Geschlechterkrieg 2

Ein Spiel der dritten Fußballliga musste wegen Ausschreitungen abgebrochen werden. Ich frage mich, worum es in diesem immerhin beinahe regionalem Bereich des Sports ging. Fußball kann es nicht gewesen sein, eher das Abreagieren blanker Aggression. Nun können wir in Europa fast noch glücklich sein, dass dieser Testosteronüberschuss in und um die Fußballstadien herum abgelassen wird. Man stelle sich vor, dies erfolgte im häuslichen Bereich, zerstörerisch auf öffentlichen Straßen und Plätzen, oder im einfachen Entschluss, einen Krieg anzufachen. In anderen Teilen der Welt kann man beobachten, was passiert, wenn männliches Dominanzstreben nicht entsprechend kanalisiert und neutralisiert wird. Sie wissen einfach nicht wohin mit ihrem Frust und der daraus resultierenden Wut. Da wo Mann noch Mann sein kann und darf, bricht sich Bahn, was sonst zivilisiert unterdrückt wird. Fast könnte man meinen, es bekäme dem männlichen Geschlecht nicht gut, dass Konflikte nicht mehr körperlich ausgetragen werden sollten, aber anstatt zu meinen der alte Adam hätte sich noch immer nicht im Griff, sollte zum allgemeinen Nutzen darüber nachgedacht werden, ob dieser Drang, dem wir immerhin einen Großteil unseres Fortschritts verdanken, also gleichzeitig zerstörerisch oder schöpferisch wirken kann, nicht entsprechend ab- oder umgelenkt werden kann. »Schippe in die Hand« wäre manchmal gar kein schlechter Gedanke. Bolide weg, kommt mir da gerade auch noch in den Sinn. Wir schauen einer unglaublichen Energieverschwendung zu, denn der ziel- und aufgabenferne Mann feuert Sportler an, rast und säuft sich zu Tode, oder sorgt dafür, dass die Gattin sich samt Kind im Frauenhaus verbarrikadiert. Und, je weniger »dumm und stark« Verwendung findet, desto mehr wird die Lage eskalieren. Dass hundsbanale Fußballspiele einen derartigen Exzess verursachen und dies zunehmend tun, sollte vielleicht zum Nachdenken anregen. Bevor sich dann wieder unter einem Führer zusammengerottet wird, der Mord- und Totschlag sanktioniert, sollte auch die Genderfrau einmal einsehen, dass die Feminisierung des männlichen Geschlechtes ein geradezu blödsinniges Unterfangen ist, das das Gegenteil des Beabsichtigten erreicht. Anstatt herum zu zicken, wäre ein konstruktiver Vorschlag, der die nicht zu verleugnenden Unterschiede berücksichtigt, zielführender. Wenn der Mann wie früher einen Baum pflanzen und ein Haus bauen könnte, wäre der Umwelt und der Wohnungsnot genüge getan.

