Denkfabrik von Elke Balthaus-Beiderwellen

Heute Morgen lernte ich einen jemanden kennen, von dem ich gar nicht wusste, dass er existiert. Den Direktor der Denkfabrik »Zentrum für gesellschaftlichen Fortschritt«, Dr. Stefan Bergmann. Ich fragte mich sofort, was wird dort den ganzen Tag gedacht? Die Wirtschaft schreitet fort, die Technik schreitet fort, nur das gesellschaftliche Miteinander bleibt auf der Strecke. Mir scheint, wir sind wieder beim guten alten Darwin angekommen: »Survival of the fittest«! Diesmal aber im wahrsten Sinne des Wortes. Wie sonst kämen Trends wie »Selbstoptimierung« »Psychoenhancement« und das Malträtieren von Kleinstkindern in Hinblick auf eine erfolgreiche berufliche Zukunft zustande? Weiterlesen

Murmeltiertag von Elke Balthaus-Beiderwellen

Zwischen meinen Glasvitrinen im Wohnzimmer wohnt eine kleine Spinne. Jede Nacht spinnt sie unweigerlich ihr Netz und genau so unweigerlich sauge ich es am Morgen weg. Bislang entwischte mir die unermüdliche Weberin, die wie ich entschlossen scheint, sich nicht entmutigen zu lassen und unentwegt von vorne anzufangen. Ich sauge auch das komplette Haus, obwohl ich weiß, dass meine beiden Hunde noch unzählige Male durch die Hundeklappe in den Garten verschwinden werden und mir Erdbröckchen, Stöcke, langvermisste erdige Einzelschuhe und Taubenfedern überall auf dem Boden verteilen werden. Da habe ich von der Spinne gelernt, denn egal wie groß das Ausmaß der Zerstörung auch ist; es nutzt nichts, den Kopf in den Sand zu stecken und überhaupt nichts mehr zu tun. Im Kleinen schafft man es kurzfristig, einen chaosfreien Raum zu schaffen, wobei die Betonung auf kurzfristig liegt. Weiterlesen

Medien von Tanja K.

Ich bekomme es allmählich satt, denn ich empfinde mich durch die Medien am Nasenring herumgeführt. Nehmen wir zum Beispiel Flug MH 370. Worüber musste ich mir diesbezüglich nicht Gedanken machen. Über die Flugpassagiere mit gestohlenen Pässen, eventuelle Wrackteile, eventuelle Kursänderungen, eventuelle Entführungen und eventuelle psychische Störungen des Piloten.

Ich weiß noch, wie ich mir im Anfang die amerikanische Serie »Dallas« im Fernseher ansah. Folgenlang ging es darum, dass Pam`s Embryo womöglich an Neurofibromatose erkrankt sein könnte. Nach etlichen schlaflosen Wochen meinerseits ob dieses Schicksals endete die Schwangerschaft im frühen Stadium mit einer Fehlgeburt. Ich grämte mich also völlig umsonst! Danach sah ich mir nie wieder eine Folge dieser Serie an.

Bei den Nachrichten fühle ich mich zunehmend wie in einer Soap, denn es werden keine Fakten vermittelt, sondern nur vage Vermutungen berichtet. Was machte ich mir Überlegungen zu Edartys Laptop. Hört man davon noch etwas? Die Treibjagd auf Wulff war ein Aufreger ohne Ende, wobei sich keiner mehr für den eigentlichen Gerichtsprozess interessierte. Was ist aus Stuttgart 21 geworden? Der BER taucht auch nur in den Medien auf, wenn es wilde Spekulationen diesbezüglich gibt.

Warum wird nicht erst berichtet, wenn alle Fakten nachweislich auf dem Tisch liegen?

Will man uns künstlich »am Köcheln« halten, damit wir die wahren Gegebenheiten übersehen? Wesentliche Nachrichten, die uns direkt betreffen, erfahren wir nur am Rande, wie das Freihandelsabkommen mit den USA, das erhebliche Nachteile für jeden einzelnen Bürger mit sich bringt. Interessiert keinen! Der Titel des aktuellen Sterns, angeblich ein Politmagazin, trägt den Aufreger »Die Maschmeyer Connection«. Interessiert mich das? Betrifft es mich persönlich? Andererseits wird bei dem Abitur nach 12 Jahren heftig zurückgerudert, was jeden Gymnasiasten angeht. Ich weiß noch, wie sich mein Sohn mit Kopf- und Bauchschmerzen bis zum Abi nach 12 Jahren durchlitt, weil es unreflektiert durchgefochten wurde. Nun hat doch der eine oder andere Pädagoge tatsächlich sein Hirn bemüht, und siehe da: Sorry, mistig gelaufen!

Bevor dies auffällt, werden wir mithilfe der »Maschmeyer Connection« abgelenkt. Pam ist dauerschwanger, wenn man so will.

