Männer!

Dem ausgeprägt heterosexuell veranlagten Mann fehlt das Gespür für Zwischentöne. Ich denke da an einen Freund zurück, dem die Ehefrau nach zehn Jahren »plötzlich(!)« mitteilte, sich scheiden lassen zu wollen. Oder auch daran, dass ich meinem Göttergatten nach jedem »Psychostück« im Fernsehen mühsam auseinanderklamüsern muss, worum es sich handelte. Pure Action ist dem männlichen Gehirn sofort eingängig, aber wenn es leise und zwischenmenschlich kompliziert wird, klingt es sich aus. Ich denke oft an die wunderbare Szene im Film »Schlaflos in Seattle«, in der die Männer den einsamen Heldentod von Kriegern in ihrem Lieblingsfilm beweinen, die Frauen hingegen in Gedanken an eine »Schnulze« mit unerfüllter Liebe ihr Taschentuch zücken. Fragen sie einmal einen Mann, wie oft er sich »Vom Winde verweht« antat und dann fragen sie nach M.A.S.H.! Wenn eine Frau sich darüber beklagt, dass ihr Mann schon länger keine Liebesbekundung über die Lippen brachte, bekommt sie womöglich zur Antwort, dass über einen gleichbleibenden Status nicht andauernd informiert werden müsse. Liebe Frauen, der stumm vor sich hinstarrende Mann denkt nicht über eine Scheidung nach; er denkt gar nicht! »Ja wenn wir doch so leicht auszurechnen sind, warum manipuliert ihr uns dann nicht häufiger?«, fragte mich mein Gatte gestern nach einer Diskussion über doppeldeutige Rede und Verhalten. Einen besseren Beweis völliger Unbedarftheit gibt es nicht! Ich möchte hier nur Cleopatra erwähnen, die zwei der mächtigsten Männer ihrer Zeit am Nasenring herumführte. So etwas bringen heutzutage nur Frauen wie die Mohn oder die Springer zustande. Da fragt sich doch jede Edelnutte, was sie falsch macht! Ohne die Frauen würde sich die Nibelungensaga in vier Worten erschöpfen: Drache da, Drache tot! Worum ging es in den griechischen Sagen? Um die Frauen! Der Hinweis sich fesseln zu lassen und sich die Ohren mit Wachs zu verstopfen, um Sirenengesängen zu entgehen, kommt nicht von ungefähr! »Cherchez la femme!« Leider denken viele Frauen, der Mann wäre ähnlich raffiniert wie sie und halten pompöses Machtgehabe für einen Ausdruck von Intelligenz und nicht von jeder Menge heißer Luft. Nehmt den Mächtigen dieser Welt die Insignien! Da werden aus Trump, Putin und Erdogan kleine Rumpelstilzchen, die sich im besten Fall selbst in der Luft zerreißen. Selbst eine Monica Lewinsky wusste, was sie tat; hat nur nicht ganz geklappt. Sie ist aber nicht an Bill gescheitert, sondern an Hillary. Die Mohn und Springer Nummer funktioniert eben nicht reibungslos, wenn die Ehefrau nicht will! Es dauert hoffentlich nicht mehr lang bis die Frauen erkennen, dass der Mann mitnichten eine Gleichung mit mehreren Unbekannten ist, sondern eine einfache. Tor oder kein Tor beschreibt deren Philosophie hinreichend.