Geschlechterkrieg 1

Eines will und will mir nicht aus dem Kopf gehen. In Pisa sollte ein Mann seine zwei- oder dreijährige Tochter – ich weiß es nicht mehr so genau – auf dem Weg zur Arbeit eben in der Kita absetzen. Als die Mutter die Kleine dort abholen wollte, konnte das Kleinkind nicht aufgefunden werden. Was war also passiert? Der Mann war dermaßen mit den Gegebenheiten seiner Arbeitsstelle beschäftigt, dass er schlichtweg vergaß, an der Kita vorbei zu fahren! Aber, es kommt noch schlimmer. Er vergaß sogar, dass seine Tochter sich noch auf dem hinteren Kindersitz im Wagen befand, stieg aus und ließ das Kind in dem sich zunehmend erhitzenden Auto zurück. Erst als die Mutter Alarm schlug, fiel ihm sein Versäumnis wieder ein, aber die Kleine konnte nur noch tot geborgen werden.
Was mich nun beschäftigt ist, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass einer Frau jemals etwas Derartiges passiert. Es sei denn, sie ist komplett zugedröhnt, was ja auch vorkommen soll. Ich vergesse im Laufe eines Tages alles und jedes, aber eine meiner Töchter im Auto vergessen? Noch heute habe ich Alpträume, in denen ich mich aus unerfindlichen Gründen an einem gottverlassenen Ort der Welt befinde, während eines meiner Kinder in einem anderen Teil des Globus um Hilfe weint und ich keine Möglichkeit finde, dorthin zu gelangen. Was ging in dem oben erwähnten Fall im Kopf des Mannes vor, dass er sein eigenes Kind gewissermaßen ausblendete? Nun ist es eine Binsenweisheit, dass Männer und Frauen in unterschiedlichen Gedankenwelten leben und wenn sich die Genderbeauftragten noch so sehr auf den Kopf stellen, aber was mich im Moment umtreibt, ist, ob das andere Geschlecht nicht eher zu bedauern als zu bekämpfen ist. Und, ob es aus diesem Bedauern heraus, nicht möglich ist, das im Grunde genommen äußerst lebensfeindliche Patriarchat, in etwas Sinnvolleres, Zukunftsfähigeres zu verwandeln. Wir reden immer vom fruchtbaren Austausch der Kulturen, aber weigern uns hartnäckig quasi bei Adam und Eva anzufangen. Mann und Frau könnten sich wunderbar ergänzen, wenn die Häme über das seltsame Gebaren des anderen Geschlechts unterbliebe. Ich meine, Scheidungsraten von über fünfzig Prozent sprechen Bände und lassen in den meisten Fällen Alleinerziehende mit Kindern zurück, die überhaupt nicht mehr wissen, wo es lang gehen soll. Die Gleichheit der Geschlechter ist ein derartiger Unfug, dass die Gleichwertigkeit auf der Strecke bleibt.

Gevatter Tod

Mein Lieblingsmärchen war von jeher »Die kleine Meerjungfrau« von Hans Christian Andersen. Das Ende ist zwar betrüblich, aber tröstlich, denn gibt es einen schöneren Tod, als sich in Meerschaum aufzulösen? Wie komme ich ausgerechnet heute darauf? Es liegt wohl daran, dass ich gestern meiner Ältesten über eine Segeltour meines Mannes in die Türkei berichtete, bei der die Männer auf Schwimmnudeln im warmen Mittelmeer trieben, umgeben von schwimmenden Tabletts gefüllt mit Gläsern voller Ouzo. Einmal mehr bedauerte ich, nicht dabei gewesen zu sein, aber meine Tochter empfand dies eher als positiv, da sie in ihrer Phantasie, ihre Mutter selig betrunken im Mittelmeer versinken sah. Ich frage mich hingegen, da das Alter schmerzhafte Vorboten schickt, ob so ein Ende nicht erstrebenswerter ist, als sich in einem Altersheim mit Schaumgummibällen bewerfen zu müssen, oder unbeachtet in einem Flur abgestellt zu werden, oder allein in einem Bett zu verfaulen. Wie heißt es doch so schön? Wen die Götter lieben, den lassen sie jung sterben. Meines Erachtens geht es nicht um ein ins endlose verlängertes, sondern um ein ins endlose erfülltes Leben. Ob es dann unbedingt mit Ouzo sein muss, sei dahingestellt, aber »Rom sehen und dann sterben« hat schon etwas für sich. Nun fragte ich mich heute Morgen weiter, ob diese von mir eher heitere Todessehnsucht ein individuelles Phänomen ist, oder ob es nicht allen in weniger heiterer Form innewohnt. Risikosportarten, sinnlose motorisierte Rasereien, sich mit Arbeit oder anderen als durchaus angenehmer empfundenen »Hilfsmitteln« kurzzeitig, oder gewollt längerfristig dem Geschehen zu entziehen, ist ein weit verbreitetes Phänomen. Schlaflose können ein Lied davon singen, was es mit einem anstellt, wenn der kleine Bruder des Todes ausbleibt und wem der kleine Tod des Orgasmus nicht vergönnt ist, der sprengt sich und andere gleich mit in die Luft. Alle rennen (!) dem »Flow« hinterher, dem Gefühl der Auflösung in einer Tätigkeit und ich frage mich, in welches Nirwana sich der Meditierende zeitweise zurück zieht. Was ist nun der Tod anderes, als mit sich und der Natur vollkommen eins zu werden- auch so etwas, was total in Mode kommt. Was oder wen können wir da nicht ertragen? Die kleine Meerjungfrau starb an unerwiderter Liebe zu einem nichtswürdigen Prinzen. Was Disney daraus machte, reibt mich bis heute auf, aber ich will ja bei der Sache bleiben. Sie kehrte in den Schoß dessen zurück, aus dem sie stammte, ähnlich wie das »Mädchen mit den Zündhölzern«. Oder man denke an den »Kleinen Zinnsoldaten«, der die erfüllte Liebe erfuhr, in dem er komplett dahinschmolz. Ich liebe Andersen und hoffe, dass ihn Disney nicht noch weiter uminterpretiert. Wir glauben doch an alle möglichen Märchen, wie Reichtum und Wohlstand für alle im kapitalistischen System. Warum nicht den Märchen von Andersen glauben? Der Tod als Vervollkommnung. Wenn wir das akzeptierten, bräuchten wir ihn nicht so oft herauszufordern.

