Trendhaarfarbe 2015 von Elke Balthaus-Beiderwellen

Na, da bin ich aber froh! Die Trendhaarfarbe für den diesjährigen Sommer ist grau! Kein Nachfärben und tönen mehr, keine hässlichen grauen Ansätze, keine teuren Frisörbesuche, zwecks Auffrischung eben dieser Ansätze. Wie viel Zeit den Frauen »in den besten Jahren« auf einmal wieder zur Verfügung steht, kaum zu glauben. Es könnte natürlich ein Komplott der Wirtschaft dahinter stecken, denn es ist doch nicht von ungefähr, dass just nach Einführung der Frauenquote, den Damen ein enormes Zeitfenster geöffnet wird, das sie mit wichtigeren Themen als die Kosmetik sie darstellt, füllen können. Ebenfalls zu bedenken ist, dass nicht genug Kitaplätze zur Verfügung stehen. Die Omas sollen quasi aus dem Frisörsalon in die Kinderzimmer geholt werden, um dort auf den quengeligen Nachwuchs aufzupassen, während die Eltern das Bruttosozialprodukt steigern. Weiterlesen

Frauenquoten, Machos und Schäfer

Von Anna-Luisa-Schlimmbach, Nachwuchsführungskraft der “UWFC”

Puh, ich komme gerade von diesem Schäfer zurück und will bei Willmehrs Chefsekräterin einen Termin mit ihm vereinbaren, da kommt er aus seinem Büro und beglückwünscht mich. Wieder einmal sehe ich ihn nur verständnislos an und löse bei ihm das übliche Grinsen aus. „Hier steht die zukünftige Aufsichtsratsvorsitzende und stiert mich an wie ein Schaf. Mit dem Seminar bei den Tieren hatte ich die Hoffnung verknüpft, Sie lernen etwas über Herdenverhalten. Dass sie selbst zum Schaf werden, war nicht vorgesehen.“ Nur mühsam kann ich meine aufkeimende Wut im Zaum halten und stammele nur ein „Ich verstehe nicht, was Sie meinen“. Sein Grinsen wird noch unverschämter. Gönnerhaft nimmt er mich bei der Schulter und führt mich in sein Büro. „Meine Tochter hat jedenfalls schon ihre Ansprüche angemeldet.“ Langsam dämmert mir, worum es geht: Koalitionsverhandlungen ! Frauenquote im Aufsichtsrat!

Sein Grinsen mildert sich zu einem Lächeln. „Na, ist der Groschen gefallen? Wenn sie mitmischen wollen, müssen Sie sich rechtzeitig positionieren. Allerdings muss ich noch mit unserer Gleichstellungsbeauftragten sprechen. Immerhin werden ja von nun an die Männer wegen ihres Geschlechtes benachteiligt, bis die 30% erreicht sind. Und überhaupt, was passiert, wenn die Frauenquote über 70% geht, dürfen dann nur noch Männer in den Aufsichtsrat berufen werden? Sie sehen, wie wichtig dieses Schafseminar ist. Es geht immer weniger um fachliche Belange, nur noch um gruppendynamische Prozesse innerhalb der Herde. Also, wer wollen Sie sein : Schaf, Hütehund oder Schäfer?“

