Eltern von Elke Balthaus-Beiderwellen

Im Morgenmagazin gab es heute einen besonderen Service. Ausgerechnet eine Vertreterin der Zeitschrift »Eltern« beantwortete Fragen junger Paare mit frischen Nachwuchs. Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als dieses Blatt mir jeden instinktiv natürlichen Brutpflegetrieb zunichtemachte. Das ist zwar nun bald dreißig Jahre her und es kann durchaus sein, dass die Postille, wie man sich das erste Jahr mit dem eigenen Kind besonders schwer machen kann, ihre Rat-SCHLÄGE überarbeitete, aber ich befürchte mal nicht. Auf allen Vieren kroch ich damals hochschwanger durch unsere Wohnung, um mögliche Gefahren aus der Kinderperspektive aufzuspüren. Vom Treppengittern, bis zu Steckdosensicherungen, vom Umräumen aller Putzmittel in selbst für mich unerreichbare Höhen, von Überprüfen der Raufasertapete auf »Knibbelsicherheit« über eine besondere Schulung für unseren Haushund, bei allen Gefahren, die einem Kleinkind drohen, wunderte es mich, dass die Menschheit bislang überlebte. Weiterlesen

Schulweg von Elke Balthaus-Beiderwellen

Heute ist der internationale Tag des zu Fuß zur Schule Gehens. So sehr ich mich auch anstrenge, ich kann mich nicht daran erinnern, jemals zur Schule gebracht worden zu sein. Weder zu Fuß, noch mit dem Auto. Da hieß es nur, da muss du lang und sieh zu, dass du pünktlich bist. Ob dunkel oder hell, ob Regen oder Schnee, selbst mit einem verdrehten Fußgelenk hieß es, ich solle mich bloß nicht anstellen und einfach früher loslaufen. Die irrste Begründung, warum das Kind die Hundert Meter bis zum Unterricht mit dem Auto gebracht werden müsse, hörte ich von einer Mutter, die auf die Gefährlichkeit all der Autos vor der Schule hinwies. Je mehr Eltern »bringen«, um so prekärer die Verkehrslage vor dem Gebäude und um so dringender das Bedürfnis, die Kinder mit dem sicheren Fahrzeug hindurchzuschleusen. Wahrscheinlich sind das genau die umweltbewussten Eltern, die sich jetzt über die manipulierten Abgaswerte für Dieselfahrzeuge des VW-Konzerns aufregen. Weiterlesen

Kinderfeindlichkeit von Tanja K.

Deutschland ist nicht kinderfeindlich, sondern hoch allergisch gegen Eltern, die ihre Kinder nicht im Griff haben. Wenn ich im Supermarkt von Dötzen überrannt und angerempelt werde und die liebe Mama nur ein verständnisvolles Lächeln für die Unarten ihrer Sprösslinge übrig hat, bei der Quengelware endlos quengeln lässt, bevor sie dann doch nachgibt und mir dann noch einen triumphierenden Blick nach dem Motto: Was bin ich doch für eine Supermutti, zuwirft, dann läuft mein Geduldsfass über. Der öffentliche Raum wird zunehmend dazu genutzt, seine Brut ihre Wege gehen zu lassen, denn schließlich muss jede Helikoptermutter sich schließlich auch einmal erholen. Ob in Wartezimmern, Supermärkten, Schwimmbädern oder öffentlichen Verkehrsmitteln, hier dürfen die Eltern ihre unendliche Toleranz beweisen. Kommt ein unbeteiligter Dritter dazu, schon endet die Verantwortung der Erziehungsverpflichteten, nicht berechtigten-wohlgemerkt. Weiterlesen

Kindheit von Elke Balthaus-Beiderwellen

Es ist mir ein Rätsel, wie ich mein Alter von 56 Jahren erreichen konnte. Ich saß nie in einem Kindersitz, trug niemals einen Fahrradhelm und meine Eltern brachten mich nie mit dem Auto irgendwo hin. Ich erblindete nicht, obwohl ich als Kind keine UV-undurchlässige Sonnenbrille trug, erkrankte nicht an Hautkrebs, trotz langer, im freien verbrachter Sommer ohne Lichtschutzfaktor. Ich spielte mit Spielzeug ohne Warnhinweise und unsere Spielplätze waren nicht mit Gummimatten gepflastert. Ich fuhr Rollschuh, Schlittschuh und Gleitschuh ohne jeden Körperschutz, lernte Fahrradfahren ohne Stützräder, Schwimmen ohne Schwimmflügel und Treppensteigen ohne Absperrgitter. Unsere Steckdosen lagen frei und meine Mutter konnte ihre Putzmittel noch problemlos öffnen. Weiterlesen