Maria und Joseph von Elke Balthaus-Beiderwellen

Wenn ich jetzt noch einmal zu hören bekomme, dass Maria und Joseph Flüchtlinge waren, renne ich mit dem Kopf gegen die Wand. Selbst die Priester, eine deutschsprachige Gesangstruppe aus Klerikalen, wollte mir heute Morgen diesen Bären aufbinden. Wohl schon lange nicht mehr die Bibel studiert, möchte man meinen. Hier noch einmal zur Erinnerung: Die Weihnachtsgeschichte nach Lukas Weiterlesen

Calden von Elke Balthaus-Beiderwellen

»Bei Abwesenheit großer Sorgen, quälen uns die kleinsten Unannehmlichkeiten«, wusste schon Schopenhauer. Flüchtlinge sind da nicht anders. Kaum ist die Gefahr von Krieg und Verfolgung weg, schon wird wegen Unstimmigkeiten mit Latten, Stöcken und Reizgas aufeinander losgegangen, wie im nordhessischen Calden zu sehen ist. Ich bin da nicht anders. Quält mich zum Beispiel ein unerträglicher Zahn- oder Kopfschmerz, schwöre ich mir hoch und heilig, mich bei vollkommener körperlicher Gesundheit über nichts mehr aufzuregen. Kaum ist der Schmerz weg, dauert es keine halbe Stunde und schon stört mich die sprichwörtliche Fliege an der Wand. Das ist zutiefst menschlich. Abwesende Dinge verlieren wir aus den Augen. Weiterlesen

Heilige von Elke Balthaus-Beiderwellen

Mit Heiligsprechungen sollte man vorsichtig sein. Papst Franz I sprach jetzt in Kalifornien Junipera Serra heilig, der im 18. Jahrhundert den Katholizismus nach dem Motto verbreitete: »Und wenn du nicht katholisch wirst, schlag ich dich, bis dein Schädel birst.« Solche Leute braucht die katholische Kirche und ich kann mir gut vorstellen, wenn es nur die geringste Möglichkeit gäbe, würde sie die Menschen auch heute noch nach dem gleichen Schema missionieren. Die Kirchen sind leer. Da stünde man doch gern mit der Peitsche auf dem Marktplatz und sorgte für volle Gotteshäuser! Schade aber auch, dass die Drohung mit Fegefeuer und Hölle so gar nicht mehr funktionieren will. Weiterlesen

Schulweg von Elke Balthaus-Beiderwellen

Heute ist der internationale Tag des zu Fuß zur Schule Gehens. So sehr ich mich auch anstrenge, ich kann mich nicht daran erinnern, jemals zur Schule gebracht worden zu sein. Weder zu Fuß, noch mit dem Auto. Da hieß es nur, da muss du lang und sieh zu, dass du pünktlich bist. Ob dunkel oder hell, ob Regen oder Schnee, selbst mit einem verdrehten Fußgelenk hieß es, ich solle mich bloß nicht anstellen und einfach früher loslaufen. Die irrste Begründung, warum das Kind die Hundert Meter bis zum Unterricht mit dem Auto gebracht werden müsse, hörte ich von einer Mutter, die auf die Gefährlichkeit all der Autos vor der Schule hinwies. Je mehr Eltern »bringen«, um so prekärer die Verkehrslage vor dem Gebäude und um so dringender das Bedürfnis, die Kinder mit dem sicheren Fahrzeug hindurchzuschleusen. Wahrscheinlich sind das genau die umweltbewussten Eltern, die sich jetzt über die manipulierten Abgaswerte für Dieselfahrzeuge des VW-Konzerns aufregen. Weiterlesen

Aargau von Elke Balthaus-Beiderwellen

Der Bürgermeister der Gemeinde Oberwil-Lieli im Kanton Aargau kauft seine Bürger für 290.000 Franken flüchtlingsfrei. Bei entsprechender Millionärsdichte bleibt man von der normativen Kraft des Faktischen verschont und kann sich sein privates, kleines Wolkenkuckucksheim erhalten.Die Notleidenden waren seit jeher ein Problem der Armen und werden es in Zukunft bleiben. Verteilungskämpfe finden an der breiten Basis statt, wo es auch ohne zusätzliche Belastung bereits Verteilungskämpfe gibt. Wenn ich ehrlich bin, würde ich auch gerne in dieser Gemeinde wohnen, die Welt Welt sein lassen und mir mit Geld mein eigenes Disney-Land erschaffen. Leider besitze ich kein Geld, jedenfalls nicht in der erforderlichen Menge. Bei mir lungern Kosovo-Albaner mit Fahrrädern vor meinem Küchenfenster herum und plötzlich bin ich froh, dass ich zwei äußerst verteidigungsbereite Hunde im Haus habe, obwohl die jungen Männer mir nichts taten. Alles nach dem Motto: Holt die Wäsche von der Leine, Zigeuner sind in der Stadt! Weiterlesen

