Ewige Dinge von Elke Balthaus-Beiderwellen

Kennen Sie die ewig vergessenen Dinge? Mein Haus ist voll davon. Auf Regalen, Kommoden, in Dekoschalen und auf dem Küchentresen stauben Dinge vor sich hin, die irgendjemand aus meiner Familie einmal dort ablegte und die keiner wegräumt. Da liegt der Eiskratzer, den meine Jüngste vor Wochen kaufte, das Haargummi, das meine Älteste vor Monaten trug. Da liegt eine CD in ihrer Originalverpackung, die ich erwarb, weil ich sie unbedingt hören wollte. Prospekte und Schriftkram meines Gatten stapeln sich auf der Küchenfensterbank. In der Obstschale liegen noch die Kräuterbonbons, die gegen das Kratzen im Hals von letzten Frühjahr übrig sind. Auf der Badezimmerablage etliche Haarkuren mit Wundereffekt, die man doch nicht benutzt. Dinge, die man nicht wegwirft, aber auch nicht wegräumt. Etliche halb abgenagte Kauknochen meiner Hunde entdeckte ich gestern hinter dem Wohnzimmersofa und stellte fest, dass auch Tiere einen Hang zu ewig vergessenen Dingen besitzen. Fällt einem einer dieser Gegenstände in die Hand, überlegt man kurz, wohin man damit soll, bevor man ihn an seinen angestammten Platz zurücklegt. Der Platz war eigentlich als Provisorium gedacht, aber wird nun zur ewigen Ruhestätte. Weiterlesen

Evolution 2.0 Von Elke Balthaus-Beiderwellen

Forscher in den Rocky Mountains fanden heraus, dass die Zungen von Hummeln in nur 40 Jahren um 25% schrumpften. Aufgrund des Klimawandels starben viele Nahrungspflanzen mit langen Blütenkelchen aus und mit der verkürzten Zunge können die Hummeln auf andere Pflanzen ausweichen. Wenn wir an die Evolution denken, haben wir immer Jahrmillionen im Kopf, was offensichtlich falsch ist. Was sagt uns diese superschnelle Reaktion in Bezug auf den Menschen? Da wir nur noch auf Displays starren, könnte sich der Augapfel des Homo sapiens in nur wenigen Jahrzehnten verlängern, sodass Kurzsichtigkeit zum Normalzustand wird. Aufgrund de Kommunikation per Kurzmitteilung und per Emoticon ist mit einer Verkümmerung des Sprachzentrums zu rechnen, sodass Gespräche sich auf den Austausch von Grunzlauten beschränken. Weiterlesen

Verantwortung von Elke Balthaus-Beiderwellen

Heute Morgen hörte ich ein ebenso gewaltiges wie inhaltsleeres Wort. »Verantwortungsgemeinschaft«. Inhaltsleer deswegen, weil was im Kleinen nicht funktioniert, es im Großen gleich gar nicht tut. Bereits in den Familien, sofern sie parallel zu den Alleinerziehenden noch vorhanden sind, wird Verantwortung gerne delegiert. Unsere Alten stecken wir in Pflegeheime, die Erziehung der Kinder schieben wir auf die Lehrer, oder in Härtefällen auf Kinder- und Jugendtherapeuten ab. Ja, wir übernehmen noch nicht einmal die volle Verantwortung für unser eigenes Leben. Wir mäandern hindurch und sind jedes Mal von den unangenehmen Konsequenzen unseres Tuns überwältigt. Für unsere Gesundheit ist der Arzt zuständig und, wenn Zucker und Blutdruck in schwindelerregende Höhen steigen, liegt das natürlich an der Unfähigkeit des Doktors. Wenn wir nicht schlafen können, ist die Matratze schuld. Alles treu dem Motto: Wenn der Bauer nicht schwimmen kann, liegt es an der Badehose. Unfähigkeit wird nicht durch die bloße Masse der Unfähigen zur Fähigkeit. Wie soll so die gemeinsame Verantwortung einer Nation für ihr Funktionieren, der europäischen Zweckvereinigung für die Flüchtlinge´oder der gesamten Menschheit für so unwichtige Dinge wie das Weltklima entstehen? Wie soll jemand, der die Verantwortung für sein eigenes Handeln nicht übernimmt, Verantwortung für seinen Nächsten aufbringen? Eine Verantwortungsgemeinschaft kann nur durch die Addition von Einzelverantwortungen entstehen, was das Wort, weil der Mensch eben ist, wie er eben ist, so inhaltsleer macht.

 

Wachhunde Von Elke Balthaus-Beiderwellen

Bei uns herrscht strenger Schichtwechsel. Sobald ich mich in mein Bett zurückziehe, um ein wenig Augenpflege zu betreiben, übernimmt Satchmo, unser Großer Schweizer Sennhund, die volle Verantwortung für Haus und Hof. Er postiert sich in der oberen Etage am Fenster und bellt, was das Zeug hält und sei es auch nur wegen eines Flug- oder Krabbelinsektes, das sich dorthin verirrte. Von seinem erhöhten Posten aus überblickt er große Teile der Hauptstraße vor unserem Heim und jeder harmlose Passant wird intensiv verbellt, damit er es nicht wagt, in die Nähe der Haustür zu kommen, auch wenn er es gar nicht vorhatte. Diese lautstarken Attacken halten so lange an, bis ich entnervt aufstehe. Sobald Satch hört, dass ich vehement meine Bettdecke zurückschlage, schließt er seine Augen und gibt nach spätestens zwei Sekunden ein tiefes Schnarchen von sich. Sein Wachdienst endet, wenn ich übernehme, und zwar rund um die Uhr! Weiterlesen