Doktoren

Zugegeben, es fehlen Ärzte auf dem Land. Wenn ich schreibe Ärzte, dann meine ich auch solche und keine »Ärzte«! In unmittelbarer Nachbarschaft meiner Praxis ließ sich jetzt so ein Skarabäus – sprich Kügelchendreher – nieder. Der Skarabäus dreht seine Kügelchen aus Mist, die weisen demnach durchaus wirksame Bestandteile auf und so hinkt der Vergleich ein wenig. Mit hoffnungsvoller »Man-weiß-ja-nie-Attitüde«suchten einige meiner wirklich kranken Schäfchen, den durch Zuckerkugeln-Wunderheilenden auf und kamen reuevoll und im desaströsen Zustand zu mir zurück, da ihnen ja die lebensnotwendigen Medikamente vorenthalten wurden. Warum müssen diese »Standesvertreter« nicht Facharzt für Befindlichkeitsstörungen auf ihre Schilder schreiben? Oder Facharzt für Redetherapie aller Art? Dass die Globuli nicht wirken, darüber sollte kein Zweifel mehr bestehen. Was hingegen wirkt, ist die sprechende Medizin, aber dafür braucht man keinen Facharzt; ein guter Freund ist hier wirksamer als hochgelobte Psychiater oder Psychotherapeuten. Wie kann es sonst passieren, dass sich letztens wieder ein absoluter Laie bis in den Chefarztposten hochquasselte, bzw. empathisch hochzuhörte? Wer sich sein Leid von der Seele reden kann, ist es erstmal los, was das sich im körperlichen Manifestierende einschließt. Da es Otto-normal-Patient lieber am Körper, aber keinesfalls am Kopf haben will, dreht man ihm die Kügelchen zusammen mit der Illusion an, es wäre »medikamentös« etwas zu erreichen, denn man hat bevorzugt Bauch statt Birne. Der Glaube versetzt nicht nur Berge; er versetzt eine ganze Scharlatanerieindustrie in die Lage, sich eine goldene Nase zu verdienen. Schauen sie sich nur einmal den Vatikan an. Die katholische Kirche wusste schon lange vor den Heilpraktikern und Naturschamanen, wo der Bartel den Most holt. Eine erschöpfte Bauchspeicheldrüse »glaubt« nicht nur, dass sie Insulin nicht mehr in ausreichender Menge zur Verfügung stellen kann; sie tut es einfach! Und da packen Sie jetzt noch massenweise Zuckerkügelchen drauf? Ja, Halleluja! Ehrlicherweise sollte man doch dazu übergehen, in die Todesanzeigen den Passus: verstorben an ausgeprägter Blödheit: aufzunehmen. Im Informationszeitalter gilt »denn sie wissen nicht, was sie tun« nicht mehr, oder sollte es zumindest nicht. Aber, da der Mensch gerne zu Extremen neigt, gibt reichen jetzt komplett Uninformierte den heillos Überinformierten die Hand. Der Morbus Google gleicht einer Pandemie. Der werte Kollege hingegen scheint des Googelns nicht mächtig, denn sonst bekäme er eine Ahnung davon, was er alles anrichten kann. Demnach gehört er zu den komplett Uninformierten.

Reingefallen!