Volkes Stimme

Heute möchte ich einmal mehr den Volksmund bemühen, denn, wie heißt es so schön? »Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil«! Wir verhalten uns mittlerweile derart politisch korrekt, dass, egal wie da in den Wald hineingerufen wird, es nicht mehr entsprechend zurückschallt. Warum? Sind wir alle Berufsdiplomaten? Dabei dient unser unterwürfiges »um den heißen Brei rumreden« noch nicht einmal dem besseren Verhältnis und Verständnis untereinander, denn wie soll »ein Gewitter die Luft reinigen«, wenn es niemals ordentlich kracht. Wer sein wahres Ich verbirgt, der manipuliert, da müssen wir alle mal ehrlich uns selbst gegenüber sein. Und, wenn wir uns dann gelegentlich als Klotz präsentieren, sollten wir uns gegen den höchstwahrscheinlich ausbleibenden Keil wappnen, denn es wird nur noch mit Wattebällchen geworfen. Und, wer nur Wattebällchen schluckt, wir zwar satt, aber ohne die notwendigen Nährstoffe- darüber kann so manches Supermodel Auskunft geben. Sollte mich mal jemand fragen, was die Anorektiker und Bulimiker da so in die Schüssel kotzen, dann berichte ich aus eigener Erfahrung; es ist die blanke Wut, die da in den Ausguss entlassen wird. Was naturgemäß keinen Effekt zeitigt, darum der Wiederholungszwang. Ständiges Herunterschlucken bewirkt vor allen Dingen geistige Übelkeit. Da hilft auch kein Verdauungsschnäpschen, wie jeder Alkoholiker weiß. Am liebsten wären wir doch alle unsichtbar, geben wir es ruhig zu, ob man sich nun bis zum Klappergestell herunterhungert, oder eine alles verbergende Fettschicht anfuttert. Aber auch wenn es uns bis auf die höchsten der hohen Berge treibt, wir uns im Fußballmob verbergen, dem Rausch der Geschwindigkeit überlassen, immer dann, wenn wir aus der Hand geben, was mit uns passiert, passiert im Grunde genommen gar nichts, wir verbleiben im selben Wahn. Wenn ich hier nochmal zitieren darf, jemanden mundtot machen, ist insofern schlimmer als Totschlag, weil der Betroffene uns die schmutzigen Hände erspart. Und, um noch weiter auszuholen, singe, wem Gesang gegeben, spreche wem Sprache gegeben. »Frei von der Leber weg«, erspart die Zirrhose und den Magenkrebs, weil uns nichts mehr auf denselben schlägt. Und, vor allen Dingen erspart es Führer jeglicher Couleur. Amen.

