid, sah nur noch Nachteile für sich, erklärte ihre Unabhängigkeit und legte sich einen Liebhaber zu, bei dem sie für den Rest ihres Lebens unterzuschlüpfen meinte. Der hatte aber bereits, was er wollte, nämlich sein sexuelles Abenteuer und zeigte keinerlei Neigung auch die Restlast zu tragen. Nun steht sie vollkommen allein da, ohne Gatten, ohne Freund und irrt orientierungslos, da komplett unabhängig durch die Gegend. Irgendwie kommt mir da das schöne Sprichwort mit dem Spatzen in der Hand und der Taube auf dem Dach in den Sinn.

Oder nehmen wir Franz, den Tausendsassa. Neben seiner Ehefrau tat er es niemals unter zwei Geliebten. Nun zahlt er saftige Alimente, hat nicht mehr genug Bares übrig, um seine Nebenfrauen formvollendet zu unterhalten und nun sind diese ebenso wie die holde Gattin Geschichte. Hat er sich etwa eingebildet, die jungen Dinger hätten sich wegen seiner Bettqualitäten auf ihn eingelassen?

Wie kommt die Ostukraine darauf, sie wäre für Russland attraktiv? Wie kommen Ladenhüter aller Art darauf, es würde sich doch noch ein Kunde für sie finden? Nun mag es Kunden geben wie die EU, die auch noch den letzten Ramsch erwirbt, weil bekloppte Kuriositätensammler ebenso wenig aussterben wie Messies, denen es um den reinen Besitz geht, egal, ob sie damit etwas anfangen können. Und so gleicht die EU mehr und mehr einer Messiebude, deren Besitzer völlig den Überblick verloren hat.

Da ist bestimmt noch ein Plätzchen für die Ostukraine frei, die Putin nicht haben will, weil er im Gegensatz zu den sammelwütigen EU-Staatenlenkern noch seine fünf Sinne beisammenhat.

Die Bekannte meiner Frau und Franz, der Tausendsassa hängen jetzt übrigens ständig bei uns herum, um uns ihr Leid zu klagen. Im Moment gebe ich mich noch gesamteuropäisch, was heißen soll, dass ich mir ihre selbstverschuldete Misere noch eine gewisse Zeit lang anhöre. Aber der Tag ist nicht mehr fern, da ich in meinem Haus den Putin gebe und sie vor die Tür setze. Wie schon Nietzsche sehr richtig bemerkte, soll man seinen Freunden eine unbequeme Lagerstatt sein. Und elterliche Schwingen haben im Freundeskreis, sowie in der internationalen Politik nichts verloren. Nesthocker und Nestflüchter haben beide mit den Konsequenzen ihres Tuns selber zu leben. Wer seine Füße unter einen gedeckten Tisch stellt, darf sich nicht darüber beklagen, was serviert wird. Und wer sich unabhängig durchschlagen will, muss damit klarkommen, dass der Wind meistens von vorne weht. In dem Sinne, liebe Ostukrainer, löffelt die Suppe doch alleine aus, die ihr euch eingebrockt habt.

Paul Wiedebach, Kolumnist

Putinkenner von Witwe Clausen

Gestern als ich friedlich bei dem schönen Wetter vor der Stele meines Friedrichs saß, kam Ludwig, meine persönliche Witwernemesis, wie üblich vorbeischarwenzelt und gab, um mich zu beeindrucken, den politischen Weltmann.

»Ein Verbrecher, dieser Putin!«, begrüßte er mich schon von weitem. Ich seufzte, aber anstatt sofort die Flucht zu ergreifen, blieb ich, leider immer noch höflich, auf meiner Bank sitzen und blickte dem Wütenden auch noch scheinbar interessiert entgegen. Wann werde ich endlich aufhören, mich selbst zu verleugnen?

»Putin, ein Verbrecher!«, rief also dieser Mann, der seine Gerda, Gott hab sie selig, regelrecht in den Tod triezte. Ludwig platzierte sich wichtigtuerisch neben mich, ohne meinen personalen Intimbereich zu beachten. Sein Oberschenkel kam in Tuchfühlung mit meinen, sodass ich mich gezwungen sah, an die äußere Kante der Bank zu rücken.

Ich brachte quasi meine Krim vor einem Besatzer in Sicherheit.

»Dem sollte man mal zeigen, was eine Harke ist«, wedelte Ludwig mit seiner Handharke herum, wobei er mich beinahe damit traf.

