Wahlen

Nur 15% der Russen wissen, worum es bei der Wahl in Amerika geht. Dieser Prozentsatz dürfte auch für die USA zutreffen, von Europa ganz zu schweigen. Vor der nächsten Bundestagswahl hätte ich auch gerne eine Umfrage bei den Deutschen, um zu erfahren, ob sie wissen, worum es bei dieser Wahl geht. Da wären 15% reichlich hoch geschätzt. Nur wer weiß, was er da tut, ist wahlberechtigt. Der Prozentsatz der indigenen Deutschen, der dann noch zur Urne schreiten dürfte, läge eher im unteren, einstelligen Bereich. Nun ja, ich habe auch nicht immer Ahnung, was ich da tue, oder was ich in Gang setze, wenn ich einfach nur meinen Laptop einschalte und ins Netz gehe, aber die Konsequenz, die mein Nichtwissen für die Allgemeinheit hat, ist sicher zu vernachlässigen. Und solange ich den Eindruck habe, das die jeweiligen Parteien ihr Programm nicht lesen, werde ich es gewiss auch nicht tun. Es ist schon erstaunlich, das ein Wahlergebnis mehr von den aktuellen, lokalen Wetterverhältnissen abhängt, als von der Politik der letzten Jahre. Aber, wenn denn am Wahlsonntag ach so schönes Wetter ist, lenke ich meine Schritte lieber Richtung Eiskaffee oder Biergarten, als zum Wahllokal. Dafür bin ich aber informiert. Ich schaue mit jeden Tag brav die Abendnachrichten an, sehe wie Mama Merkel die Welt rettet und kann eigentlich nichts dazu sagen, was sie in den letzten Jahren für Deutschland getan hat. Aber, wenn der Rest der Welt sie so liebt, dann muss ja etwas dran sein und sich nach so vielen Jahren auf einen neuen Kanzler oder eine neue Kanzlerin einstellen zu müssen, wäre mir auch zu mühsam. Dafür weiß ich aber, was ein Überhangsmandat ist, zumindest glaube ich das. Zumindest weiß ich wie man es schreibt. Und ich habe das Konzept der doppelten Haltelinie in Bezug auf die Rente verstanden, obwohl es, wenn Nahles erst einmal abgetreten ist, nie so in Kraft treten wird. Macht ja nichts, kriegt ja eh keine Rente. Wenn Abgeordnete über die Rente entscheiden, ist dies genau so, als würden katholische Priester über die Ehe entscheiden. Und wenn ein Wahlvolk über seine Regierung entscheidet, läuft es ähnlich ab. Wenn ich die Zeit dazu finde, dann werde ich mich wohlinformiert im nächsten Jahr an die Wahlurne begeben! Gesetzt den Fall, das Wetter spielt mit!

Jan Böhmermann von Elke Balthaus-Beiderwellen

Es ist nicht zu fassen. Warum das ganze deutsche Volk, allen voran die Bundesregierung nicht geschlossen hinter Jan Böhmermann steht, geht mir nicht in den Kopf. Alles, was man dazu wissen muss, steht im Artikel 5 des Grundgesetzes und warum unsere Kanzlerin sich nicht auf der Stelle schützend vor den Satiriker stellt, muss mir mal jemand erklären. Despot reimt sich wunderbar auf Idiot. Warum wohl? Aber, wie der Volksmund so schön weiß, muss derjenige, der mit dem Teufel Suppe essen will, einen verdammt langen Löffel haben und, wer sich mit dem Gemeinen gemein macht, hat es nicht eben besser verdient, als sich in eine nie endende Zwickmühle zu manövrieren. Weiterlesen

Maria und Joseph von Elke Balthaus-Beiderwellen

Wenn ich jetzt noch einmal zu hören bekomme, dass Maria und Joseph Flüchtlinge waren, renne ich mit dem Kopf gegen die Wand. Selbst die Priester, eine deutschsprachige Gesangstruppe aus Klerikalen, wollte mir heute Morgen diesen Bären aufbinden. Wohl schon lange nicht mehr die Bibel studiert, möchte man meinen. Hier noch einmal zur Erinnerung: Die Weihnachtsgeschichte nach Lukas Weiterlesen

Wahlversprechen von Tanja K.