Action

Wenn ich mitbekomme, was um mich herum so alles aktiv ist, möchte ich gleich wieder ins Bett. Kleidung ist atmungsaktiv, Wasch- und Putzmittel sind zum großen Teil aktiv und es gibt einen Joghurt, der Activia heißt. Und, wenn etwas nicht selber aktiv ist, dann ist es zumindest aktivierend. Die Liste der körpereigenen Stoffe, die endlich einmal aktiviert werden, ist ellenlang, aber Verkaufsschlager ist die Fettverbrennungsaktivierung. Da wundern wir uns, dass überdurchschnittlich viele Kinder und zum Teil auch Erwachsene hyperaktiv sind. Aber da zu viel des Guten beileibe nicht zum Besten führt, werden solche unangenehmen Zeitgenossen gerne medikamentös gedämpft. Ich möchte gar nicht wissen, wie groß die Anzahl der Entdeckungsreisen ist, die auf das Konto derjenigen zurückgehen, die es partout nicht auf ihrem Stuhl hielt. Wir betäuben den sprunghaften Geist, wenn man so will und überlassen jegliche Aktivität unseren Konsumgütern. Lange versuchte ich, mir den Erfolg von »Fifty shades of Grey zu erklären. Aber, wenn mein Aktivkloreiniger den ganzen Tag um mich herumwirbelt, hänge auch ich gerne passiv auf allen möglichen Lagerstätten herum. Jegliche Regung meinerseits durch Fesselung blockiert, Herz, was willst du mehr! Und, man braucht den Kerl wegen der Augenbinde noch nicht einmal ansehen! Wenn er einen nicht gerade zum mehrfachen Orgasmus führt, verdient der Mann Milliarden und hat nichts Dringenderes im Kopf, als uns exklusiv zu ernähren und besteht auf ein paar Kilo mehr auf unseren Hüften. Da es am Ende unklar bleibt, wer hier wem aus der Hand frisst, hat man im Handumdrehen alle Zutaten für DEN FRAUENROMAN zusammen. Aber, ich war ja noch bei der Aktivität. Aktivkohle hemmt die Darmtätigkeit und diverse Aktivatoren versetzen uns in Bewegungsstarre. Wir müssen noch nicht einmal unsere Zähne putzen, denn die Zahncreme erledigt dies selbsttätig. Statt Fluor wir jetzt irgendein Apatit durch das Dorf getrieben, das den Zahnschmelz eigenständig mehr aufbaut, als jemals erhofft! Wenn das so weiter geht, schaltet sich zwar die Außenbeleuchtung automatisch an, wohingegen es in unseren Schädeln stockdunkel bleibt.

Streikpflicht

Am Wochenende sprach ich mit meiner Nichte und meinem Neffen über ihre berufliche Ausbildung und bekam von den davon Betroffenen die Missstände in der Krankenpflege und auch-jetzt nicht lachen-in der Verwaltung mitgeteilt. Natürlich regte ich mich gemeinsam mit den beiden darüber auf, aber, was mich im Nachhinein noch mehr aufregte, war, dass die beiden den Sachverhalt zwar nicht klaglos, aber total aktionslos hinnahmen. Wie der Teufel es will, kam zufällig eine Freundin meiner ältesten Tochter, die in der Altenpflege arbeitet ebenfalls vorbei geschneit, leider vor dem Eintreffen der beiden jungen Leute. Besagte Altenpflegerin engagiert sich demnächst politisch in den in Niedersachsen eingeführten Vertretungen für das Pflegepersonal und ließ sich auch von der sauertöpfischen Miene ihres gewinnversessenen Altenpflegeheimchefs nicht beeindrucken, als sie ihm ihre Kandidatur bekannt gab. Da fiel mir natürlich das Lied: wenn nicht jetzt, wann dann, wenn nicht wir, wer sonst ein und ich gratulierte der schon ein wenig in die Jahre gekommenen Freundin. Leider hatte ich dies nicht mehr auf dem Schirm, als meine Nichte und mein Neffe mir ihr Leid klagten. Ich schwadronierte zwar über die Streikwelle in Frankreich, unterließ es aber, zu direktem Protest aufzurufen, wahrscheinlich, weil ich selber so ein Schisser bin. Aber, so überlege ich nun, dies ist genau die Masche! Man muss den Menschen Angst einjagen, damit sie spuren! Das erbärmliche Leben des Hartz-Vierers führt doch dazu, dass sich die Geringverdiener verzweifelt an ihren weit erbärmlicheren Job klammern. Und wenn aus Kalkül die Armen auf die Allerärmsten gehetzt werden, dann hat der Kapitalismus sein Ziel erreicht. Hier nun mein Aufruf an alle Ehrenämtler, alle abgehetzten Kranken- und an die zumeist total ausgebrannten Altenpfleger. Bleibt vierzehn Tage Zuhause, um der Regierung zu zeigen, wo ihre Hauptaufgaben liegen. Mal sehen, ob sie Flinten-Uschi die Mittel streichen, etwas Besseres in den Sinn bekommen, als Kopftuchverbote oder Kreuzpflicht in öffentlichen Gebäuden! Und, lasst euch vor allen Dingen nicht einreden, dies sein »links-versifft«!