Endlich löst sich meine Verkrampfung und ich erwidere sein Lächeln. „Kratzt diese Quote vielleicht an Ihrem männlichen Ego?“ Sein Lächeln wechselt erneut ins Grinsen. „Wie kommen sie darauf? Ein guter Hirte nimmt doch das Verhalten seiner Schafe nicht persönlich. Er richtet nur seine Führungsstrategie danach aus. Bisher war es doch eher so, dass die Frauen ihren gesellschaftlichen Status über die Verbindung mit einer männlichen Führungskraft erhöhen konnten. Die männlichen Führungskräfte sind privat selten einsam. Bei ihren weiblichen Pendants bin ich mir da nicht so sicher.“ Wütend richte ich mich im Sessel auf und fahre ihn an. „Sie meinen also, erfolgreiche Frauen finden keinen Partner? Dann doch wohl nur, weil die Männer alle Machos sind.“ Seine Mundwinkel scheinen sich – falls das überhaupt geht – noch weiter nach oben zu ziehen. „Sie wollen keinen Macho? Dann sind Sie aber die große Ausnahme, wie mir scheint. Oder stehen Sie mehr so auf Softies. Den Eindruck hatte ich bei Ihnen bisher gar nicht. Ansonsten müssten wir die Liste für das Seminar hinsichtlich der männlichen Teilnehmer noch einmal überarbeiten. Die Kollegen, die Sie dazu eingeladen haben, sind nach meinem Eindruck eher Machos als Softies.“ In Gedanken gehe ich die Liste durch und muss ihm – leider – recht geben. „Aber Sie haben doch gesagt, ich solle diejenigen Nachwuchsführungskräfte mitnehmen, die mir vielversprechend erscheinen.“ Entspannt lehnt er sich im Sessel zurück. „Dann führen Sie mal die Horde. Die Jungs sind wegen der Frauenquote schon auf Hundertachtzig. Ich bin richtig gespannt, wie Sie sich schlagen werden. Im Zweifelsfall können Sie ja den Schäfer um Rat fragen, wie man die Herde unter Kontrolle bekommt. Und jetzt muss ich los, zur Frauen.., sorry, Gleichstellungsbeauftragten.“

Schwupps ist er weg und lässt mich alleine in seinem Büro zurück. Dabei wollte ich doch noch mit ihm das Seminar besprechen, das ihm so am Herzen liegt. Vielleicht sollte ich seine Frau um Rat fragen. Genau, die muss doch wissen, wie man mit solchen Kerlen umgeht. Ist schließlich mit einem verheiratet. Erleichtert gehe ich in mein Büro, um Judith anzurufen. Über das Finanzsystem muss ich auch noch was schreiben, ich weiß. Versprochen ist schließlich versprochen!

Ihre Anna-Luisa Schlimmbach, zukünftige Aufsichtsratsvorsitzende der „UWFC“

Kontrolle von Dr. Bremer

Hubertus Willmehr ist ein Mann nach meinem Geschmack! Seine Artikel in diesem Blog lese ich mit wachsendem Vergnügen, denn ebenso wie ich ist er ein Mensch, der die Dinge unter Kontrolle behält.

Deswegen bringen mich meine weiblichem Patientinnen gerne aus dem Konzept, weil ich ihren wirren Gedankengängen nicht folgen kann. Ein heilloses Gefühlschaos kombiniert mit Somatisierungen und endlosem Herumgeheule unter völliger Negierung von Faktenlagen. Bei den Weibern beginnt dieser Zustand, wenn sie die 35 überschreiten und eskaliert ungebremst bis zum 80. Lebensjahr. Dann setzt gnädigerweise bei den meisten die Altersdemenz ein. Da lobe ich mir den Großteil der Kerle! Die leiden stumm und gehen sang- und klanglos an Krankheiten ein, die nicht tödlich gewesen wären, wenn sie mich eher aufgesucht hätten. Jedenfalls sind sie mir dadurch aber nicht bis zu ihrem Ableben mit irgendwelchen Beschwerdekonglomeraten auf den Geist gegangen.

Ich fahre gelegentlich Notarztwagen. Meldet die Leitstelle: weibliche Person zwischen 40 und 50 mit Herzbeschwerden drückt mein Fahrer das Gaspedal nicht durch, das kann ich Ihnen sagen. Sollte es sich hingegen um eine männliche Person handeln, ist höchste Eile geboten!

Männer jammern nicht, sie machen! Das Leben ist nicht mehr als eine Gleichung, die einfach zu lösen ist, wenn man die Unbekannten darin erst gar nicht zulässt. Im Zeitalter von Viagra, Cialis und Co. ist die letzte Unsicherheit aus dem Weg geschafft. Also, worüber sich den Kopf zerbrechen?

So sind wir Männer eben, ausschließlich problemorientiert. Für jedes Problem existiert eine Lösung, wenn man seine grauen Zellen bemüht und in allem strikt nach den vorgegebenen Regeln handelt. Die Mathematik ist nicht umsonst die Domäne der Männer.

Ich bedauere es sehr, dass es kaum männliche Arzthelfer gibt. Leider ist dieser Beruf überwiegend mit Frauen besetzt. Ich kann Ihnen sagen, sobald drei Weibsen zusammenkommen, ist der Zickenkrieg vorprogrammiert und ich als Chef darf mich, neben dem Stress in meinem Alltag zusätzlich um die Befindlichkeiten meiner Angestellten kümmern. Ja, geht`s noch?

