Horoskop

Die Jugend steht wieder zunehmend auf Astrologie. Schließlich ist es wichtig zu wissen, in welchem Haus sich der persönliche Mond im Moment befindet, ob der Aszendent auf eine deszendente Bahn abrutscht und ob sich Erd- und Wasserzeichen auch in dreißig Jahren noch vertragen. Partnerhoroskope sind besonders gefragt. Was nützt es, sich Hals über Kopf zu verlieben, wenn die Sternzeichen nicht harmonieren. Vielleicht liegt darin der Grund für die enorme Scheidungsrate: Die Menschen gehen vorher nicht mehr zum Sterndeuter. Gibt es diesen ehrenwerten Beruf überhaupt noch? Wenn nicht, werde ich ihn schleunigst ins Leben zurück holen! Was für eine Marktlücke, voreheliche Partnerhoroskope für, sagen wir einmal 300 Euro. Dies ist in Anbetracht der Scheidungskosten nahezu geschenkt! Aus Geburtsort-, Stunde und Datum bekommen die geneigten Kunden ein fünfzigseitiges Explose´ der näheren und ferneren Zukunft. Was sagte ich? 300 Euro? Nein besser 500, denn was nichts kostet, taugt auch nichts. Und wenn die Menschen 50 Euro für ein Horoskop to go am Bahnhof bezahlen, sitzt diese kleine Ausgabe für garantiertes Lebenspech oder Glück beiweitem drin. Glück hat viele Facetten. Es reicht von: Ich bin heute Morgen neben meinem Partner aufgewacht, zu: Ich bin heute Morgen nicht neben meinem Partner aufgewacht, zu: Mein Partner ist heute Morgen nicht aufgewacht. In dieser Bandbreite werde ich meine Horoskope abfassen. Die Spielräume sind groß und etwas trifft immer zu!

Frauen! von Paul Wiedebach

Die Stimmung in unseren Haus ist reichlich unterkühlt. Meine Gattin und ich hatten eine Grundsatzdiskussion beim Frühstück. Es fing ganz harmlos an. »Liebst du mich eigentlich noch!«, fragte meine Holde. »Natürlich! Was für eine Frage!«, gab ich empört zurück. »Und? Warum sagst du mir das nicht öfter?« Beleidigte Miene. »Du sagst es mir nur, wenn ich mich danach erkundige.« Meine Angetraute ist das Licht meines Lebens. Ich dachte, dies hätte ich damit gezeigt, dass ich damals auf dem Standesamt Ja sagte. Wenn ich meine Meinung diesbezüglich ändern würde, wäre meine Frau die Erste, die es erführe. Damit ist für mich die Sache erledigt. Was ich einmal unter Beweis stellte, muss ich nicht in regelmäßigen Abständen neu beweisen. »Du sagst mir auch nie, dass du mich brauchst«, schniefte sie weiter. »Natürlich brauche ich dich! Ich habe doch keine Ahnung wie die Waschmaschine und der Trockner funktionieren. Von dem neuen Kaffeevollautomaten ganz zu schweigen.« Völlig falsche Antwort! »Oberhemden bügeln bekomme ich auch nicht hin«, versuchte ich, die Wogen zu glätten, »und du kochst eindeutig besser als ich.« Tatsachen sind nun mal Tatsachen! Wieso bekommt meine Teure die einfachsten Dinge immerzu in den falschen Hals? Weiterlesen

Das Gurren der Frauen von Tanja K.

Totlachen könnte ich mich, wenn es nicht zum Heulen wäre. Ich habe zwei Freundinnen, beide Mitte der Dreißig, die, da ja die verdammte biologische Uhr tickt, verzweifelt einen Mann suchen. Natürlich erwischen sie nur die »Eheausbrecher«, die nach kurzer Zeit reumütig feststellen, wie sehr sie doch den heimischen Herd, den Rockschoß der Gattin und das Geplärre der Kinder vermissen. Alles gut und schön, geht mir auch nicht weiter auf den Zeiger, aber die Wesensverwandlung, die meine beiden Freundinnen mitmachen, wenn die »Liebe« noch frisch ist, und sie sich in Gegenwart ihres Eintagsfliegenpartners befinden, halte ich kaum aus. Sie gurren! Weiterlesen

Spezialisten von Paul Wiedebach

Es ist erstaunlich, wofür die Tagesschau ihre knapp bemessene Sendezeit opfert. So widmete sie der Mitteilung, dass im Vatikan eine zweiwöchige Sondersynode der Bischhöfe tagt, an deren Ende keinerlei Beschlüsse gefasst werden sollen, kostbare Sekunden. Die Tatsache, dass nach dieser Sonderversammlung keinerlei Ergebnis zustande kommt, verwundert mich hingegen nicht, denn die Kirchenoberen diskutieren über Ehe, Familie und Sexualität. Es ist genauso, als würde ich ausführlich Stellung zum prämenstruellen Syndrom beziehen. Im Italienischen(!) gibt es eine treffende Formulierung für sinnlose Gespräche, die da lautet: Über das Geschlecht von Engeln diskutieren. Wobei dieses Thema den Bischhöfen angemessener gewesen wäre und den gleichen, sinnfreien Zeitvertreib dargestellt hätte.  Ehelose, kinderlose, zölibatäre, im besten Fall homoerotische »Männer« beleuchten Fragen, für die sie die absoluten Fachleute darstellen; also kann man davon ausgehen, dass sie mehr Dunkelheit als Licht verbreiten. Obwohl Franzl ihnen auftrug, besonders offen mit diesem Themenkreis umzugehen, stellt sich mir die Frage, wie dies gehen soll. Vorgefasste Meinungen zu Themen, von denen man keine Ahnung hat. Verschlossener geht es doch gar nicht. Grund für diese Sondersynode soll sein, dass sich normal veranlagte Menschen nicht mehr in der katholischen Kirche vertreten fühlen. Darüber dachte ich lange nach und kam zu dem Schluss, dass ich mich von extremen Sonderlingen auch nicht so recht vertreten fühle. Größere Vorkommen findet man meist in geschlossenen Psychiatrien, und ich stelle mir vor, sich geistig nicht in dieser Welt befindliche Zeitgenossen kommen zu dem Schluss, sich in mein alltägliches Leben einmischen zu wollen. »Völlig offen« diskutieren sie darüber, was ich zu tun und zu lassen habe und drohen mir mit Hölle und Verdammnis, wenn ich mich nicht an ihre absonderlichen Regeln halte. Da tippt sich doch jeder, der seinen Verstand einigermaßen beisammenhat, an die Stirn und denkt sich seinen Teil.

Sollte diese Versammlung von Irren aber im Vatikan stattfinden, sieht die Sache anders aus! Alles eine Frage der Lokalität und weniger der Mentalität. Aber, jetzt im Ernst. Denken wir uns die prächtige Kirche, die prächtigen Roben und den luxuriösen Schnickschnack Drumherum einmal weg. Was bleibt dann? Eine Zusammenkunft von weltfremden, abnormalen alten Männern, die endlos über Dinge lamentieren, von denen sie keine Ahnung haben und die sie nichts angehen! Ob die Tagesschau dem beachtung-schenken würde? Wohl kaum!

Paul Wiedebach, Kolumnist