Systemrelevanz

Was wir nicht begreifen wollen, und wahrscheinlich auch nie werden, ist, dass wir uns in einem System befinden, in dem eben alles mit allem zusammenhängt. Jede noch so kleine Bewegung, die wir machen, jeder noch so kleine Gedanke, den wir in die Welt setzen, hat eine Auswirkung- der berühmte Flügelschlag eines Schmetterlings, der am anderen Ende der Welt einen Sturm verursacht. Dies hat meines Erachtens nichts mit der wohlbekannten Chaostheorie zu tun, sondern eher damit, dass wir uns in einem makroskopisch betrachtet, physikalischem Gefüge befinden, dem wir nicht entkommen können. Aber der Mensch wundert sich ja gerne. So ist es höchst verwunderlich, das Abholzung von Hängen zu Schlammlawinen führt, Begradigung von Flüssen zu Überschwemmungen und die Plastikverseuchung des Meeres zu Fischunverträglichkeiten, um nur einige Beispiele zu nennen. Unser Fußabdruck ist nicht so vergänglich, wie der am Strand, obwohl, wenn ich mich in die Welt des Allerkleinsten bewege, nicht endgültig klar ist, ob er eben so vergänglich ist, wie er erscheint. Was ich damit sagen will, ist, dass wir nicht in Schreckstarre verfallen sollten, sondern uns im Vorhinein darüber klar werden sollten, welche Wirkung jedes Tun unsererseits hervorruft und, da manches auch gewaltig in die Hose gehen kann, schließlich sind wir ja nur Menschen, verantwortlich mit unserem Verursacherprinzip umgehen. Ich denke, die Evolution hat uns mit unserem Großhirn die Möglichkeit geschenkt, dem ihr innewohnenden Versuch und Irrtum Prinzip zu entkommen. Nehmen wir einmal die Verteufelung des Dieselmotors. Da nun der Absatz von Benzinern gestiegen ist, stieg der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre so stark wie seit langem nicht. Da ist der sogenannte Schnellschuss mal wieder gewaltig ins eigene Knie gefahren. Das ist wohl der Cowboy in uns, der erst schießt und dann Fragen stellt. Ich möchte jetzt hier nicht den krankhaften Bedenkenträgern ins Blatt spielen, denen mit ihren verschwurbelten Vorweg-Phantasien ein allgemeiner Tiefschlaf am liebsten wäre. Fortschritt ohne Risiko ist nicht möglich, aber an den Stellen, an denen wir Risiken einschätzen könnten, sollten wir es vielleicht einmal tun. Der Gedanke, dass Fässer, in denen wir Atommüll lagern auch rosten können, ist so abwegig nicht! Aber alles kommt ja plötzlich und völlig überraschend, wie der Winter, der die Sommereifler noch im Dezember komplett überrumpelt. Nein, alles hatte einen Beginn. Ja, auch ich bin im Nachhinein schlauer als vorher, aber ich kann zumindest darüber reflektieren, den gleichen Fehler nicht nochmal zu machen. Und, wenn wir dies alle gemeinsam tun, hindern wir die Geschichte daran, sich ständig zu wiederholen. Denn, wie Einstein sinngemäß so richtig bemerkte: Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und trotzdem ein anderes Ergebnis zu erwarten. Vielleicht erklärt sich damit auch der zunehmende Wahnsinn der Menschheit.