Im Moment kann ich nicht beurteilen, worüber ich mich mehr ärgere, meine eigene Blödheit, oder über die Schliche der Werbung. Aber beginnen wir ganz von vorne. Meine Crux im Alltag sind die Toilettenränder. Natürlich könnte ich, wenn ich mich wie ein Schlangenmensch verböge und eine Spülbürste entsprechend formte und dann stabilisierte, auch die hinterste Ecke dieses sensiblen Bereiches putztechnisch erreichen. Aber, warum sollte ich das tun? Gibt es doch jetzt das Pulver, das laut Werbung vulkanartig aufschäumt und dessen Schaum Gebiete erreicht, die nie ein Mensch sieht, falls er sich nicht dazu durchringt, unter Verdrehung der Wirbelsäule einen angedeuteten Kopfstand dicht über der Kloschüssel zu bewerkstelligen. Kurz und gut, ich erwarb das Wunderprodukt und freute mich schon beim Aufstehen darauf, mit dem Atompilz des Produktes, dem nicht auf Anhieb Sichtbaren den Garaus zu machen. Erstes Testgelände: das Gästeklo, mein Bikini-Atoll, wenn man so will. Mit einem gewissen Sicherheitsabstand und der Überlegung, ob ich mir einen Mundschutz anlegen sollte, gab ich die vorgegebene Menge in die Toilette. Es schäumte, wie erwartet, aber anstatt bis unter den Rand vorzudringen, brach der Schaum bei einer Höhe von 20 cm in sich zusammen. Nochmal die Gebrauchsanleitung her! Aha! Einen größeren Effekt erzielt man, wenn man vorher zwei Liter kochendes Wasser ins Klo gibt. Ja logisch, Wärme verstärkt manche chemischen Prozesse. Also erst in die Küche und Wasser erhitzen. Mir drängte sich, während ich auf den Kochvorgang wartete, der Gedanke auf, dass ich in der gleichen Zeit dem Problem auch manuell hätte beikommen können, aber noch wollte ich mir meine Fehlinvestition nicht eingestehen. Alles noch mal von vorn! Kochendes Wasser – der nötige Sicherheitsabstand – Mundschutz wahrscheinlich nicht erforderlich – Pulver los! Der Schaum entwickelte sich tatsächlich schneller – stieg – stieg – und — brach nach 30 cm zusammen, genau wie ich. Himmelkreuzdonnerwettersakramentnochmal!!!! Es war an der Zeit, dass ich meinen ungezählte Male wiederholten Schwur, niemals, gar nie nicht und auf gar keinen Fall irgendwelcher Werbung auf den Leim zu gehen, endgültig, zum aller-aller-allerletzten Mal leistete.

Rächtschreibunk

Eigentlich wollte ich diesen Blog lautmalerisch, also die Worte so schreiben, wie ich sie höre, verfassen. Ist mir aber insofern nicht möglich, weil sich die Orthographie auf optischem(!) Wege derart in meine Gehirnwindungen brannte, dass es beinahe körperlichen Schmerz verursacht, die Buchstaben nicht an ihren angestammten Platz zu setzen. Wie man auf den hirnrissigen Gedanken verfallen kann, Kinder Worte zu Papier bringen zu lassen, wie sie akustisch zu ihnen durchdringen, ist mir schleierhaft. Was machen denn die armen Waldorf-Kinder? Wenn die ihren Namen nach Gehör tanzen, wird doch nie jemand erfahren, wie sie wirklich heißen! Demnächst kommt irgendein dem Reformationswahn verfallener Pädagoge darauf, zunächst nur mit Symbolen zu »schreiben«! Warum die Kleinen noch mit Schrift belästigen, wenn ein Emoticon mehr aussagt als tausend Worte? Da wird dann jede schriftliche Mitteilung zur Hieroglyphenforschung. Wenn, so wie letztens passiert, eine Mutter den kleinen Emoticon-Kothaufen für einen Schaumkuss – sagt man jetzt so? – hält, dann bekommt die Mitteilung ihrer Zöglinge doch gleich einen weit positiveren Effekt! Satzzeichen sind schon seit langem obsolet. Wenn man hingegen bedenkt, dass bereits ein winziger Punkt, dem Geschriebenen eine völlig andere Bedeutung verleiht, sollte man nur im Notfall darauf verzichten. Beispiel: Der Mensch denkt; Gott lenkt! – ergibt einen komplett anderen Sinn als: Der Mensch denkt, Gott lenkt! Oder: Wir essen jetzt, Opa! – wird unter Weglassung des Kommas lebensbedrohlich für den alten Herrn! Wo ist der gute alte Gedankenstrich hin? Durch sein Verschwinden muss man davon ausgehen, dass sich keiner mehr Gedanken macht, während er schreibt. Aber ich war ja noch bei der Orthographie. Die neue Freiheit in der Buchstabenfolge lässt außer Acht, dass Bewerbungsschreiben mit Rechtschreibfehlern gar nicht bis zum bitteren Ende gelesen werden. Wohingegen der eine oder andere Nebensatz, durch das korrekte Satzzeichen markiert, einen durchaus positiven Eindruck hinterlässt. Jetzt bin ich schon wieder bei den Satzzeichen gelandet! Zurück zur Schrift! Natürlich ist das Schriftbild, genau wie die Sprache etwas, das sich mit der Zeit verändert. Niemand schreibt mehr thun anstatt tun. Auch heißt es jetzt Büro anstatt Bureau. Auch versteht jeder, wenn ich schreibe: es kmmot auf die Vrpunekacg an! Aber muss den alles in Buchstabensalat ausarten? Außerdem funktioniert dies nur, wenn der erste und der letzte Buchstabe korrekt sind, was bei Schreibung nach Gehör nur sehr selten der Fall ist. Wenn in Bereich der menschlichen Kommunikation alles beliebig ist, können wir gleich darauf verzichten. In der Mathematik werden deren Regeln ja auch klaglos akzeptiert. Aber ich sehe da bereits einige Reformpädagogen in den Startlöchern. Nach Schreiben nach Gehör kommt bestimmt bald Rechnen nach Gefühl!

