Frauen! von Paul Wiedebach

Die Stimmung in unseren Haus ist reichlich unterkühlt. Meine Gattin und ich hatten eine Grundsatzdiskussion beim Frühstück. Es fing ganz harmlos an. »Liebst du mich eigentlich noch!«, fragte meine Holde. »Natürlich! Was für eine Frage!«, gab ich empört zurück. »Und? Warum sagst du mir das nicht öfter?« Beleidigte Miene. »Du sagst es mir nur, wenn ich mich danach erkundige.« Meine Angetraute ist das Licht meines Lebens. Ich dachte, dies hätte ich damit gezeigt, dass ich damals auf dem Standesamt Ja sagte. Wenn ich meine Meinung diesbezüglich ändern würde, wäre meine Frau die Erste, die es erführe. Damit ist für mich die Sache erledigt. Was ich einmal unter Beweis stellte, muss ich nicht in regelmäßigen Abständen neu beweisen. »Du sagst mir auch nie, dass du mich brauchst«, schniefte sie weiter. »Natürlich brauche ich dich! Ich habe doch keine Ahnung wie die Waschmaschine und der Trockner funktionieren. Von dem neuen Kaffeevollautomaten ganz zu schweigen.« Völlig falsche Antwort! »Oberhemden bügeln bekomme ich auch nicht hin«, versuchte ich, die Wogen zu glätten, »und du kochst eindeutig besser als ich.« Tatsachen sind nun mal Tatsachen! Wieso bekommt meine Teure die einfachsten Dinge immerzu in den falschen Hals? Weiterlesen

Pumuckl von Elke Balthaus-Beiderwellen

Nun hat der Drang sich selbst und vor allen Dingen andere durch Vorwürfe zu optimieren sogar die Welt der Kobolde erreicht. Pumuckl sollte einer strengen Diät unterzogen werden und seines niedlich anzusehenden Bäuchleins verlustig gehen. Ich finde ja auch, die Hobbits sollten sich endlich einmal die Fußrücken rasieren und Gollum täte die eine oder andere Schönheits-OP nicht schlecht. Wieso ist Gandalf nicht mit einem hochmodischen Dreitagebart versehen und wieso unterzieht sich der dunkle Herrscher nicht endlich einer Lidstraffung? Fragen über Fragen. Wieso trägt der Teufel immer noch einen Pferdefuß in Zeiten künstlicher Gliedmaßen? Und bräuchte unsere Kanzerin nicht auch einmal eine Generalüberholung? Sähe sie aus, wie die Wagenknecht; sie läge in den Umfragen bei einhundert Prozent! Wieso komme ich jetzt vom Teufel direkt auf Merkel? Keine Ahnung! Weiterlesen

Mann und Frau von Elke Balthaus-Beiderwellen

Männer achten darauf, dass Frauen jung und schön sind. Bei den Frauen werden reiche und gebildete Männer bevorzugt. Die schlechtesten Chancen in Bezug auf einen Partner besitzen unterqualifizierte Männer und hochqualifizierte Frauen. Nach Jahren der Emanzipationsbewegung zwar nicht mehr das alte »ich Tarzan, du Jane-Prinzip, denn Tarzan darf nicht dumm und stark sein. Was auf einen Richtungswandel in den Frauenköpfen zurückzuführen ist, während Männer immer noch auf das Weibchen stehen, das sie sich problemlos unter den Arm klemmen können, wenn sie sich an Lianen von Baum zu Baum schwingen. Hochqualifizierte Frauen neigen zu Diskussionen, was sich im Bett als potenzmindernd erweisen könnte, darum sollten sie jünger, dümmer und vor allen Dingen schöner sein. Weiterlesen