Das Dampfkesselprinzip

Wenn man mich fragen würde, was selten einer tut, so würde ich den Volksmund als unendlichen Quell der Weisheit anführen. Heute Morgen beschäftigte ich mich mit dem Ausspruch: aus seinem Herzen eine Mördergrube machen. Bedeutungsschwere Worte wie ich finde. Wer seinem eigenen Herzen keine Luft zum Atmen verschafft, wird zum Mörder. Nun kann man da noch von Glück reden, dass die meisten von uns zu Selbstmördern ad hoc oder auf Zeit werden, aber die Zunahme von Amokläufen stimmt mich doch ein wenig nachdenklich. Wenn jemandem aufgrund von lange unterdrückter Wut die Mordlust in die Augen steigt, ist im Vorfeld etwas gründlich falsch gelaufen. Die rund um uns aufschwappende, teilweise nicht nachvollziehbare Aggression, die sich in Fußballstadien, auf der Autobahn, in den sozialen Medien und im alltäglichen Umgang miteinander zunehmend entlädt; wo kommt die »auf einmal« her? Meines Erachtens liegt es daran, dass derjenige, der sich nicht traut »frei von der Seele weg«(!) zu reden, irgendwann explodiert, wahlweise nach innen oder nach außen. Die Maulsperre, die uns die political correctness auferlegt, führt dazu, dass das bis zur Selbstverleugnung korrigierte Volk sich damit rächt, solche Hohlköpfe wie Trump zu wählen, die zwar nicht sagen, was sie denken, da sie dies nicht können, aber aussprechen, was sich im »gesunden Volksempfinden« so alles anstaute. Und dann bricht sich eben Bahn, was sich Bahn brechen will und was im Stadium des Baches noch zu vernachlässigen war, wird zum reißenden Strom, der alles und jedes und vor allen Dingen die Vernunft unter sich begräbt. Lasst doch jeden Idioten quasseln, was er will und fühlt euch nicht dazu berufen, ihn umerziehen zu wollen, denn sonst schließt er sich mit seinesgleichen zusammen und geballte Blödheit ist schwerer zu kontrollieren als vereinzelte. Und wer weiß, vielleicht steckt ja in dem Geäußerten, wie im Kindermund ein klitzekleines Stückchen Weisheit. Die »ich weiß, dass ich nichts weiß« Mentalität bringt den positiven Aspekt des Zuhören Müssens mit sich und vielleicht nähern wir uns der objektiven Wahrheit nur, wenn wie die Abermillionen der subjektiven zulassen. Denn schließlich kann man eine Sache unmöglich nur so und nicht anders betrachten. Lassen wir einander gelten, auch wenn es noch so schwer auszuhalten ist. Bedenken wir lieber, dass das, was heute gilt, morgen schon ganz anders aussehen kann. Und, wer ständig ein wenig Luft ablassen kann, ist davor gefeit, irgendwann zu platzen. Überlassen wir die Singularität dem Weltall, wo sie schöpferisch wirkt.

Raserei

Da ich schon seit längerem Probleme damit habe, mich mit meinem Auto auf die Autobahn zu begeben, ich mir dies aber nicht durchgehen lassen möchte, habe ich am Wochenende die Fahrt in den Ruhrpott auf mich genommen. Ich befand mich kaum 10 Minuten auf der A 31, da wusste ich bereits, wovor ich mich da fürchtete. Ich kann nur sagen, auf den deutschen Autobahnen herrscht Krieg. Vermeintliche Besitzer der linken Fahrbahn, die die im Alltag angestauten und nicht herausgelassenen Aggressionen nun mittels eines Boliden oder einer zweirädrigen Rennziege unter das Volk bringen, notorische Lichthuper, Drängler, Auffahrer und ähnlich Todessehnsüchtige mehr, verschaffen sich dort die Geltung, die sie sich anderweitig nicht verschaffen können. Im Anfang meinte ich noch, mich für den Raum, den mein Uraltvolvo nun einmal einnimmt, entschuldigen zu müssen und ließ mich von den Rasern pflichtschuldig von der Überholspur scheuchen, aber als mich jeder LKW vor die Frage stellte, dahinter bleiben, oder überholen kam ich ins Grübeln. Ich schere nicht plötzlich aus. Ich bin stets mittels Spiegel über die Verkehrslage hinter mir informiert, da von vorne auf der Autobahn nur in seltenen Fällen jemand kommt. Ich vermeine dann durchaus, wenn mir der linke Rückspiegel vermeldet, dass die Überholspur frei ist, einen LKW mal mit 120-150 Kmh überholen zu dürfen. Aber wie der Teufel es will, jedes Mal kommt von hinten ein Tiefflieger angeschossen, vorsorglich den linken Blinker gesetzt, damit er nicht in Gefahr gebracht wird und besteht brachial auf seinem Recht der freien Fahrt. Selbst wenn man sich auf der rechten Fahrspur befindet, kann es passieren, dass an der linken Seite möglichst dicht Motorräder mit geschätzten 300 Kmh laut aufheulend an einem vorbei rasen, dass es einen vor Schreck fast auf den Beifahrersitz katapultiert. Wohl gemerkt, ich gehöre nicht zu den Autofahrern, die sich mit 70 Kmh auf der linken Fahrbahn ein Kaffeepäuschen gönnen. Ich fahre zügig, aber nicht riskant. Dabei hätte ich alles Recht, mich laut Gesetz mit einer Geschwindigkeit von 70 Kmh auf der Autobahn zu bewegen, aber wer will das schon. Niemmals wird der Mensch mehr zu dem Tier, das noch immer in ihm wohnt, wenn er die nötigen PS sein eigen nennt- in Deutschland zumindest. Da werden selbst ansonsten wie Verkehrshindernisse erscheinende Holländer zu verkappten Formel 1 Piloten. Lasst es raus, lasst alles raus und nieder mit der Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen! Der Ruf wird bis Japan und Amerika vernommen, die ihre PS-Monster hier einmal gründlich ausfahren und unsereins wundert sich, wo die ganzen Hasardeure her kommen. Fahrt euch eure Seele frei, aber ich sage, fahrt zur Hölle. Wenn euch so nach tot sein ist, dann regelt dies privat, aber bringt mich nicht ebenfalls in Lebensgefahr. Mietet euch eine Rennstrecke, wenn es denn sein muss, aber verwandelt die öffentlichen Verkehrswege in keine solche! Ich bin übrigens heile angekommen, denn es geschehen noch Zeichen und Wunder.