Es ist zum rückfällig  werden. Empfindet keiner mehr Scham? Ich habe mich Zeit meines Lebens geradezu in die Hölle hinein geschämt. Ein falsches Wort, eine falsche Handlung, nicht passend angezogen, zu laut, zu wütend, zu egoistisch, sogar das zu Träumerische gewöhnten sie mir ab.

Wie können die Politiker, die ich in den Nachrichten sehe, es schaffen, morgens noch einigermaßen in den Spiegel zuschauen. Ich meine, ist die geistige Dissoziation und Verdrängung so komplett, dass sie nicht mehr wissen können, was sie am Vortag daher schwafelten?  Eine entdeckte Lüge bei mir und ich gehe in »Schutt und Asche«. Einmal über jemanden gelästert, der sein Leben besser auf der Reihe hat als ich. Einmal zu großspurig und zu selbstbewusst, weil ich den anderen durch meine Rede mundtod machte, und ich trat ein längeres Schweigegelübde an.

Im Prinzip entschuldigte ich mich stets, für das bisschen Luft, das ich für mich beanspruche, für den winzigen Raum, den meine Person einnimmt.

Dann sehe ich in den Nachrichten Merkel, Gysi, Gabriel, Trittin und dergleichen Untote mehr. Sie dröhnen und schwadronieren, schwören Eide, die niemals dafür gedacht waren, sie auch einzuhalten. Die gingen geradewegs über Leichen, wenn es dem eigenen Machterhalt dient.

Beim heutigen Koalitionsmikado, bzw. Poker liefen mir auf einmal die Tränen über die Wangen und ich fragte mich, wieso dürfen die das?

Knapp 60% der CDU-Wähler wollen eine große Koalition mit der SPD. Knapp 60 % von deren Wählern auch. Was gibt es da noch groß zu diskutieren? So verarscht (sorry) wie nach dem letzten Wahlsonntag fühlte ich mich selten. Was so nicht stimmt, denn verarscht (nochmal sorry) fühlte ich mich ein Leben lang. Ich bin halt zu vertrauensselig, nahm doch tatsächlich die Menschen beim Wort und musste erfahren, dass der Eid von gestern, eben nur der Eid von gestern gewesen ist.

Ich, als Alkoholikerin, bin der Eidbrecher als conditio in terminis, aber ich schäme mich wenigstens dermaßen dafür, dass diese Scham nur noch durch Alkohol bekämpft werden kann..

Das ist es!

Den Politprofis ist die Scham abhandengekommen.

Oh wie gerne wäre ich aus Überzeugung ein Adenauer, dem sein Geschwätz von gestern nichts mehr anging. Wie gerne gehörte ich dem Club, der aus Profitgier über Leichen geht an. Ich kann nicht. Das Einzige, was ich bislang konnte, war saufen. Jetzt stellt sich mir direkt die Frage: »Wer ist der größere Schmarotzer, der Penner auf der Bank oder der Soziopath, der »oben, auf Deiwel komm `raus«, mitmischt?«

Wer richtet den größeren, wirtschaftlichen- was rede ich da? – es muss heißen, mensch

lichen Schaden an?

Der Penner auf der Straße ist mit ein paar Euro für das nächste Besäufnis zufrieden, aber die da oben sind, teilweise millionenschwer, mit gar nichts zufrieden. Mag doch die Welt dabei vor die Wand rennen, was geht mich das an?

Ich wäre auch so gerne Oberratte im Rattenrennen, bin aber nur Alkoholikerin.

Tanja K., Alkoholikerin