Helmut Schmidt

Hans-Dietrich Genscher äußerte heute Morgen einen bemerkenswerten Satz zum Tode von Helmut Schmidt. »Er zeigte uns den Unterschied zwischen einem Politiker und einem Staatsmann.« Darüber muss ich immer noch nachdenken. Vielleicht liegt der Unterschied darin, dass ich mir ein Deutschland ohne Schmidt nicht vorstellen kann, während das, was sich jetzt als Regierungsmitglied ausgibt, da sein könnte, oder auch nicht; es würde keinen Unterschied machen. Der Politiker als solches ist austauschbar; er hinterlässt keine Vakanz. Vermisst irgendjemand Schröder oder Kohl? Erinnert man sich, außer an Adenauer noch an die diversen Bundeskanzler oder Oppositionsführer? Strauss ist mir noch im Gedächtnis; der Rest kommt in meiner Erinnerung nicht vor. Weiterlesen

Schlafmützentag von Elke Balthaus-Beiderwellen

In Finnland ist heute Schlafmützentag. Derjenige, der am längsten schläft, darf mit Eiswasser geweckt werden. Die Menge ist jedem Selbst überlassen. Vom Wassereimer über den Litermessbecher bis zu Zahnputzglas ist alles erlaubt. Besonders Verwegene benutzen einen Wasserschlauch, während die Zaghaften mit einer 5-ml-Spritze vorlieb nehmen. Lege artis gehört die größte Schlafmütze ins Meer oder in den nächstgelegenen See geworfen. Der Unikeonpäivä geht auf den Heiligen Ephesus zurück, der 200 Jahre in einer Höhle verschlief, um sich vor Kaiser Decius zu schützen. Warum bis heute am 27. Juli dieser Brauch in einem kleinen Land mit 600.000 Schlafgestörten weiter praktiziert wird, ist nicht bekannt. Weiterlesen

Wut von Tanja K.

»Auch wenn Sie es mir nicht ansehen; ich habe in der Tat eine Verärgerung.« Nie wurde blanke Wut mehr verbrämt als durch unseren Verkehrsminister Dobrindt, nachdem ihm die EU Steine in den Weg seines Wegezolls für Ausländer legte. Haben Politiker Gefühle, oder handelt es sich bei ihnen um Phrasenroboter? Weiterlesen

Staub III von Elke Balthaus-Beiderwellen

Als Nächstes steht bei unserer Haussanierung die Hohlraumversiegelung des Mauerwerkes an. Was mich auf den Gedanken bringt, dass eine derartige Versiegelung einigen Zeitgenossen durchaus zum Vorteil gereichen könnte. Eine Dämmschicht, die verhindert, dass ungehindert alles herausströmt, was das ungeordnete Gehirn an Phantasmen fabriziert, wäre wünschenswert und eine Umweltschutzmaßnahme, die ihresgleichen sucht. Schädliche Emissionen werden zuhauf produziert. Es existiert noch nicht einmal ein Ausgleichshandel, denn wenn einer Blödes von sich gibt, fühlt sich mit Bestimmtheit irgendeiner genötigt, noch etwas weit Blöderes obendrauf zu setzen. Auch eine Bedenklichkeitsgrenze für geistigen Schwachsinn wurde noch nicht festgelegt und die gesundheitlichen Folgen der ständigen Exposition von Hirnlosigkeit aller Art blieben bislang unerforscht. Meiner Ansicht nach trägt dies nicht unerheblich zur Modekrankheit Burn-out bei, von der schon Martin Schenk sagte: »Burn-out ist die Erzählung davon, wie wir zusammenbrechen dürfen, ohne uns dafür schämen zu müssen.«

Eine Studie, inwieweit Insassen geschlossener Psychiatrien, unter Agoraphobie Leidende und Autisten sich mehr oder weniger freiwillig dem Irrsinn entzogen, der in der sogenannten normalen Welt im Minutentakt produziert und ohne Materialprüfung exportiert wird, vermisse ich ebenfalls. Ausstöße aller Art werden kontrolliert und reglementiert – ich möchte hier nur an die Raucher erinnern. Sie werden rigoros vor die Tür gesetzt, weil ihre Mitmenschen unter deren neurotischen Fehlverhalten leiden. Aber, was ist mit dem Rest? Warum wird bei geistiger Umweltverschmutzung nicht auch vor die Tür gesetzt, gedämmt oder gefiltert? Ich glaube, es liegt daran, dass sich dann sämtliche Politiker bei jeder Witterung außerhalb von geschlossenen Gebäuden aufhalten müssten.

