Evolution 2.0 Von Elke Balthaus-Beiderwellen

Forscher in den Rocky Mountains fanden heraus, dass die Zungen von Hummeln in nur 40 Jahren um 25% schrumpften. Aufgrund des Klimawandels starben viele Nahrungspflanzen mit langen Blütenkelchen aus und mit der verkürzten Zunge können die Hummeln auf andere Pflanzen ausweichen. Wenn wir an die Evolution denken, haben wir immer Jahrmillionen im Kopf, was offensichtlich falsch ist. Was sagt uns diese superschnelle Reaktion in Bezug auf den Menschen? Da wir nur noch auf Displays starren, könnte sich der Augapfel des Homo sapiens in nur wenigen Jahrzehnten verlängern, sodass Kurzsichtigkeit zum Normalzustand wird. Aufgrund de Kommunikation per Kurzmitteilung und per Emoticon ist mit einer Verkümmerung des Sprachzentrums zu rechnen, sodass Gespräche sich auf den Austausch von Grunzlauten beschränken. Weiterlesen

Evolution von Paul Wiedebach

Was bringt uns zu der überheblichen Ansicht, der Verstand des Menschen hätte seit der Steinzeit erhebliche Fortschritte gemacht? Wenn ich mich umschaue, sehe ich nur Rückschritte. Zwar wird sich nicht mehr mit Keulen auf den Kopf geschlagen und stattdessen verbal auf die Glocke gehauen, wenigstens in den sogenannten zivilisierten Staaten, aber es geht immer noch um höchstpersönlich motiviertes Kräftemessen. Die Männer sind zwischengeschlechtlich über den Status: ich Tarzan, du Jane noch nicht hinaus, die Frauen untereinander nicht darüber, wer die attraktivste Henne im Hof ist, männliche »Schwanzvergleiche« bestimmen die Weltpolitik und Frauen liften sich künstlich im Gegensinne der Emanzipation.

Die Sprache wurde ausgefeilter und abgefeimter, mehr evolutionäre Errungenschaften erkenne ich nicht. Im Prinzip kann man alle diplomatischen Wortverdrehungen auf vier Worte zurückführen, die da lauten: Ich gut, du böse.

Zwischendurch träumen wir weiter vom jenseitigen Leben mit seinen paradiesischen Belohnungssystemen, lassen uns von Göttern, Astrologen und Parapsychologen sagen, wo es lang geht, basteln an Computern herum, die irgendwann so vernünftig werden, dass sie keine andere Möglichkeit der Selbsterhaltung sehen, als die Menschheit abzuschaffen.

Ein Teil der Menschheit phantasiert davon, als Cyborgs unsterblich zu werden; aber warum sollte ein hochentwickelter Computer bereit sein, ein Affenhirn zu übernehmen?

Ein paar von uns lassen sich postmortal einfrieren, damit sie in ferner Zukunft, wenn ihre tödlichen Krankheiten geheilt werden können, wiedererweckt werden. Wobei unklar bleibt, warum sich zukünftige Generationen mit diesen Altlasten abgeben sollten.

Wir arbeiten an hochintelligenten Verkehrsmitteln, die den Menschen überflüssig machen und, wenn sie wirklich so schlau sind, in Zukunft darauf verzichten werden, uns überhaupt mitzunehmen.

Wir schrauben an Genen herum, ohne deren Komplexität auch nur im Ansatz verstanden zu haben, vermüllen die Meere, verpesten die Luft und vergessen dabei völlig, dass die Erde seit den ersten Lebensformen nicht der Planet der Menschheit, sondern der der Mikroorganismen ist. Wir faseln über Ökosysteme ohne deren Prinzipien begriffen zu haben und unsere einzige Motivation ist, wer wann und wo mit wem Geschlechtsverkehr haben kann.

Fressen, saufen und bumsen steht hinter allem. Das Internet wir vor allem als Kontakt- und Tratschbörse genutzt, als Medium, um seinem vermeintlichen Gegner zu schaden und seiner Peergroup zu nutzen. Steinzeithordenverhalten auf hohem Niveau, wenn man so will.

Wir rennen zeit unseres Lebens bedruckten Zetteln hinterher, die sich Geld nennen, in der irrigen Ansicht, sich damit Liebe, Zuneigung und Anerkennung kaufen zu können. Selbst das, was den Menschen ausmacht, Kunst und Kultur, verkommt zum Markt der Eitelkeiten. Der Steinzeitmensch bemalte noch ganz in sich und für sich seine Höhlenwände, ohne sich über den Verkauf seiner Schöpfung Gedanken zu machen. Hier ist sogar ein Rückschritt erkennbar. Das Sein wurde durch Schein ersetzt, das Bedeuten durch Haben und die Chance, die in der Endlichkeit unseres Daseins liegt, durch zukünftige Heilsversprechen verspielt.

Nur, wer sich vor Orakeln duckt, kommt nie wieder hoch.

Paul Wiedebach, Kolumnist