Der goldene Windbeutel

Im heutigen Morgenmagazin erfuhr ich, dass die alljährliche Verleihung des »goldenen Windbeutels« ansteht. Gesucht wird der Lebensmittelkonzern, der den hinterhältigsten Verpackungsmittelaufdruckbetrug begeht. Wobei ich der Ansicht bin, dass den Verbrauern-diesen Windbeuteln ein ähnlicher Preis zusteht, denn der Bürger-ich schließe mich da nicht aus-ist nur in sofern mündig (!), als dass er alles blindlings in sich hineinstopft, was gerade so im Trend liegt. Allein der Ausdruck »Superfood« bringt mich zur Raserei, aber da ich mich an anderer Stelle bereits darüber ausließ, werde ich hier nur anmerken, dass es einer gewissen Super-Blödheit bedarf, diesem Wahnsinn gemäß einzukaufen. Aber ich war ja noch bei der Verpackung. Es ist mir schleierhaft, wenn ich ein übersüßes Fertigmüsli zu mir nehme, ich bei der Zutatenliste noch zusätzlich auf den Zuckergehalt hingewiesen werden muss. Für wie minderbemittelt halten die mich eigentlich? Und oh! Welch Überraschung! Sahnejoghurt enthält Fett! Gleichzeitig wird mir durch einen neuen Aufdruck mitgeteilt, dass meine Lieblingslakritze, die noch nie Fett enthielten, was nicht enthalten? Richtig: Fett! Wenn man mich fragt, ist die ganze Misere dadurch entstanden, dass mittlerweile alles und jedes einer Verpackung bedarf. Da bestehen die Fische in den Weltmeeren bereits zu geschätzten siebzig Prozent aus Plastik, aber selbst eine Schlangengurke, die bereits durch ihre Schale eine natürliche Verpackung besitzt, wird in eine Hülle eingeschweißt. Und erst die Bananen! Man sollte meinen, der Verbraucher besitzt weniger Verstand als ein Affe, der vor dem Verzehr die Schale entfernt, denn auch die – die Bananen, nicht die Affen – kommen neuerdings im Plastikgewand daher! Wenn ich eine bestimmte Apfelsorte erwerbe, werde ich durch das Schild im Supermarkt, durch den Verpackungsaufdruck und durch einen Aufkleber auf jedem Apfel darüber informiert, um welches Produkt es sich handelt, als wäre ich zu blöd, nach einmaligem Lesen zu begreifen, mit welcher Frucht ich es zu tun habe. Generationen unserer Vorfahren sind daran zugrunde gegangen, dass sie, wenn sie einen Apfel vom Baume pflückten, die falsche Sorte erwischten! Meines Wissens wurden auch in grauer Vorzeit die Schweine nicht mit einer genauen Nährwertanalyse tätowiert. Man gewinnt den Eindruck, dass der Mensch sich dem Zwang der Beschriftung nicht entziehen kann. Kein Fleckchen Mauer und seit neuestem auch kein Fleckchen Haut bleibt verschont. Was tat der Mensch als erstes, als er eine Höhle bezog? Er beschmierte die Wände! Höhlenzeichnungen sind stumme Zeugen dieses Triebes. Kaum liegt irgendwo ein Zettel und ein Stift herum, schon wird munter drauflosgekritzelt. Wenn auch sonst nichts von uns bleiben mag, der schriftliche Nachlass überdauert die Zeiten, so meine persönliche Deutung dieses Phänomens. Aber auch da nehme ich mich nicht aus, wie man sieht.

