Verantwortung von Elke Balthaus-Beiderwellen

Wie weit geht sie? Primär gilt sie erst einmal mir, denn wenn ich die Verantwortung für mich selber nicht übernehmen kann, wie sollte ich sie für jemanden anderen übernehmen? Was heißt überhaupt Verantwortung? Dass ich mir meines Tuns und der Kosequenzen, die sich daraus ergeben jederzeit bewusst bin. Das klingt anstrengend und ich habe den Eindruck, dass keiner bereit ist, sich diesbezüglich Mühe zu geben. Für meine körperliche Gesundheit ist mein Arzt verantwortlich, für meine psychische Gesundheit meine Mitmenschen, für meine Finanzen trägt »die Bank meines Vertrauens« die Verantwortung und die Verantwortung für mein Glück liegt in den Händen meines Partners, den ich mir noch nicht einmal selber wähle, sondern die Auswahl Partnerbörsen überlasse. Es gibt Onlineanbieter, die mir meine Garderobe »maßgeschneidert« zusammensuchen und zuschicken. Die Erziehung meiner Kinder liegt in den Händen von Erzieherinnen,Lehrern, Schulpsychologen und Schulsozialarbeiten. Für meine hinfälligen Eltern engagiere ich eine Vollzeitpflegerin aus dem Osten, womit mir alle Zeit der Welt bleibt, mich um meine Befindlichkeiten zu kümmern und große Probleme, große Probleme sein zu lassen. Die Verantwortung für meine Ernährung überlasse ich Lebensmittelgroßkonzernen, rege mich hin und wieder darüber auf, dass sie es an der nötigen Sorgfalt fehlen lassen, aber Verbraucherschutzorganisationen regeln auch das für mich. Weiterlesen

Absturz von Elke Balthaus-Beiderwellen

Seit dem Flugzeugabsturz der Germanwingsmaschine sah ich dermaßen viele Luftfahrtexperten, Seelsorger und Traumapsychologen, dass es mir für den Rest meines Lebens reicht. Ich hörte wilde Theorien, kann die Absturzstelle aus dem Gedächtnis zeichnen und lauschte so vielen betroffenen Politikern, dass ich sie gar nicht mehr auseinanderhalten kann. Die Medien kennen nur noch ein Thema, die Sondersendungen überschlagen sich und wer auch nur vor Jahrzehnten etwas mit einem Flugzeug oder einen schweren Verlust zu tun hatte, wird vor die Kamera gezerrt. Weiterlesen

Medien von Tanja K.

Ich bekomme es allmählich satt, denn ich empfinde mich durch die Medien am Nasenring herumgeführt. Nehmen wir zum Beispiel Flug MH 370. Worüber musste ich mir diesbezüglich nicht Gedanken machen. Über die Flugpassagiere mit gestohlenen Pässen, eventuelle Wrackteile, eventuelle Kursänderungen, eventuelle Entführungen und eventuelle psychische Störungen des Piloten.

Ich weiß noch, wie ich mir im Anfang die amerikanische Serie »Dallas« im Fernseher ansah. Folgenlang ging es darum, dass Pam`s Embryo womöglich an Neurofibromatose erkrankt sein könnte. Nach etlichen schlaflosen Wochen meinerseits ob dieses Schicksals endete die Schwangerschaft im frühen Stadium mit einer Fehlgeburt. Ich grämte mich also völlig umsonst! Danach sah ich mir nie wieder eine Folge dieser Serie an.

Bei den Nachrichten fühle ich mich zunehmend wie in einer Soap, denn es werden keine Fakten vermittelt, sondern nur vage Vermutungen berichtet. Was machte ich mir Überlegungen zu Edartys Laptop. Hört man davon noch etwas? Die Treibjagd auf Wulff war ein Aufreger ohne Ende, wobei sich keiner mehr für den eigentlichen Gerichtsprozess interessierte. Was ist aus Stuttgart 21 geworden? Der BER taucht auch nur in den Medien auf, wenn es wilde Spekulationen diesbezüglich gibt.

Warum wird nicht erst berichtet, wenn alle Fakten nachweislich auf dem Tisch liegen?

Will man uns künstlich »am Köcheln« halten, damit wir die wahren Gegebenheiten übersehen? Wesentliche Nachrichten, die uns direkt betreffen, erfahren wir nur am Rande, wie das Freihandelsabkommen mit den USA, das erhebliche Nachteile für jeden einzelnen Bürger mit sich bringt. Interessiert keinen! Der Titel des aktuellen Sterns, angeblich ein Politmagazin, trägt den Aufreger »Die Maschmeyer Connection«. Interessiert mich das? Betrifft es mich persönlich? Andererseits wird bei dem Abitur nach 12 Jahren heftig zurückgerudert, was jeden Gymnasiasten angeht. Ich weiß noch, wie sich mein Sohn mit Kopf- und Bauchschmerzen bis zum Abi nach 12 Jahren durchlitt, weil es unreflektiert durchgefochten wurde. Nun hat doch der eine oder andere Pädagoge tatsächlich sein Hirn bemüht, und siehe da: Sorry, mistig gelaufen!