»Vorsicht, Vorsicht«, murmelte ich. »Warum zeigst du ihm nicht deine, bevor du mich damit erschlägst?«

Dies brachte ihn jedoch nicht aus dem Konzept. »Der ist doch wohl ein realitätsferner Autist«, wetterte er weiter. »Und macht nur, was ihm passt. Damit darf der doch nicht durchkommen!«

»Wie wahr, wie wahr«, dachte ich, meinte aber nicht Putin damit.

»Dem geht es nur um seinen persönlichen Vorteil. Da geht der glatt über Leichen!«

Meinen verwunderten Seitenblick ignorierte er.

»Dem gehört gehörig eins aufs Dach gegeben, wenn du mich fragst, liebe Irmgard.«

»Da hast du vollkommen recht«, stimmte ich ihm zu, meinte aber wiederum nicht Putin.

»Schließlich gibt es so etwas wie Menschenrechte, aber das hat dieser Irre wohl noch nicht mitbekommen«, kam mir die kleine Harke wieder gefährlich nahe.

»Bevor du Putin zur Abrüstung zwingst, solltest du es vielleicht erst einmal selber tun«, nahm ich ihm das Ding aus der Hand und legte es, außerhalb von Ludwigs Reichweite auf den Boden.

»Wenn du dem Ruski den kleinen Finger reichst, nimmt der doch den ganzen Arm. Das war schon immer so. Wehret den Anfängen, wie es so schön heißt!«, ereiferte er sich weiter.

»Da hast du wiederum recht«, stand ich entschlossen auf, was seinen Redeschwall aber nicht bremste. Sein Gezeter war noch in meterweiter Entfernung zu hören. Dass ich gar nicht mehr bei ihm saß, entging ihm vollkommen.

»Ja, Wehret den Anfängen«, dachte ich stillvergnügt, als ich das Friedhofstor durchschritt.

Witwe Clausen

Putin von Paul Wiedebach

Vor dem Geld kapituliert alles: Menschenrecht und Völkerrecht. Die Amerikaner können lauthals gegen Putin ins Horn blasen (Wirtschaftsvolumen USA/Russland ca. 40 Milliarden Dollar-Gas und Ölimporte 0%). Die Europäer tun sich da schwerer (Wirtschaftsvolumen 380 Milliarden Euro- Gasimport aus Russland 45%, Öl 20%).

Aber, da wollte ich gar nicht drauf hinaus, denn mich interessiert eher der Mensch Putin. Von jeher ein »Schmuddelkind«, mit dem alle nur gezwungenermaßen spielen, spiegelt sich in seiner Person eine Mischung aus Minderwertigkeitskomplex kompensiert durch Größenwahn. Und, so wie man ein verletztes Tier tunlichst nicht reizt, sollte man es beim russischen Bären auch nicht tun. Ich möchte nicht wissen, wie die USA rund um sich zu beißen würden, fielen sie dem gleichen Untergang einstiger Großmacht anheim, wie es Russland passiert. Der Mensch tut sich halt schwer, wenn er etwas einfach hinnehmen muss. Da unterscheidet sich der Amerikaner nicht vom Russen, der Asiat nicht vom Europäer und Hinz nicht von Kunz.

Zwar ist Russland mehr auf die EU angewiesen als umgekehrt, aber, was brächte es, diese Karte auszuspielen? Obwohl Gorbatschow den Kalten Krieg beendete, wurde es den Russen nicht gedankt. Stattdessen bekamen sie es unentwegt mit »Besserwessis« zu tun, die auch noch schamlos an den Grenzen des ehemaligen Riesenreiches knabberten und innerhalb des Reiches kapitalistischen Mottenfraß anrichteten. Es wäre doch interessant zu erfahren, inwieweit Putins Aktion in der Ukraine eine Überreaktion auf angetane Schmach ist.

Der russische Bär regredierte zum Tanzbären des Westens und Putin ergreift die letzte Chance, die Musik zu bestellen, den Takt vorzugeben und seine Machtdemonstration ist die Folge unendlicher Ohnmacht.

