Kreditlämmer

Von Menno Janssen, Tierwirtschaftsmeister Schafzucht

Ich weiß gar nich‘, wie ich hier auf diesen Blog gelandet bin. Aber dieser Willmehr hat so lange gesabbelt, bis ich mich habe breitschlagen lassen. Na, nu iss auch egal, verklausulier ich eben mal hier, was ich von meine Schafe so lerne, auch wenn es dieser Wiedebach nich‘ mehr hören kann. Bestimmt auch so’n Städter, der glaubt, Essen kommt ausse Fabrik, schön portioniert und plastikverpackt. Oder er iss einer von diese Spinner, die im Bioladen einkaufen und denken, das käme von so kleine Bilderbuchbauern.

Immer, wenn ich mit meine Frau inne Stadt muss, weil se meint, nur da kriegt sie was zum anziehen, bin ich anschließend immer völlig fertig vom Treiben da. Massen von Menschen inne Fußgängerzone und inne Läden, alle auf der Jagd nach Möglichkeiten, ihr Geld los zu werden. Zumindest das Geld, was ihnen sonne Finanzheinis wie dieser Willmehr übergelassen haben. Oder gleich auf Kredit, der dann auch von sonne Typen kommt. Das hat’s früher nich‘ gegeben, dass du Plünnen oder Möbel auf Pump kaufen konntest. War schon schwer genug, die Bank zu überzeugen, wenn du einen neuen Stall bauen wolltest und als Sicherheit Hektar von Acker hattest. Aber heute! Auto, Urlaub, Waschmaschine – alles auf Kredit. Und für’n täglichen Einkauf kannste das Girokonto überziehen. Das iss so, als wenn ich heute schon mal die Lämmer schlachten tue, die nächstes Jahr geboren werden. Und nächstes Jahr dann die vom übernächsten plus ’n paar vom Jahr drauf, wegen die Zinsen. Dass das nicht funktioniert, muss doch dem Blödesten klar sein. Aber die Finanzheinis verklickern dir, das sei ganz normal und richtig. Verdienen sich dumm und dusselig an der Dummheit der Leute. Und wenn se dann merken, dass es doch nicht funktioniert, schreien se nach Rettungsschirme. Die einzigen Lämmer, die geschlachtet werden, sind die Leute mit den Schulden!

Dies‘ junge Ding, diese Anna-Luisa, war auch wieder hier. Jetzt hat sie das Problem, dass es hier bei uns keine angemessene Unterkunft gibt für ihre Kollegen. Wär ja nichts hier, wofür sie den vorgesehenen Etat für das Seminar aufbrauchen könne. Am Ende hieße es dann, sie sei unfähig, so ein Projekt auf die Beine zu stellen. Soll sie das Geld doch inne Stadt inne Fußgängerzone an die Leute verteilen. Aber ne, das geht ja nicht, dann würden die ja weniger Kredite los, an denen sie das Geld verdienen, was se hier bei mir verbraten wollen.

Verrückt, die Welt, aber nix vonne Schafe lernen wollen. Hab jedenfalls noch nich‘ gehört, dass die nach dem Heu von nächstes Jahr schreien. Demnächst werd‘ ich ja noch ’n paar von diese Leute kennen lernen. Ich erzähl‘ Ihnen dann, wie’s war. Ehrensache!

Manno Janssen, Tierwirtschaftsmeister Schafzucht