Bevor dies auffällt, werden wir mithilfe der »Maschmeyer Connection« abgelenkt. Pam ist dauerschwanger, wenn man so will.

Wenn es das Ergebnis des Dschungelcamps bis in die Abendnachrichten schafft, was sind diese dann noch wert? Hat da die Politik die Hand im Spiel, die uns gleich Taschendieben anderweitig beschäftigt, während sie uns die Geldbörse klemmt, das Sozial- und Gesundheitssystem herunterfährt, Steuergeld verschwendet und den Verbraucherschutz ad Acta legt?

Man weiß es, aber man will es nicht wissen.

Da ist doch wichtiger, wie Carsten Maschmeyer, Veronica Ferres, Mirko Slomka und Clemens Tönnis verbandelt sind.

Eigentlich wäre langsam Zeit für ein neues royales Baby!

Tanja K., anonyme Alkoholikerin

Xaver Unsinn von Paul Wiedebach

Die Sondersendungen, die Konferenzschaltungen der Reporter, die man an Orten platzierte, wo es tatsächlich ein wenig wehte, überschlugen sich. Der Jahrhundertsturm Xaver hielt zum Leidwesen der Medien, die ihn schon im Vorfeld aufbliesen, nicht, was er gar nicht versprach.

Schön fand ich ein Interview mit einem Feuerwehrmann hoch im Norden. Die Reporterin zeigte ihre Enttäuschung darüber, dass alle Einsatzwagen friedlich in ihrer Halle standen derart deutlich, dass dem Mann doch noch einfiel, in der Nacht wäre ein Baum am Bahnhof umgefallen.

»Und? Konnten Sie nach diesem Großeinsatz noch schlafen?«, musste sie ihre Anwesenheit rechtfertigen. »Nö, wir befanden uns ja in Alarmbereitschaft.«

Alarmbereitschaft ist für mich das Unwort des Monats. Wo kein Alarm, da doch wenigstens die Bereitschaft. Die Medien schnippselten die immer gleichen Berichte in immer anderen Reihenfolgen zusammen, um ihre »aktuellen« Berichterstattungen, die mein Fernsehprogramm zersäbelten, zu füllen. Nachdem ich den Schweizer, der den deutschen Wind sah(!), zum X-ten Mal ertragen musste, schaltete ich einfach ab. Aber dann heute Morgen das MoMa! Konferenzschaltungen von windgebeutelten Reportern. »Jetzt wird es gefährlich, denn es könnten sich Dinge losreißen!« »Der Scheitelpunkt des Hochwassers ist erreicht; es geht zurück, aber es könnte noch steigen!« Im Harz schneite es. Nicht ungewöhnlich für Dezember, möchte man den Reportern zuschreien, die aus einer 10-cm-Schneedecke, ein Schneechaos machten.

Was war passiert?

Wetter war passiert, was zu einem medialen Kasperletheater ohnegleichen führte. »Kasper das Krokodil kommt! Nein, es kommt doch nicht! Doch es könnte kommen! Oh, es kommt nicht, aber Alarm schreien macht so viel Spaß!«

Im Vorfeld sollte jedermann schon einmal auf dem Dach herumklettern, um die Ziegel zu überprüfen. An den Gartenbäumen sollte gerüttelt werden, um sie auf Standfestigkeit zu testen, aber aus dem Haus gehen sollte man auf gar keinen Fall! Die Schulen fielen aus, obwohl unsere Grafschaft wohl einen Windschutz hatte, denn es wollte so gar nicht stürmen. Die Weihnachtsmärkte schlossen vorsorglich, während im Hamburg noch bis 15.00 Uhr der normale Betrieb lief.

Ich bin schon einmal sehr gespannt, was in unseren Medien los sein wird, wenn es, wintergemäß, auch im Flachland schneien sollte. Schließen dann die Weihnachtsmärkte und, dürfen wir auch nicht mehr aus dem Haus, obwohl wir unsere Dächer auf Schneelasttauglichkeit überprüfen sollten? Sind ab 5-cm-Schneedecke, Schneeketten erforderlich? Müssen wir uns mit Schneeschuhen und Polarbedarf eindecken?

Silvester soll es eine erhöhte Dichte von Feuerwerkskörpern geben. Sind Helme und feuerfeste Spezialkleidung angesagt?

Man weiß es nicht.

Was man weiß ist, die spinnen, die Medien!

Paul Wiedebach, Kolumnist