Solange geredet wird, schießt keiner und Krieg bedeutete schon immer das Ende aller Diplomatie. Natürlich zuckt der amerikanische Marshall gleich den Colt und die Schwerfälligkeit der EU in Bezug auf die Krise in der Ukraine führt sicherlich zur Verstärkung des »Fuck the EU«, aber, die Amerikaner sind auch schön weit weg und ihre wirtschaftlichen Interessen weitgehend ungefährdet. Was passierte eigentlich, wenn Alaska sich von den USA lossagte? Was taten die Briten in Bezug auf die Falklands? Da ging es auch um mehr als ein paar Felsen im Südatlantik. Und schauen Sie sich das Gerangel um Gibraltar an.

»Der werfe den ersten Stein …..«!

Oh wie schnell ist man doch mit Urteilen und Verurteilungen bei der Hand. Der Paradeweg besteht darin, erst einmal zu verstehen, was eigentlich Sache ist. Man muss, wie so oft, eine endlose Kette von Warum-Fragen in Gang setzen. Vielleicht fallen Reaktionen auf die Krise in der Ukraine vernünftiger aus, wenn man bedenkt, dass Putin auch nur ein Mensch ist, nicht weniger, aber auch nicht mehr!

Paul Wiedebach, Kolumnist

Mensch ärgere dich nicht von Paul Wiedebach

Dieses in Deutschland millionenfach verkaufte Spiel wird 100 Jahre alt. Was mich dazu brachte, wie wohl der Spielverlauf aussieht, wenn man gegen bestimmte Gegner antritt.

Bei Xi Jinping oder Putin sähe es so aus, dass alle zwar mitwürfeln können, aber ihr Häuschen nicht verlassen dürfen, egal wie viel Augen der Würfel auch zeigen mag.

Die NSA benutzt einen Schwerpunktwürfel, der immer eine Sechs anzeigt. Tritt man gegen andere Politiker außer den oben genannten an, darf man sein Häuschen erst verlassen, wenn der Würfel eine Sieben anzeigt. Militärregimes bekommen die dreifache Anzahl an Spielfiguren zur Verfügung. Beim Großkapital sind alle Zielhäuschen außer dem des Großkapitals verbarrikadiert. Bei Bankern besitzen alle Spielfiguren die gleiche Farbe und nur sie wissen, welche die eigenen und welche die gegnerischen sind, während wir mühsam herausfinden müssen, wer oder was zu uns gehört. Asylsuchende bekommen weder Spielfiguren, noch Würfel gestellt und müssen sehen, wie sie klarkommen. Gleiches gilt für Bewohner der sogenannten »Dritten Welt«. Die Umwelt ist von vorneherein vom Spiel ausgeschlossen, was auch für Tiere gilt.

Tritt man gegen die eigenen Kinder an, so ist es den Eltern bei Strafe verboten, die Spielfiguren der Kinder vom Spielfeld zu werfen, egal wie blödsinnig diese auch vorgehen. Gleiches gilt für ein Spiel mit den eigenen Eltern. Bei einem Spiel gegen den Ehepartner radiert man am Besten die Sechs vom eigenen Würfel aus, denn der Gatte, oder die Gattin ist bei Laune zu halten.

Spielt man hingegen ganz allein gegen sich selbst, sind alle Regelverstöße erlaubt.

Wie man sieht, birgt dieses einfache Spiel mehr Möglichkeiten, als man je glaubte, weil es keine Schiedsrichter gibt.

Der Name des Spieles ist Programm: Mensch ärgere dich nicht!

Jetzt kann man noch mit dem Namen spielen, indem man jedes einzelne Wort separat für sich betont. Wobei mir die Variante, Mensch ärgere DICH nicht, am Besten gefällt.

Man sollte viel lieber die anderen ärgern, bevor man es mit sich selber tut. Im Prinzip ärgern wir UNS die ganze Zeit über Nichtigkeiten, wobei wir vollkommen übersehen, dass die anderen den Spielverlauf quasi hinter unserem Rücken bestimmen, wie man an den oben genannten Beispielen erkennt.

Der Erfinder des Spieles, Josef Friedrich Schmidt, handelte übrigens aus reiner Not, da er nach einer Möglichkeit suchte, die eigenen, allzu lebhaften Kinder zu beschäftigen.

Wie man sieht, lassen sich aufmüpfige Zeitgenossen durch Spiel beruhigen, selbst wenn die Karten gezinkt sind.

Bevor ich MICH also noch weiter aufrege, werfe ich ein Computerspiel auf meinem Laptop an. Wenigstens die Aliens in diesem Spiel lassen mir die Illusion, eine Chance zu besitzen, letztendlich Sieger zu sein.

Paul Wiedebach, Kolumnist