Flibanserin von Elke-Balthaus-Beiderwellen

Darauf habe ich nur gewartet. Nachdem uns die Pharmaindustrie durch die Pille hormonell durcheinanderbrachte, sodass wir durch einen Eisprung nicht mehr wissen können, wer der beste Erzeuger für uns ist, und uns gleichzeitig den Brustkrebs bescherte, wollen sie uns jetzt psychisch so durcheinander bringen, dass wir sogar Lust auf Vertreter des männlichen Geschlechtes empfinden, die uns meilenweit unterlegen sind. Geht es noch? Ich traf noch niemals eine Frau, die nicht durch eigene Aktivitäten zum Orgasmus gekommen wäre. Lust auf sich selber scheint demnach kein Problem zu sein. Was bei den Männern eher der Fall ist, denn ohne Viagra könnten sie sich selber noch nicht einmal selbst befriedigen. Weiterlesen

Lust von Witwe Clausen

Heute wird es ein wenig pikant. Die Leser dieses Blogs-wenn es denn welche gibt- mögen mir verzeihen.

Mein Friedrich, Gott hab ihn selig, wurde erst richtig lustig, wenn er tüchtig einen gepichelt hatte, was dazu führte, dass er es gerade noch schaffte, seiner eigenen Lust zu frönen, um dann von mir herunterzurollen und augenblicklich einzuschlafen. Während ich seiner Schnarchorgie lauschte, überlegte ich oft, ob ihm jemals der Gedanke in den Sinn gekommen sein mochte, dass weibliche Lust ebenfalls existiert und befriedigt werden kann, wenn Mann sich nur ein bisschen Mühe gibt.

War mir am nächsten Morgen aber egal, denn sobald er aus dem Hause ging, ging ich einkaufen, was natürlich dazu führte, dass er anfing, mich »Klamotten-Irmgard zu nennen. Aber ich musste ja irgendwohin mit meiner Lust und verwandelte sie in Kauflust. Ich konnte mich damals in einen regelrechten Kaufrausch hinein steigern, der mir leider nur sehr flüchtige Glücksmomente einbrachte, denn mein Kleiderschrank mutierte zur Messie-Bude. Ich hätte damals Ordnung in meinem Kopf schaffen sollen, anstatt unentwegt diesen Kleiderschrank aufzuräumen.

Mit der nicht ausgelebten sexuellen Lust, verging mir auch die Lebenslust. Es gab Phasen, da konnte ich Küche, Kinder, Haus, Garten und Mann nur mit Hilfe von Tabletten ertragen, die mir mein Hausarzt bereitwillig verschrieb. Wahrscheinlich hatte er genug sexuell frustrierte Nörgeltrinen am Hals und versuchte sie mit Pillen loszuwerden.

Wie ich erfuhr, bekam das Valium, gleich nach der Entdeckung seiner Wirkungsweise den Spitznamen »Mother`s little helpers«, was schon alles besagt.

Ja, ja, die sexuelle Lust, wenn sie unterdrückt wird, werden die Lust am Leben, die Lust am eigenen Körper und seinen Bedürfnissen gleich mit unterdrückt. Aber, da aller Trieb irgendwohin muss, konsumiert man eben Dinge, die einem nicht gut tun. Vielleicht ist das gewollt, fiel mir heute Morgen ein. Hat man je einen Bonobo shoppen gehen sehen? Unsere nächsten Verwandten im Tierreich frönen ausschließlich der körperlichen Lust. Was hätte die Wirtschaft davon, wenn wir tage- und nächtelang vögeln würden und dabei den Konsum von Luxusartikeln vergäßen?

Oh, Irmgard, was für eine Sprachwahl, rufe ich mich gerade zur Ordnung. Aber da liegt das Problem; ich traue mich noch nicht einmal, das Kind beim Namen zu nennen. Jetzt ist Schluss damit! Sprach ich jemals das Wort Ficken laut aus? Oder bumsen, oder poppen? Mir steht der Angstschweiß auf der Stirn, während ich diese Zeilen schreibe. Was mag der Leser nur von mir denken?

Um etwas für das man keine Worte besitzt, darum kann man nicht bitten. Wie hätte mein Friedrich wohl reagiert, wenn ich ihm gesagt hätte:«Lass das Saufen, bums mich lieber ausgiebig.« Noch jetzt beginnt mein Herz vor Angst zu rasen. Ich glaube, ich muss gleich zu meinen Tropfen greifen. Das Schreiben für diesen Blog bekommt mir ganz entschieden nicht, denn es zwingt mich dazu, über Dinge nachzudenken, über die

ich weder nachdenken will noch kann. »Nein, Irmgard«, ermutige ich mich. »Du hältst das durch!«

Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, die Aufforderung an meinen Friedrich. »Sag mal Mutter, geht`s noch?«, wäre seine Erwiderung gewesen. Dann hätte er sich angezogen und wäre mit seinen Kumpels einen zwitschern gegangen, um dann völlig besoffen auf mein Angebot zurückzukommen. Geh mir doch weg!

Obwohl-, fällt mir da gerade ein, vielleicht traute er sich nicht, mir im nüchternen Zustand mitzuteilen:«Mutter, lass uns poppen.«

Witwe Clausen