Gefühle haben im Berufsleben nichts verloren, da dominieren Algorithmen, die abgearbeitet werden müssen.

Ein Patient in akuter Lebensgefahr profitiert nicht davon, dass ich ihm bedauernd die Hand halte, sondern auf den Punkt genau korrekt funktioniere. Es geht darum, ihn lebend ins Krankenhaus zu bekommen, für den ganzen Rest gibt es dann ja die Krankenschwestern, die die »Tüdelei« übernehmen können.

Wobei Mitleid, soweit meine ärztliche Erfahrung, gerade in Bezug auf eingebildetes Leid seit jeher kontraproduktiv war und bleiben wird.

Wo ist das gute Alte »Nun reiß` dich mal zusammen« hin? Leide hier nicht herum, sondern tu was, ändere was! So sieht es doch aus. Glauben Sie mir, die Psychotherapien gestalteten sich effektiver, wenn sie den Charakter von »Boot Camps« aufwiesen.

Dr. Bremer, Landarzt

Gerupfte Hühner

von Hubertus Willmehr, CEO der United World Financial Corporation

 

Werte Witwe Clausen, liebe Tanja K.!

Ich darf Sie doch so nennen? Sie beschreiben beide ihre Situation aus ihrer ganz eigenen, subjektiven Sicht. So bedauerlich ihrer beider Schicksal sich auch anfühlen mag, so gebe ich doch zu bedenken, dass ihre jeweiligen Männer, die sich hier nicht äußern bzw. im Falle des Herrn Clausen nicht mehr äußern können, gewiss auch eine persönliche Wahrheit haben oder hatten.

Sie, Frau Clausen, bedauern, nicht mehr aus ihrem Leben gemacht zu haben. Aber haben sie schon einmal darüber nachgedacht, ob ihr verstorbener Mann nicht vielleicht auch ganz andere Vorstellungen von einem gelungenen Leben hatte. Immerhin hat er sie und die Kinder mit seiner Hände Arbeit ernährt. Immer wieder ist er in den harten Lebenskampf da draußen gegangen, um die finanziellen Mittel für sie und die Kinder zu beschaffen. Haben sie jemals darüber nachgedacht, was es für ihren Mann bedeutete, so angekettet zu sein?  Und was bekam er als Gegenleistung? Dankbarkeit, Respekt und Liebe? Oder doch eher Vorwürfe und Gezeter? Womöglich sogar von deren Mutter gegen ihn aufgehetzte Kinder? Hat er sich dann, gerechtfertigter Weise, lieber mit seinen Freunden im Fußballstadion oder in der Kneipe getroffen? Wo er auf Verständnis für seine missliche Lage hoffen konnte? Und sie beschweren sich darüber, dass er nie etwas von sich preisgegeben hat. Über was hätte er denn mit ihnen reden sollen? Über den täglichen Kampf auf der Arbeit? Seine unerfüllten Hoffnungen? Mit ihnen, die sie sich wunderbar bequem ins Innere des Familienlebens zurückziehen konnten?

Oder nehmen sie den Mann von Tanja K.! Da heiratet er eine Alkoholikerin, wohl in der Hoffnung, die Geborgenheit, die er bereit ist, ihr zu geben, werde ihr helfen. Und was bekommt er? Eine versoffene, mit sich und der Welt hadernde, unzufriedene Frau auf dem emotionalen Stand eines Kleinkindes. Ich kann mir richtig vorstellen, Tanja, wie ihr Mann abends, erschöpft vom täglichen Existenzkampf, nach Hause kommt, und sie ihm lallend entgegen torkeln. Wie sie ihm die Schuld an ihrem verkorksten Leben geben, ihm, der nun am wenigsten dafür kann. Wie sie ihm, immer und immer wieder, hoch und heilig versprechen, mit dem Saufen aufzuhören. Und natürlich trotzdem weitersaufen! Sie haben, wie fast alle Frauen, einen Doofen gesucht und gefunden, der ihnen die Mühsal des Lebens abnimmt, und anschließend beschweren sie sich darüber, dass sie ihr Leben nicht selbstbestimmt führen können.