 

Andrea Nahles von Paul Wiedebach

Andrea Nahles will ein Förderprogramm für Menschen auflegen, die keiner sinnvollen Beschäftigung nachgehen und keinen strukturierten Alltag besitzen. Prima, dachte ich, wird ja langsam Zeit, dass sich einer um die Politiker kümmert. Vielleicht drückt sie ihnen Pläne in die Hand, auf denen die Zeiten der Sitzungen stehen, damit sie dort auch einmal pünktlich und vollzählig erscheinen. Während dieser Zusammenkünfte herrscht Handyverbot, zwecks ordentlichem Zuhören und Redeverbot, wenn man nichts wertvolles zu Thema beizutragen hat. In wöchentlichem Abstand werden Leistungsbeweise vorgelegt, um Sinn und Zweck seines Postens lückenlos darzulegen. Die Besoldung wird auf einen Euro zurückgeschraubt, mit der Möglichkeit sich nach und nach in höhere Gehaltsklassen hochzuarbeiten. Dieser Euro wird bei unentschuldigter Abwesenheit sofort gestrichen, Wohngeld und Pendlerpauschale ebenfalls. Die Politiker haben beim nächsten Jobcenter vorstellig zu werden, wenn sie Sinn, Eigeninitiative, Verantwortung und Struktur in ihrer Tätigkeit vermissen lassen, um sich darin fortbilden zu lassen, wie man diese Fähigkeiten erwirbt. Nebeneinkünfte werden auf die Lohnzahlung angerechnet, selbst wenn der Politiker dann quasi umsonst für das Gemeinwohl arbeitet, denn schließlich darf der Solidargemeinschaft nicht auf der Tasche gelegen werden. Auch Privatvermögen fließt in diese Bemessungsgrenze mit ein. Falsche Abrechnungen führen zum sofortigen Stopp aller Bezüge, ebenso wie verspätetes Erscheinen am Arbeitsplatz. Urlaube aller Art werden gestrichen, da der Steuerzahler für den Lohn aufkommt und diesem Auslandsreisen auf seine Kosten schwer zu vermitteln sind. Hut ab vor Andrea Nahles, dachte ich, bis ich im Nachsatz der Nachricht erfuhr, dass sie Langzeitarbeitslose meinte. Also doch wieder Politiker?

Koalitionsküche von Paul Wiedebach

Heute laufen die Koalitionsverhandlungen von CDU/CSU und SPD unter Beteiligung von 75(!) Personen. Gleichzeitig treffen 12 Arbeitsgruppen und 4 Unterarbeitsgruppen aufeinander. Wir bekommen es also mit 300 Köchen zu tun, die gemeinsam den Brei verderben wollen. Wenn jeder seinen Senf dazugibt, ist die Wurst nicht mehr zu sehen, kann ich nur bemerken.

Selbst die Griechen hielten damals in Athen die Demokratie für die schlechteste aller Regierungsformen, weil die Anzahl der Bürger, die meinten, etwas zur Politik sagen zu können, unüberschaubar wurde. Deswegen ließen sie Solon »alleine machen«, bis sich der Stadtstaat erholt hatte. Die antiken Autoren sahen die Demokratie als Diktatur des Pöbels an. Der Pöbel, eine unstete, selbstsüchtige, ahnungslose Masse. Selbst Platon verurteilte die Demokratie als »Herrschaft der Meinung über die Weisheit«. Wieso kommt mir auf einmal Seehofer in den Kopf?

Aber ich war ja noch beim Pöbel. Die 300 Politiker, die sich zusammenfinden werden, sind unstet, selbstsüchtig und ahnungslos, denn sollten sie ehrlich sein, geht es ihnen um den eigenen Machterhalt und sonst gar nichts!

Besonders interessant fand ich, dass sich lediglich in den 4 Unterarbeitsgruppen Fachleute befinden sollen. Soviel zum Thema Ahnungslosigkeit beim sinnlos tagenden Rest.

Ich gehe mit absoluter Sicherheit davon aus, dass »Otto-Normal-Kopf« in unseren deutschen Landen sich geistig nicht mit dieser Farce auseinandersetzt, da es tagesaktuell wichtigere Ereignisse gibt, als da wären: eine Taufe in England, ein Phantomtor und einen »Protzbischof«.