Informationen

Es wundert mich schon heftig, warum ich mir nicht jeden Abend die Kugel gebe. Sehen wir es doch mal so. Ich stehe morgens auf, so wie der Säugling auf die Welt kommt- aus einer warmen, kuscheligen Blase hinaus ins kalte, künstliche Licht. Vollkommen desorientiert docke ich an meiner Kaffeetasse an, wie der Frischling an der Mutterbrust und nehme nur widerwillig zur Kenntnis, dass sich mit einem Schlag alles um mich herum verändert hat, aber trotzdem eine Kontaktaufnahme meinerseits verlangt, da ich ja nun selbst für eine versorgende Plazenta zuständig bin und wenigstens soweit auf meine Umgebung Einfluss nehmen muss, wie es dem Selbsterhaltungstrieb geziemt. Dann geht es aber auch schon los. Ich weiß nicht, was mich da treibt, aber ich bin ein eifriger Sammler negativer Information. Das beginnt beim Spiegelbild, setzt sich mit der Personenwaage fort und gipfelt an äußerst schlechten Tagen darin, dass ich mich auf alle viere niederlasse, um den Staubfusselstatus unter den Betten zu eruieren. Meilenweit davon entfernt, etwas daran verändern zu wollen, geht es mir anscheinend nur darum, mir den Tag gleich morgens zu versauen. Bis zum Abend ist meine Liste mit »eigentlich-müsstest-du-Punkten« randvoll, was ein zufriedenes Einschlafen verhindert. Aber, anstatt wie eingangs erwähnt, die Lösung im Gnadenschuss zu suchen, stellt sich hier vielmehr die Frage, warum Informationen sammeln, die, außer das ich mich schlecht fühle, keinen weiteren Effekt auslösen? Muss man wirklich alles wissen? Nehmen wir doch einmal die wunderlich-absurden Schrittzähler. Bevor es die Dinger gab, war es jedermann reichlich wurscht, was er am Tag so zusammenstolperte. Oder die App. mit der Schlafüberwachung. Früher schlief man-und fertig! Es ist doch wohl so, dass Messdaten dem Menschen dienen sollen und nicht umgekehrt! Ich warte stündlich auf Toiletten, die Daten über Stuhlmenge und dessen Beschaffenheit liefern! Oder gibt es die schon? Ich bin da nicht ganz auf dem Laufenden. Da wird das bislang »stille Örtchen« zum Ort der Verzweiflung, weil bestimmte Normen nicht erfüllt wurden. Die Vermessung der Welt war ja ganz nützlich, aber erbringt die Vermessung des Menschen den Nutzen, der ihr nachgesagt wird? Vor der Ermittlung des I.Q. Quotienten, gab es solche und solche, aber jetzt gibt es Hoch- und Minderbegabte. Wie meint schon der Volksmund? »Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß!« Und wer ist mit sich und der Welt zufrieden? Derjenige, der jenseits des zahlenmäßig Erfassbaren »Fünfe gerade sein lässt«!