Verpackungen von Paul Wiedebach

»Was treibst du denn so lange im Bad? Frühstück ist fertig.« Die Stimme meiner Göttergattin hallt durch den Flur nach oben. Ja, was mache ich wohl? Zahnpastatuben sind neuerdings zusätzlich durch einen Miniaturaluverschluss gesichert und mir ist die mikrometergroße »Hier-öffnen-Lasche« abgerissen. Jetzt pfriemele ich mit meinen ultrakurzen Fingernägeln an dieser Hygienesicherung herum und kann mir die Zähne nicht putzen. Hilflos schaue ich mich um. Weiterlesen

Eigentlich von Elke Balthaus-Beiderwellen

Das Wort eigentlich ist sinnverwandt mit den Worten wesentlich und essentiell, lese ich gerade auf Wikipedia, was mich nicht unbedingt weiter bringt. Für mich ist dieses eigentlich ein Begriff der Ratio, die vergeblich gegen das überstarke Bauchgefühl ankämpft. Wer kennt das nicht. Man tut irgendetwas, obwohl man wüsste, dass man eigentlich etwas anderes tun sollte. Eigentlich sollte ich beim Essen zurückhaltender sein, aber ich sterbe vor Hunger. Inwieweit unser Unterbewusstsein darauf hinarbeitet, dass wir das Eigentliche gar nicht tun können, ist eine interessante Frage. Weiterlesen

Doping von Elke Balthaus-Beiderwellen

Überall wird gedopt. Ob im professionellen Sport, ob bei den Amateuren und jetzt auch noch am Arbeitsplatz. Wen wundert es. Unser steinzeitlicher Körper hält dem ständigen höher, schneller, weiter, dem pausenlosen Wachstum und der technischen Entwicklung nicht mehr stand. Wir werden zu Selbstoptimierern und wo natürliche Ressourcen nicht mehr ausreichen, wird halt zur Pille gegriffen. Die Alarmsignale des überforderten Körper und des ausgebrannten Geistes, werden mit Medikamenten zugeschüttet, denn was ich nicht merke, existiert nicht! Weiterlesen

Hundegesetz von Elke Balthaus-Beiderwellen

Eigentlich wollte ich heute Morgen lediglich unseren neuen Hausbewohner Satchmo – eine großen Schweizer Sennhund – bei der Gemeinde anmelden. Bekam dann aber erst einmal jede Menge Hundekotbeutel in die Hand gedrückt und einen umfangreichen Merkzettel zum neuen Hundegesetz in Niedersachsen. Danach müssen alle Hunde einen elektronischen Chip (Transponder) eingesetzt bekommen (§ 4 NHundG). Hat er bereits, dachte ich erleichtert. Dann muss eine Tierhalterhaftpflichtversicherung mit der Mindestversicherungssumme von 500.000 Euro für Personenschäden und von 250.000 Euro für Sachschäden abgeschlossen werden( 5 NHundG) – also erst einmal gleich meine Versicherungsmaklerin anrufen, ob diese Summen gedeckt sind. Dann braucht man seit neuestem einen als Hundeführerschein bezeichneten Sachkundenachweis für alle Hunde gemäß § 3 NHundG. Hierzu müssen eine theoretische und praktische Sachkundeprüfung bestanden werden. Brauche ich jetzt nicht, weil ich seit 1994 lückenlos Hundebesitzerin bin und man mir zutraut, dass ich mit den Viechern umgehen kann. Den letzten Punkt muss ich aber noch für unsere beiden Hunde erfüllen, nämlich sie beim niedersächsischen Hunderegister eintragen lassen. Hätte ich mir doch einen Kanarienvogel angeschafft! Weiterlesen

Mein Morgen von Elke Balthaus-Beiderwellen

Was war ich heute Morgen kurzfristig stolz auf mich! Satchmo unser riesiger Großer Schweizer Sennhund darf ja nicht mehr ins Wohnzimmer, während ich dort meine Morgengymnastik absolviere, weil es mit Gefahr für Leib und Leben für mich verbunden ist, wenn ich bauchmuskelübenderweise auf dem Boden liege und der Hund fröhlich auf mir herumtappst. Heute Morgen schien er es endlich kapiert zu haben, dass ich diese halbe Stunde in absoluter Isolation verbringen will, denn er versuchte weder durch die Wohnzimmertür zu brechen, noch versuchte er auf dem Umweg über draußen, durch die Terrassentür einen heftigen Angriff zu starten. Zwar tobte er mit Richard unserem Jack-Russel-Mix heftig durch den Flur, aber das störte mich nicht. Solange bis in aus dem Wohnzimmer kam und in Küche und Flur eine Schneelandschaft aus statisch aufgeladenen winzigen Styroporkugeln vorfand. Weiterlesen

Ein Tag mit Hund

Wir haben einen neuen Hausgenossen. Louis Armstrong, genannt Satchmo, seines Zeichens ein großer Schweizer Sennhund, der mit seinen sechs Monaten bereits die Ausmaße eines Kalbes besitzt. Zusätzlich zu Richard Parker, einem siebenjährigen Jack-Russel-Jagdterrier-Mix bringt er Abwechslung in meine Tage. Wenn ich morgens aus dem Schlafzimmer komme, liegen alle Wohnzimmerläufer im Flur, gekrönt von den Sofakissen, daneben liegt Satchmo und zerkaut einen Markenschuh. Zwar sieht unser Haus aus, wie eine Kita für Hunde, da überall zuhauf Hundespielzeug herumliegt, aber Satchmo verschmäht die Gaben, die ich von jedem Einkauf mitbringe, um ihn von kostbaren Einrichtungsgegenständen und normalem Haushaltsbedarf abzulenken. Weiterlesen