Feuchtgebiete von Paul Wiedebach

Meine Göttergattin ist selbst schuld. Sie bestand darauf, dass ich mir mit ihr die Verfilmung der »Feuchtgebiete« anschauen sollte. Und, was soll ich sagen? Kein Mönch wird so keusch sein, wie ich in der nächsten Zeit und auf die Bestellung einer Pizza verzichte ich in Zukunft auch. Auf manche Frauen mag die Vorstellung, dass etliche Kerle auf den Hefeteig ejakulierten, möglicherweise noch erotisch wirken, aber für einen Mann ist da das Ende der Fahnenstange erreicht. Meine Liebste versteht mich nicht. Schließlich handele es sich bei Buch und Film um ein Psychodrama einer schwerst gestörten Frau, aber wie so oft, sehe und höre ich bei einer Fernsehaustrahlung, die ich mir zusammen mit meiner Frau ansehe, nur das, was ich eben sehe und höre, während meine Gattin jedes Wort der Dialoge bis in die siebte Ebene durchdringt und hinterfragt. Weiterlesen

Tatort II von Elke Balthaus-Beiderwellen

Um noch einmal auf den Tatort vom letzten Sonntag zurückzukommen, stießen mir nicht nur die Weinspezialisten übel auf, sondern auch die aussichtslose Lage von Frauen über fünfzig, noch einen Lover zu finden. »Die Chance liegt bei null Prozent!«, schrie eine der Darstellerinnen. Nun kann ich mir einiges vorstellen, was eine Alleinstehende Frau über fünfzig braucht, ein Mann gehört gewiss nicht dazu. Weiterlesen

Traumpartner von Paul Wiedebach

Neuerdings gibt es Haushaltsgeräte für den Single, wobei ich denke, wer sich einen Einschlitztoaster oder einen Eintassenkaffeevollautomaten und dergleichen kauft, hat den Traum von der perfekten Partnerschaft bereits aufgegeben. Genau dort liegt das Problem, denn die perfekte Partnerschaft ist nur ein Traum. Wieso sollte es sonst »Traumfrau« oder »Traummann« heißen. Da Träume höchst selten in Erfüllung gehen, wundere ich mich, warum sich die Erwartungshaltung in Bezug auf das Wahrwerden ausgerechnet dieses Hirngespinstes hartnäckig hält. Weiterlesen

No go areas von Tanja K.

So! Nun ist es passiert. Ich habe meine Wut über eine Nichtigkeit formuliert und weiter gegeben. Jetzt warte ich darauf, dass es mir besser geht. Sie wissen schon, Freuds Überdruckschema. Nicht herausgelassene Wut sammelt und sammelt sich, bis sie sich irgendwann ein Ventil sucht. Im Moment fühle ich mich noch nicht besser. Endeffekt meines Ausbruches ist, dass sich jetzt zwei Menschen schlecht fühlen: Adressat und Absender. Was ist überhaupt passiert? Weiterlesen

Ritzen von Elke Balthaus-Beiderwellen

Welch eine Sensation! Vor 540.000 Jahren ritzte ein Homo erectus auf Java Zickzack-Linien in eine Muschelschale! Die Wissenschaft steht Kopf und fragt sich: Warum der Vormensch dies wohl tat. Da kann ich weiterhelfen, denn der Mensch an sich tut viel aus Frustration oder Langeweile. Meistens hilft er sich über diese unangenehmen Gefühlszustände hinweg, indem er der Umwelt seinen Stempel aufdrückt. Es kann dann die Dinge nicht lassen, wie sie eben nun einmal sind, und was sich in seinem Kopf befindet, muss ein Ventil bekommen. Wir nennen diese Verzweiflungstaten schönfärberisch kulturelles Schaffen. Weiterlesen

Das Gurren der Frauen von Tanja K.