In dem Punkt scheinen alle Frauen gleich zu ticken. Machen sich keine Gedanken, wie ihre Männer sich wohl fühlen könnten, mit gerupften Hühnern an der Backe. Und jetzt wollen die Töchter und Enkelinnen von Witwe Clausen und Tanja K. auch noch die Vorteile beider Lebensentwürfe für sich vereinen. Sich, wann immer ihnen der Sinn danach steht, ins Private zurückziehen zu können, bei Bedarf aber – also wenn es ihnen zu Hause zu langweilig wird – über eine Frauenquote in die Arbeitswelt einmischen. Ich habe gerade ein Gespräch mit einigen weiblichen Nachwuchsführungskräften hinter mir. Was da wieder von den jungen Damen kam! Sie würden sich ja wirklich gerne voll einbringen. Aber die Arbeit müsse doch so organisiert werden, dass sie mit Kindern und Familie in Einklang zu bringen sei. Nach dem Motto : wir wollen das große Wort führen, uns aber jederzeit zurückziehen können und die Arbeit den Männern überlassen, später aber zurückkommen und die Männer, die während unserer Abwesenheit die Stellung gehalten haben, zur Seite drücken dürfen.

Aber eines kann ich ihnen versichern, liebe Damen, nicht mit mir. Und wenn, dann nur über meine Leiche!

Jedenfalls sind wir erstmal so verblieben, dass an allen unseren weltweiten Standorten Betriebskindergärten eingerichtet werden. Mit der Organisation dieser Aufgabe haben wir einige der jungen Damen betraut. Dann haben die doch schon mal ein paar Führungsaufgaben, bei denen sie ansonsten keinen weiteren Schaden anrichten können, und wir können die Frauen, die in diesem Bereich tätig sind, auf unsere Frauenquote anrechnen. Für meine Tochter aus erster Ehe,  die demnächst, nach Beendigung ihres Studiums, hier auf der Vorstandsetage anfängt, ist es doch schön zu wissen, dass sie ihre Karriere wegen eines Kinderwunsches nicht unterbrechen muss.

Jetzt habe ich doch tatsächlich immer noch nichts zum Finanzsystem gesagt. Da können sie einmal sehen, wie die Frauen einen aus dem Tritt bringen können.  Aber das nächste mal bestimmt. Versprochen ist schließlich versprochen.

Ihr Hubertus Willmehr

Quotenhühner von Irmgard Clausen

Die jungen Leute waren so nett und besorgten mir ein Tablett, oder wie das Ding heißt, damit ich meine Beiträge und die der anderen lesen kann.Ich muss sagen, der Artikel über Quotenhühner an Feuerstellen ist mir arg auf den Magen geschlagen. Ein Quotenhuhn war ich nie, dafür aber ein verdammt dummes Huhn. Nach der Heirat sofort die Arbeitsstelle aufgegeben- mein Kind war ein Fünfmonatskind, wenn Sie verstehen, was ich meine. Wo war ich gerade, ach ja, bei der Aufgabe meiner Arbeitsstelle, dabei hätte ich Abteilungsleiterin werden können! Blöd war ich noch nie. Ich wäre sogar gerne weiterhin zur Schule gegangen, aber Mädchen und Abitur, das passte früher an allen Ecken und Enden nicht ins Schema.

Dann kam meine Tochter und, klack, die Falle schnappte zu!

Lassen Sie sich einmal zeit ihres Lebens von einem Mann bestimmen, der weniger klug ist, als Sie selber, das brennt Ihnen das Magengeschwür direkt in die Schleimhaut, das können Sie mir glauben.

Nur, dass ich damals kein Magengeschwür bekam, sondern Herzrasen. Sofort wurden mir »Mother`s little helpers« verordnet, allgemein unter dem Namen Valium bekannt. Es bedeutete eine außerordentliche Leistung der Pharmaindustrie, all die frustrierten Hausweiber endlich unter Kontrolle zu bringen.