Die Athener wären mit »Dem deutschen Volke« (!) hochzufrieden, mischt es sich doch so gar nicht in die Politik ein. Das überlassen sie zahllosen »Volksvertretern«, die nichts anderes zu tun haben, als sich gegenseitig in die Pfanne zu hauen und das Volk gleich mit.

Ich denke, der enorme Wahlerfolg Merkels lässt sich dadurch erklären, dass sie wie ein Solon, der für Ordnung sorgt, erscheint. Eine Art Übermutter, die alles richten wird, aber was sie anrichtet und was im Endeffekt für uns angerichtet ist, wird nicht zur Kenntnis genommen.

Das Ergebnis mag so unverdaulich wie möglich sein. Ein kleiner Magenbitter wie Löcher in Tornetzen, ein kurzes Aufstoßen über den allseits bekannten Reichtum der katholischen Kirche und unsereins macht sich daran, auch Morgen zu schlucken, was geboten wird.

Paul Wiedebach, Kolumnist

Wahlversprechen von Tanja K.

Es ist zum rückfällig  werden. Empfindet keiner mehr Scham? Ich habe mich Zeit meines Lebens geradezu in die Hölle hinein geschämt. Ein falsches Wort, eine falsche Handlung, nicht passend angezogen, zu laut, zu wütend, zu egoistisch, sogar das zu Träumerische gewöhnten sie mir ab.

Wie können die Politiker, die ich in den Nachrichten sehe, es schaffen, morgens noch einigermaßen in den Spiegel zuschauen. Ich meine, ist die geistige Dissoziation und Verdrängung so komplett, dass sie nicht mehr wissen können, was sie am Vortag daher schwafelten?  Eine entdeckte Lüge bei mir und ich gehe in »Schutt und Asche«. Einmal über jemanden gelästert, der sein Leben besser auf der Reihe hat als ich. Einmal zu großspurig und zu selbstbewusst, weil ich den anderen durch meine Rede mundtod machte, und ich trat ein längeres Schweigegelübde an.

Im Prinzip entschuldigte ich mich stets, für das bisschen Luft, das ich für mich beanspruche, für den winzigen Raum, den meine Person einnimmt.

Dann sehe ich in den Nachrichten Merkel, Gysi, Gabriel, Trittin und dergleichen Untote mehr. Sie dröhnen und schwadronieren, schwören Eide, die niemals dafür gedacht waren, sie auch einzuhalten. Die gingen geradewegs über Leichen, wenn es dem eigenen Machterhalt dient.

Beim heutigen Koalitionsmikado, bzw. Poker liefen mir auf einmal die Tränen über die Wangen und ich fragte mich, wieso dürfen die das?

Knapp 60% der CDU-Wähler wollen eine große Koalition mit der SPD. Knapp 60 % von deren Wählern auch. Was gibt es da noch groß zu diskutieren? So verarscht (sorry) wie nach dem letzten Wahlsonntag fühlte ich mich selten. Was so nicht stimmt, denn verarscht (nochmal sorry) fühlte ich mich ein Leben lang. Ich bin halt zu vertrauensselig, nahm doch tatsächlich die Menschen beim Wort und musste erfahren, dass der Eid von gestern, eben nur der Eid von gestern gewesen ist.

Ich, als Alkoholikerin, bin der Eidbrecher als conditio in terminis, aber ich schäme mich wenigstens dermaßen dafür, dass diese Scham nur noch durch Alkohol bekämpft werden kann..

Das ist es!

Den Politprofis ist die Scham abhandengekommen.

Oh wie gerne wäre ich aus Überzeugung ein Adenauer, dem sein Geschwätz von gestern nichts mehr anging. Wie gerne gehörte ich dem Club, der aus Profitgier über Leichen geht an. Ich kann nicht. Das Einzige, was ich bislang konnte, war saufen. Jetzt stellt sich mir direkt die Frage: »Wer ist der größere Schmarotzer, der Penner auf der Bank oder der Soziopath, der »oben, auf Deiwel komm `raus«, mitmischt?«

Wer richtet den größeren, wirtschaftlichen- was rede ich da? – es muss heißen, mensch

lichen Schaden an?

Der Penner auf der Straße ist mit ein paar Euro für das nächste Besäufnis zufrieden, aber die da oben sind, teilweise millionenschwer, mit gar nichts zufrieden. Mag doch die Welt dabei vor die Wand rennen, was geht mich das an?

Ich wäre auch so gerne Oberratte im Rattenrennen, bin aber nur Alkoholikerin.

Tanja K., Alkoholikerin