Totlachen könnte ich mich, wenn es nicht zum Heulen wäre. Ich habe zwei Freundinnen, beide Mitte der Dreißig, die, da ja die verdammte biologische Uhr tickt, verzweifelt einen Mann suchen. Natürlich erwischen sie nur die »Eheausbrecher«, die nach kurzer Zeit reumütig feststellen, wie sehr sie doch den heimischen Herd, den Rockschoß der Gattin und das Geplärre der Kinder vermissen. Alles gut und schön, geht mir auch nicht weiter auf den Zeiger, aber die Wesensverwandlung, die meine beiden Freundinnen mitmachen, wenn die »Liebe« noch frisch ist, und sie sich in Gegenwart ihres Eintagsfliegenpartners befinden, halte ich kaum aus. Sie gurren! Weiterlesen

Toleranz von Dr. Bremer

Was diese Tugend betrifft, wird sich gerne im Schwarz-Weiß-Bereich bewegt. Es gibt die Toleranten, deren Einstellung an Dummheit grenzt, und die Intoleranten, denen dementieller Starrsinn nachgesagt werden kann. Im Mittelfeld befinden sich die Opportunen, die sich dem unterordnen, was gerade en vogue ist. So wird am Stammtisch jeder zum dementiellen Starrkopf, während bei der Love-Parade jeder verdummt. Äußerst tolerant ist auch derjenige, der weit weg von sozialen Brennpunkten lebt, aber je näher die Gefahrenzone kommt, desto intoleranter wird man. Was mich dazu brachte, darüber nachzudenken, wie tolerant ich eigentlich bin. Erschreckt stellte ich fest, dass ich zu den Opportunen gehöre. In »Rechter Runde« wage ich zu sagen, was ich manchmal denke. Sitze ich mit gewohnheitsbetroffenen Berufstoleranten zusammen, kommt dieses Konzept durcheinander. Bei den »Rechten« überkommt mich das Gefühl, die sozial Benachteiligten verteidigen zu müssen, während mir bei den »Linken« erzkonservatives Gedankengut in den Kopf schießt. Ja, wie denn nun? Das Problem ist der Sprachgebrauch. »Die, alle, jeder von denen, statistisch gesehen und so ist da nun einmal« und schon sitzt man in der Falle. Ich habe nun die Formulierungen auf mich angewendet. DIE Ärzte sind nur am Geld interessiert. ALLE kommen sich vor, wie Halbgötter in weiß. JEDER VON DENEN ist Millionär. STATISTISCH GESEHEN handelt es sich um die bestverdienende Berufsgruppe – wenn man ehrliche Arbeit zugrunde legt -. Ärzte interessieren sich nicht für den Patienten; SO IST DAS NUN EINMAL. Dies würde ich mir aber heftig verbitten! Wenn Sie in der Lage sind, mir zwei original gleiche Charaktere zu präsentieren, behandele ich Sie ein Jahr umsonst. Selbst eineiige Zwillinge sind, was den Charakter betrifft, vollkommen unterschiedlich. Einer von beiden ist der Dominante und der andere fügt sich eben. Wir sind Einzelpersonen! Man kann das  aber noch ausweiten. Die Männer sind nur an Sex interessiert. Alle kommen sich vor, wie die Platzhirschen. Jeder von denen würde fremdgehen, wenn er könnte. Statistisch gesehen ist der Mann jenseits der Sechzig impotent. Männer können nicht zuhören; so ist das nun einmal. Jetzt die Frauen. Die Frauen sind nur an Schuhen interessiert. Alle bekommen vor dem Sex Kopfschmerzen. Jede von denen würde die Beine breit machen, wenn die Geldmenge nur groß genug wäre. Statistisch gesehen bekommt die deutsche Frau 1,4 Kinder. Frauen sind Quasselstrippen; so ist das nun einmal. Dies könnte ich jetzt in extenso weiter treiben; der Wahrheitsgehalt meiner Behauptungen nähme nicht zu. Andere Menschen sind nicht besser, nicht schlechter, nicht genau so wie ich – jetzt wollte ich zunächst wir schreiben, was natürlich auch eine Verallgemeinerung ist, sondern sie sind nur Menschen, nicht weniger, aber auch nicht mehr.