Dann kam die Pille, die unseren Körpern suggerierte, schwanger zu sein. Eine bereits schwangere Frau muss sich nicht mehr fortpflanzen, also stellten sie uns nicht nur ruhig, die männlichen Pharmaforscher, nein, sie nahmen uns auch noch die Lust auf Sex. Die ersten Pillen beinhalteten den hormonellen Hammer. Ich bekam einen überhöhten Blutdruck, Kopfschmerzen und totale Unlust beim Verkehr, musste aber trotzdem ran, wenn mein Friedhelm angetrunken vonne Schicht kam und sich an seinem prallen Schwanz selber ergötzte. Glauben sie mir, eine schlimmere Prostitution, als die in der Ehe, gab es damals nicht. Ich denke, es war die Zeit, als der vorgetäuschte Höhepunkt erfunden wurde.

Wir wohnten im Hause meiner Schwiegereltern. Meine Schwiegermutter wies auf meine Nachthemden hin, die wir gemeinsam in der Waschküche wuschen und meinte nur:«Zieh`dir was anderes an, wenn du ins Bett gehst, man muss die Männer nicht noch unnötig reizen!«

Da war sie konsequent. Als mein Schwiegervater in Pension ging, tat sie es ebenfalls. Ich kann nur vermuten, dass sie sich sackleinene Nachtgewänder mit eingebautem Keuschheitsgürtel besorgte, denn das gemeinsame Schlafzimmer blieb, aus welchen Gründen auch immer.

Als ich dann Mitte vierzig meine weibliche Lust entdeckte, befand sich mein Friedhelm schon weit jenseits von Gut und Böse, besonders, weil er nicht nur leicht angetrunken vonne Schicht nach Hause kam, sondern sturzbesoffen.

»Vom Alkohol heißt es allentwegen, hebt das Verlangen, senkt das Vermögen.«

Den Spruch kann ich gleich dreimal unterschreiben!

Da existierte man endlich als Frau, sich seiner Weiblichkeit bewusst, frei, da die Kinder aus dem Hause waren, frei, weil Valium keine Alternative mehr darstellte, frei, weil ich von der Pille zur Spirale überging. Plötzlich spürte ich Verlangen und bekam einmal mehr nichts zurück.

Ach, Friedhelm, warum bist du nicht früher gestorben?

Irmgard Clausen

Quotenhühner am Lagerfeuer

Von Hubertus Willmehr, Ceo der „United World Financial Corporation“

Ich habe lange mit mir gerungen, hier zu schreiben. Ich meine, in so einem Klöterblog, den niemand kennt und der folglich auch nicht gelesen wird. Umgestimmt hat mich die Tatsache meiner Vertragsverlängerung um weitere fünf Jahre, die der Aufsichtsrat letzte Woche mit mir geschlossen hat. In diesem Vertrag ist, wie üblich, ein »goldener Handschlag« vereinbart, der allerdings nur zum Tragen kommt, wenn die Initiative zur vorzeitigen Auflösung von den Anteilseignern, vertreten durch den Aufsichtsrat, ausgeht. Wenn ich also hier vom Leder ziehe und aus dem Nähkästchen plaudere, kann vielleicht ein dezenter Hinweis auf diesen Blog ausreichen, das dann Unvermeidliche bei Bedarf auszulösen. Man weiß ja nie!

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, ihnen die ungeschminkte Wahrheit über unser Finanz- und Wirtschaftssystem offen zu legen. Mir ist aber ein Treffen mit meinen Vorstandskollegen ins Gemüt gefahren, und deshalb nutze ich die Gelegenheit, mir etwas anderes von der Seele zu schreiben.

Der Kollege fürs Marketing kam mit der Anregung, wir bräuchten mehr Quotenhühner.(sic) Dieses waren tatsächlich seine Worte. Das sei jetzt eben angesagt, und wir könnten uns der gesellschaftlich Entwicklung nicht entgegenstemmen. Nachher würden wir gar noch als frauenfeindlich abgestempelt. Er löste damit allgemeine Heiterkeit in der Runde aus. Wir und frauenfeindlich! Sie hätten einmal auf dem letzten Incentive für Führungskräfte erleben sollen, wie charmant wir uns um die georderten Damen gekümmert haben. Nach und nach setzte sich dann aber doch die Überzeugung durch, dass wir, um unseres Images willen, nicht um dieses Thema herumkommen. Die Umsetzung stellte sich als gar nicht so einfach dar, wie es den Anschein haben mag. Mehr Frauen in Führungspositionen, so lautet der Slogan. Führen bedeutet, Entscheidungen zu treffen, und das vor allen Dingen bei unvollständiger Informationslage in eine immer auch ungewisse Zukunft hinein. Frauen und Entscheidungen treffen! Ein Widerspruch in sich! Frauen können sich nicht einmal zwischen zwei Paar Schuhen entscheiden, ohne das vorher mit zahlreichen Freundinnen, oder, in der verschärften Variante, dem Partner auszudiskutieren. Kennen wir doch alle, wie so etwas abläuft.