Saudi-Arabien

Na bitte! Der Fortschritt siegt! Ab Juni 2018 dürfen Frauen in Saudi-Arabien Auto fahren.Jetzt mögen die deutschen Männer den Kopf schütteln, denn die meisten von ihnen halten ein Fahrverbot für Frauen durchaus für angebracht. Endlich keine Kleinwagen mehr, die gleich zwei Parkplätze auf einmal belegen. Nie mehr Schrammen, die Frau sich nicht erklären kann, am Lieblingskind des Mannes. Keiner mehr der urplötzlich stoppt, um sich nach dem Weg zu erkundigen. Keine Ausbremser mehr, die sich akribisch an Geschwindigkeitsbegrenzungen halten. Und, last, but not least, endlich freie Fahrt auf der linken Autobahnspur. Nie wieder im letzten Moment zum Überholen ausscherende überdachte Hupen, die die »Besitzer« dieser Spur, als da sind Porsche, BMW, Audi und Benz, zur Vollbremsung nötigen. Frauen haben ausschließlich das Recht auf Führen eines Fahrzeuges, wenn es darum geht, den nach einer Feier schwer angetrunkenen Gatten heil nachhause zu bringen. Wahrscheinlich hat sich das Fahrverbot für Frauen in Saudi-Arabien so lange gehalten, weil den Muslimen der Genuss von Alkohol nicht gestattet ist und die Männer keinen Chauffeur nach ausgiebigen Gelagen brauchen. Die Aufhebung dieses Verbotes ist demnach einzig und allein der Großzügigkeit geschuldet. Ich denke, die dortigen Frauen sollten sich im Gegenzug ebenso generös verhalten und den Männern endlich das eigenständige Denken erlauben. Macht ja auch keinen Spaß, sich strengstens an die Vorschriften eines Propheten zu halten, der in grauer Vorzeit lebte. Besonders, wenn dabei so wunderliche Taten wie sich selbst in die Luft zu sprengen, herauskommen. Das ist nicht schön und tut auch noch weh! Hinzu kommt, dass es die armen Kerle im Bett ausschließlich mit reinen Amateuren des Liebesspiels zu tun haben und niemals erfahren werden, wie es ist, von einer erfahrenen Frau in die Feinheiten des Sex eingeführt(!) zu werden. Ich meine, wenn es darum geht, eine Sache möglichst formvollendet zu erledigen, wählt man doch den Profi und nicht den Amateur. Beim Fußball haben dies einige Golfstaaten doch auch kapiert! Zwar mag dieser Ballsport mitunter als Ersatz für den entspannten Sex herhalten, aber Ersatz bleibt eben Ersatz und kann es mit dem Original nicht aufnehmen. Wo wollte ich jetzt überhaupt hin? Ach ja, der Fortschritt in Saudi-Arabien. Die Fahrerlaubnis für Frauen ist der erste Schritt zur Emanzipation, dem in tausend Jahren eventuell noch weitere folgen!

