Hormone von Paul Wiedebach

Zurzeit sitze ich auf einem Pulverfass. Vor genau einer Woche stellte meine Göttergattin die Einnahme ihrer Hormone gegen Wechseljahrsbeschwerden ein und seitdem analysiere ich jede ihrer Reaktionen auf Anzeichen von frühzeitiger Altersdemenz, psychotischer Störungen und entzugsbedingten Entgleisungen. Ich lasse sie nicht mehr aus den Augen, was bei ihr zu einer erhöhten Nervosität führt, von der ich jetzt nicht sagen kann, ob sie auf den Hormonmangel oder auf meine erhöhte Wachsamkeit zurückzuführen ist. »Was starrst du mich immer so an?« Diese Beschimpfung anstatt eines fröhlichen guten Morgens, bringt mich arg in Versuchung bei ihrem Gynäkologen anzurufen und hormonellen Nachschub zu bestellen. Ich finde auch, dass sie mehr seufzt und schnauft als vor einer Woche. Und, ist der leichte Flaum über ihrer Oberlippe als beginnender Damenbart zu deuten? Weiterlesen