Verantwortung von Elke Balthaus-Beiderwellen

Heute Morgen hörte ich ein ebenso gewaltiges wie inhaltsleeres Wort. »Verantwortungsgemeinschaft«. Inhaltsleer deswegen, weil was im Kleinen nicht funktioniert, es im Großen gleich gar nicht tut. Bereits in den Familien, sofern sie parallel zu den Alleinerziehenden noch vorhanden sind, wird Verantwortung gerne delegiert. Unsere Alten stecken wir in Pflegeheime, die Erziehung der Kinder schieben wir auf die Lehrer, oder in Härtefällen auf Kinder- und Jugendtherapeuten ab. Ja, wir übernehmen noch nicht einmal die volle Verantwortung für unser eigenes Leben. Wir mäandern hindurch und sind jedes Mal von den unangenehmen Konsequenzen unseres Tuns überwältigt. Für unsere Gesundheit ist der Arzt zuständig und, wenn Zucker und Blutdruck in schwindelerregende Höhen steigen, liegt das natürlich an der Unfähigkeit des Doktors. Wenn wir nicht schlafen können, ist die Matratze schuld. Alles treu dem Motto: Wenn der Bauer nicht schwimmen kann, liegt es an der Badehose. Unfähigkeit wird nicht durch die bloße Masse der Unfähigen zur Fähigkeit. Wie soll so die gemeinsame Verantwortung einer Nation für ihr Funktionieren, der europäischen Zweckvereinigung für die Flüchtlinge´oder der gesamten Menschheit für so unwichtige Dinge wie das Weltklima entstehen? Wie soll jemand, der die Verantwortung für sein eigenes Handeln nicht übernimmt, Verantwortung für seinen Nächsten aufbringen? Eine Verantwortungsgemeinschaft kann nur durch die Addition von Einzelverantwortungen entstehen, was das Wort, weil der Mensch eben ist, wie er eben ist, so inhaltsleer macht.

 

Europa schafft sich ab von Elke Balthaus-Beiderwellen

Erleben wir das Ende Europas? War es von Anfang an nur eine Zugewinngemeinschaft und keine der Werte? Wenn man sich noch nicht einmal auf die Quotenverteilung von 120.000-160.000 Flüchtlingen einigen kann, ist die Verteilung von Millionen reine Illusion. Schade eigentlich, Europa war gut gedacht, eine gut gemeinte Ideologie, die am den Zwängen des Faktischen scheitert. »Staaten haben keine Freunde, nur Interessen«, meinte schon Charles de Gaulle. Wie recht er doch hatte! Globalisierte Geldströme beinhalten nicht die Freigabe von globalisierten Menschenströmen. Wenn es um Geld geht, tagt Europa rund um die Uhr, menschliche Katastrophen können getrost bis Oktober warten. Weiterlesen

Kosmetik von Paul Wiedebach

Am letzten Freitag, d. 11.09.15 hörte ich in der 17:00 Uhr Tagesschau den seltsamsten Ausdruck, den ich je vernahm. »Die Bundeswehr wird in Willkommenskulturrufbereitschaft versetzt«. ????? Was soll das heißen? Tauschen die jetzt ihre untauglichen Sturmgewehre gegen Blumensträuße ein? Heute Morgen teilten mir die Nachrichten mit, dass die Bundesrepublik wieder Grenzkontrollen einführt. Also, was denn nun? Kommando zurück? Wird aus der uneingeschränkten Willkommenskultur nun eine, im wahrsten Sinne des Wortes beschränkte Grenzsicherung? Weiterlesen

Duisburg von Witwe Clausen

Wenn mein Friedrich das mit den Flüchtlingen noch mitgekriegt hätte, ihn hätte glatt der Schlag getroffen, wenn er ihn nicht schon unlängst ereilt hätte. Da wir mitten im Ruhrpott wohnen, regte er sich regelmäßig über unsere Innenstadt auf, die zunehmend zu Klein Istanbul wurde, wie er sich auszudrücken pflegte. »Demnächst rennst du auch hier mit Schleier rum, das gebe ich dir schriftlich, sonst hauen dir die Paselacken was vor die Mappe!« Und wenn er die Berichte über Duisburg mitbekommen hätte, ein Herzinfarkt plus Schlaganfall wäre das Mindeste gewesen. Er hatte aber auch ein aufbrausendes Gemüt, mein Friedrich und ich gönne es ihm von Herzen, dass ihm die muslimische Völkerwanderung unserer Tage erspart bleibt. Ja, was soll man dazu sagen? Wie mein Verflossener so richtig voraussagte, komme ich mir in unserem Stadtteil ohne angemessene Kopfbedeckung irgendwie nackt vor. Weiterlesen

Kos von Paul Wiedebach

Urlaubern auf der Insel Kos, oder Mittelmeerkreuzfahrern vor dem Eiland bietet sich die einmalige Möglichkeit humanitäre Größe zu zeigen. Anstatt die syrischen Flüchtlinge nur zu begaffen, könnten sie ihnen ihre Quartiere zur Verfügung stellen. Wahre Willkommenskultur zeigt sich darin, Tisch und Bett mit Fremdlingen zu teilen und Gutmenschen, die nur »gut reden« könnten beweisen, dass sie auch meinen, was sie lauthals verkünden. Mich wundert, dass von Seiten der Urlauber, unter denen sich bestimmt auch einige Lehrer, Sozialpädagogen, Theologen und Parteiangehörige der Grünen, sowie der Linken befinden, noch kein diesbezüglicher Vorschlag an die griechische Regierung gemacht wurde. Nur mal eben Zwei-Mann-Zelte an den Strand zu stellen, ist genau so ein Wischiwaschi, wie es sich in den verbalen Äußerungen der »Wir haben uns alle Lieb- Fraktion« findet. Also her mit den Feldbetten und rein damit in die fünf Sterne Suite, oder in die Oberdeckkabine mit Balkon! Hier kann man echten persönlichen Austausch mit fremden Kulturen pflegen, was ja die Sehnsucht so manches Fernreisenden zu sein scheint und sie nicht nur aus sicherer Entfernung begutachten!