Geschwindigkeit

An den Straßenrändern stehen oftmals Plakate, die von Hektik im Verkehr abraten. Mir ist einer diese Ratschläge im Gedächtnis geblieben, der da lautet: »Nimm dir Zeit und nicht das Leben!« Zuviel Eile ist demnach schädlich. Aber gilt dies nur, wenn man hinter dem Steuer sitzt? Wer hat denn mehr vom Leben? Die Schlafmützigen oder die Schnellen, die um nichts auf der Welt irgendetwas verpassen wollen? Hat denn jemand, der eine zweitägige Städtetour bucht, die Stadt hinterher überhaupt wahrgenommen? Wenn das Leben nichts weiter ist, als eine Strichliste, die es gilt in kürzester Zeit abzuhaken, wenn wir uns dem Geschwindigkeitsrausch überlassen, bekommen wir dann noch mit, was um uns herum passiert? Ich meine, die Kombination von Geschwindigkeit und Rausch kommt doch nicht von ungefähr! Wenn ich jetzt noch die Lebenszeit eines Kolibris mit der von Schildkröten vergleiche, dann liegt der Schluss nahe: je langsamer, je länger! Intensive Erlebnisse liegen voll im Trend. Nun wird ein Erlebnis erst dann intensiv, wenn man es gleichsam zelebriert und nicht absolviert. Nichts ist intensiver als die japanische Teezeremonie, die unsere to go Mentalität einzig und allein aufgrund ihrer Dauer kaum aushalten würde. Mit geht die Geschichte von den Pionieren nicht aus dem Sinn, die den nordamerikanischen Kontinent in kürzester Zeit erforschen wollten und von ihren indianischen Führern nach zwei Tagen ausgebremst wurden, weil die erst einmal darauf warten wollten, dass ihre Seelen nachkämen. Besser kann man es nicht ausdrücken. Was ohne die dafür notwendige Zeit passiert, passiert ohne Seele. Wer kennt noch den alten Spruch, jemand sei mit Herz und Seele bei einer Sache? Oder wie der Volksmund weiß, dass »gut Ding Weile haben will«? Haben wir, die wir nach Möglichkeit am liebsten zig Dinge gleichzeitig erledigen, noch eine Ahnung davon, was es bedeutet, sich einer Sache voll und ganz zu widmen? Nein, wir titschen flipperkugelgleich von einer Halbfertigkeit zur nächsten, sind am Ende des Tages zwar völlig erschöpft, aber so richtig zufriedenstellend fertig bekommen haben wir nichts. Ich höre schon den Protest, dass es meistens eben an allen Ecken gleichzeitig brennt. Mag sein, aber wer an allen Ecken gleichzeitig zu löschen versucht, kommt in den Flammen um. Die Krankheit unserer Zeit heißt nicht umsonst »Burn out«! Ich finde, die Entschleunigungsplakate sollten nicht nur am Straßenrand, sondern überall stehen. Ein »runter vom Gas, tu es für deine Lieben« macht sich am Arbeitsplatz doch auch recht nett.

Haushaltspolitik

So dicht nach der Bundestagswahl fällt mir auf, wie sehr doch mein Haus der Bundesrepublik gleicht. Ohne großen Plan kam hier kleckerweise alles mögliche zusammen und anstatt eines großen Wurfes besteht meine Hauptaufgabe in der Verwaltung eines natürlich gewachsenen Chaos. Immer wieder lasse ich Dinge über die Schwelle meines Hauses, gerne auch Haustiere, die dann irgendwie in das Gesamtbild integriert werden müssen und da ich eine Abneigung gegen gründliche Entrümpelungen hege, schiebe, räume und platziere ich ständig um, bis der Eindruck von Ordnung entsteht, obwohl auf dem Dachboden in allen Schränken, Schubladen und im Keller ganze Heerscharen von Leichen vor sich hinmodern. Wenn ich so etwas wie die Regierungschefin bin, so fällt meinem Gatten die Rolle der unentwegt meckernden Opposition zu. Aber da bin ich wie Merkel. Er ist schlichtweg zu simpel gestrickt, als dass er mein von Genialität beflügeltes Werk verstehen, geschweige denn würdigen könnte. Es liegt also nicht an meinem Tun an sich, wenn er gelegentlich Tendenzen zur Verzweiflung zeigt, sondern an der fehlenden selbst für ein schlichtes Gemüt wie ihm einleuchtenden Erklärung meinerseits. Wenn er in seiner Kritik erzkonservative, ja ich möchte sagen, radikale Züge im Sinne von »alles muss raus« erkennen lässt, kontere ich mit der Schöpfung, die schließlich jedem Ding seinen Sinn und Zweck zuweist und bemängele sein mangelndes Vertrauen in meine Fähigkeiten. »Das Leben ist nun einmal kein Ponyhof« und erst recht kein Wunschkonzert, nicht in der Politik und im häuslichen Umfeld schon gleich gar nicht. Eine Ehefrau hat man an der Backe wie eine ewige Kanzlerin, ganz davon zu schweigen, dass er selbst schuld ist. Er hätte bei der ersten Wahl ja zweimal hinschauen können. Man wurschtelt sich eben durch, besonders wenn einem die Richtung, in die man eigentlich will nicht klar ist und sie täglich, ach was rede ich, stündlich neu festlegt. Da bin ich ganz bei unserer Kanzlerin. Im Grunde genommen bin ich ein Anhänger japanischer Kargheit, kann aber einen Hang zum Messietum nicht verleugnen. Hinzu kommen äußere Strömungen der Haus- und Gartengestaltung, die durch die Globalisierung verursacht sind. Afrikanische Elemente, asiatische Einflüsse, die Segnungen der fortschreitenden Hausgerätetechnik, Nostalgisches und die zweimal wöchentlich zu erwerbenden Angebote der Discounter, dies bringt noch nicht einmal Angie in ein harmonisches Gesamtbild. Wenn das Chaos zu groß wird, zieh ich eben um! Nach mir die Sintflut! Ich glaube, dies ist auch Merkels Plan!