Sie : »Schatz, steht mir das?« Er: »Ja doch!« Sie: »Das sagst du doch nur, damit du deine Ruhe hast. Du schaust ja nicht einmal richtig.«

Zum Vergleich beobachten sie einen Mann in der gleichen Situation: »Passt, haben sie das auch zweimal, dann habe ich länger Ruhe.«
Bereitschaft zur Entscheidung setzt einen entsprechenden Gemütszustand voraus, der bei Frauen nun einmal nicht vorhanden ist. Oder glauben sie, dass unsere Vorfahren am Lagerfeuer vor ihrer Höhle gesessen haben , die ganze Horde zusammen? Und dass sie, Männlein und Weiblein, die Kinder mittendrin, tagelang darüber diskutiert haben, wer denn nun auf die Jagd geht? Und dass sie nach umfangreichen Erörterungen und gewissenhaftem Abwägen schlussendlich zur Überzeugung gelangt sind, diese Aufgabe den Männern zu übertragen, weil diese die größeren Muskeln haben? So war es natürlich nicht! Die Männer hatten einfach mehr Mut und mehr Freude am Risiko. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Ich sage ihnen, diejenige Firma, die zuerst 50% Frauenquote in Führungspositionen einführt, geht grandios unter. Wegen Führungsschwäche und Mangel an Testosteron!
Na, mir kann es ja egal sein, ich habe mein Berufsleben fast hinter mir. Aber die jungen Männer können einem leid tun. Erst nehmen die Frauen ihnen massenhaft die Studienplätze weg und anschließend auch noch die Jobs. Später müssen sie sich von denselben Frauen auch noch anhören, keine adäquaten Partner mehr zu sein. Ja, wie denn? Meine Vermutung ist, es liegt am Weichmacher im PVC oder an den Konservierungsstoffen in Kosmetika, wie man erst kürzlich festgestellt hat. Diese den weiblichen Hormonen ähnlichen Substanzen, die nach und nach in die Körper der Männer einsickern, entfalten ihre unheilbringende Wirkung. In meiner Jugend fing das gerade erst an und die Dosis war vermutlich zu gering, als dass sie nennenswerten Einfluss auf die Entwicklung unserer Männlichkeit haben konnte. Aber bei den jungen Männer ist die Wirkung unverkennbar. Dazu noch dieses ganze Gleichberechtigungsgedöns und Geschwafel über den neuen Mann. Das dient nur dazu, die kameradschaftliche Solidarität unter Männern zu zerstören. Und die zwischen Mann und Frau gleich mit. In der Vorstandssitzung haben wir noch mehrere Stunden darüber debattiert, welche Positionen wir mit Frauen besetzen sollten. Schnell herrschte Einigkeit, ein paar neue Abteilungen zu schaffen, mit unwichtigen Aufgaben, wo die Frauen, die dort dann führen, möglichst wenig Schaden anrichten können. Jeder von uns will sich bis zur nächsten Sitzung pompös klingende, letztendlich aber unbedeutende Aufgaben ausdenken, die wir den zukünftigen Führungsfrauen übertragen können. Was das wieder kostet! Wir sind zum Glück ein Finanzkonzern, da spielt Geld ja bekanntlich keine Rolle. Am Ende übernehmen eh die Staaten unsere Verbindlichkeiten. In diesem Fall auch nur gerecht. Wer hat uns schließlich diesen Quotenquatsch eingebrockt?

So, jetzt muss ich aber los, zum Golfplatz, wo ich mit zwei Vorstandskollegen verabredet bin. Anschließend treffen wir uns im Kaminzimmer des Clubhauses mit einigen unserer weiblichen Nachwuchsführungskräften. Mit den Quotenhühnern am Lagerfeuer, wie der Personalvorstand anmerkte.

Über das Finanzsystem erzähle ich ihnen dann beim nächsten Mal. Versprochen!

Ihr Hubertus Willmehr