Wenn es das Ergebnis des Dschungelcamps bis in die Abendnachrichten schafft, was sind diese dann noch wert? Hat da die Politik die Hand im Spiel, die uns gleich Taschendieben anderweitig beschäftigt, während sie uns die Geldbörse klemmt, das Sozial- und Gesundheitssystem herunterfährt, Steuergeld verschwendet und den Verbraucherschutz ad Acta legt?

Man weiß es, aber man will es nicht wissen.

Da ist doch wichtiger, wie Carsten Maschmeyer, Veronica Ferres, Mirko Slomka und Clemens Tönnis verbandelt sind.

Eigentlich wäre langsam Zeit für ein neues royales Baby!

Tanja K., anonyme Alkoholikerin

Jedes Schaf blökt anders

Von Manno Janssen, Tierwirtschaftsmeister Schafzucht

Nu muss ich doch mal das Wort hier ergreifen, wo der Wiedebach behauptet, Menschen sind besonderer als meine Schafe. Jedes Schaf ist einzigartig! Na ja, fast. Diese Dolly, also dieses geklonte Ding nich, aber sonne Viecher hab‘ ich nich‘, Herr Wiedebach. Meine Schafe erkennen sich untereinander am Gesicht, die können hunderte von ihnen unterscheiden. Das ist wissenschaftlich erwiesen, aber Schreiberlinge haben’s ja nich‘ so mit die Wissenschaft, sonst würden die ja was richtiges arbeiten. Von meine Schafe kannste alles über die Menschen lernen, jedenfalls über die meisten. Sind eben alles Schafmenschen da draußen. Man braucht sich doch nur das Wahlverhalten der Leute ankucken. Wählen sich Hammel als Führer, die noch schafsähnlicher sind als sie selber. Die tun so, als wären sie Führungspersönlichkeiten und lassen sich vonne Hütehunde der Amis und ihre Kumpanen am Nasenring führen. Unsere Politfuzzis reichts doch, unter Schafen als Leithammel zu gelten. Schönes Pöstchen und so tun, als wüssten sie, wo’s langgeht. Dabei laufen alle in die Richtung, die der Schäfer will, weil sie Angst vor die Hunde haben.

Genau wie bei meine Schafe. Musst dir nur mal die Böcke inne Herde bekucken. Können vor Kraft kaum laufen und machen bei die anderen Schafe einen auf Macho, aber wenn die Hunde kommen, nehmen die sowas von Reißaus, anstatt die Herde zu verteidigen. Ganz wie Politiker. Anschließend verkaufen sie das dann als alternativlos, nach dem Motto, wir wollten doch sowieso in die Richtung laufen, in die die Hunde uns trieben.

Da is‘ so ’n Willmehr doch ’n ganz anderes Kaliber. Der schickt seine Junghunde zur Ausbildung zu mir. Den sollten die Leute mal wählen! Aber der is‘ ja nich‘ so blöd und gibt sich für so was her. Der fliegt lieber inne Welt rum und bespricht mit die anderen Menschenschäfer, wo ’s langgehen soll. Anschließend lässt er die Politikhammel dann so tun, als wären die von selber drauf gekommen, wo die Herde hin soll. Und weil er damit so viel Geld macht, kann er sich aus den jungen Leuten die Besten kaufen, um sie für sich arbeiten zu lassen. Ganz im Vertrauen kann ich Ihnen übrigens sagen, dass es bei dem Seminar hier bei mir gar nicht darum geht, was zu lernen. Schafe hüten kann man nich‘ einfach lernen wie Lesen und Schreiben. Da musste für geboren sein. Am besten ist, wenn dein Vater schon Schäfer war, dann lernste das, wie du Laufen lernst. Vom Vater und vonne Hunde. Der Willmehr schickt seine jungen Leute in Wahrheit hierher, um die zu testen. Anschließend soll ich ihm erzählen, wer’s hat und wer nicht. Genial der Mann! Und wissen sie, was er gesagt hat, was mit diejenigen passieren soll, die durchfallen? Die sollen man am besten inne Politik gehen oder Journalist werden, hat er gesagt.

Ganz nach meinem Geschmack, der Mann! Haben uns anschließend schön an‘ Kamin gesetzt und ne Flasche Wacholder gepichelt. Sein Fahrer hatte ganz schön zu tun, ihn danach ins Auto zu bugsieren. Und ich soll bloß nich‘ mit diese Anna-Luisa darüber reden, dass er hier war, sonst wäre der Test kein Test mehr.

So, Wiedebach, nun überdenken Sie Ihr Urteil über die Schafe und die Menschen noch mal. Ich kann Ihnen sagen, meine Schafen blöken alle individuell, genau wie die Menschen. Aber blöken tun sie alle!

Also, bis denne!

Ihr Manno Janssen