Personlisierte Werbung

Personalisierte Werbung ist zurzeit in aller Munde. Was mich zu der Frage bringt, was die Internetwerbung, die mich zu verführen sucht, über mich aussagt? Im Sinne von: zeige mir, was dich interessieren könnte und ich zeige dir, wer du bist. Dass diese Belästigung, die unentwegt via Laptop auf mich einprasselt, nicht auf dem aktuellen Stand ist, sieht man am mir dargebotenen reichhaltigen Angebot von selbsttätigen Haushaltsgeräten, sich selbst aktivierenden Putzmitteln, gefolgt von diversen Wunderschwämmen und Tüchern. Diese Phase habe ich schon längst hinter mir. Davor waren es Verdichtungen und Verlängerungen aller Art. Vom Haupthaar über Wimpern und Brauen, was die Natur einem nicht vergönnt, dem kann nachgeholfen werden. Im Prinzip kann anhand der Werbung festgestellt werden, in welchem Lebensabschnitt Frau sich befindet. Steht die Verschönerung der eigenen Person im Mittelpunkt, oder dreht sich bereits alles um Haus und Garten? Ist sie noch in Banalitäten verhaftet, oder auf dem Weg zu ihrem »wahren Selbst«? Wenn Klangschalen und Yogakleidung aufblitzen, zeugt dies vom Beginn der inneren Einkehr. Der nächste Schritt bestünde nun darin, die so erkannte eigene Persönlichkeit auszuleben. In meinem Fall schwebt mir so etwas wie der Marlboro-Mann vor. Eine Marlboro-Frau, wenn man so will. In der Morgendämmerung auf einem Mustang Kaffee schlürfen und sich dabei eine Zigarette nach der anderen anzünden, während sich der verträumte Blick in der endlosen Landschaft verliert und um mich herum Rinder, die abends als Steaks auf dem Grill landen; das nenn ich personalisierte Werbung! Wofür da jetzt genau geworben wird, ist mir im Moment auch nicht ganz klar. Für den Kaffee? Die Zigaretten? Ach das geht ja gar nicht, da in Deutschland verboten. Pornos gehen, aber nur wenn die Zigarette danach entfällt. Wieso komme ich jetzt darauf, was bei den Männern so aufploppt? Vergrößerungen und Verlängerungen? Damendessous und High Heels, dem Fetischismus sei Dank? Oder ist Mann schon in der Phase, in der ihn Motorräder und Golfschläger interessieren? Von da an ist es nur noch ein kleiner Schritt zu Kochrezepten und Gebisshaftcremes. Und wenn beiden Mann und Frau Inkontinenzeinlagen angepriesen werden, sollte man langsam anfangen, nach Särgen oder Urnen zu googeln. Da wird dauernd rumgejammert, dass es im Leben nichts von Dauer mehr gibt. Dabei wird demnächst jeder von uns einen ständigen Begleiter haben: die personalisierte Werbung!