Kleider machen Leute

Aus irgendeinem Grund kam mir heute die Umschreibung der Bibel für den Geschlechtsverkehr in den Sinn. Da wird sich nämlich erkannt, statt gevögelt. Was völlig neue Wege hin zum »Erkenne dich selbst« eröffnet. Wie ist das in der Bibel gemeint? Werden wir nur erkannt, wenn wir uns nackt und bloß einem anderen hingeben? Und, kann ich den anderen nur erkennen, wenn er alle Hüllen fallen lässt? Schon in dem Moment, in dem ich dies niederschreibe, erkenne ich: Ja, wie denn sonst? Schließlich war die allererste Erkenntnis, nach dem Naschen der verbotenen Frucht, laut Bibel, diejenige unserer eigenen Nacktheit. Wobei mir im Moment der Rat einfällt, dass man, um nicht allzu sehr von einer anderen Person beeindruckt zu sein, sich diese einfach nackt vorstellen müsse. Der Ausdruck Verschleierung wir nicht von ungefähr dazu benutzt, die Wahrheit im Verborgenen zu halten. Ein Amt braucht vor allen Dingen eines, eine dem Amt angemessene Robe. Aber muss man dieser Robe auch noch die geforderte Achtung erweisen, wenn sich der letzte Trottel darunter verbirgt? Was bleibt vom Herrscher ohne seinen Hermelin? Kleider machen Leute, heißt es so schön. Bin ich, ohne Bekleidungswert, wertloser als nackt? Heutzutage trägt man ja gerne Label, um seinen Wert unter Beweis zu stellen, als ob die Strahlkraft eines Designernamens auch denjenigen mit einschließt, der sich die Klamotte leisten kann. Eine Perversion des »ich denke, also bin ich« in ein »ich trage, also bin ich«. Wir stellen zur Schau, damit alle schauen, aber nur bis zur Oberfläche, aber um Himmels willen nicht tiefer. Mehr Schein als sein, wenn man so will. Dabei wird das ganze Brimborium nur veranstaltet, um wie bei den prächtigen Pfauen die sexuelle Attraktivität zu erhöhen. So gesehen, erkennt man erst, wenn man mit einem Pfau ins Bett steigt, dass man jeder Menge heißer Luft auf den Leim gegangen ist. Armani außen heißt noch lange nicht Supermann innen. Und so führt der Beischlaf zur tieferen Erkenntnis des Gegenübers. Man kann von der Bibel halten, was man will, manchmal liefert sie wertvolle Denkanstöße. Der Blender blendet eben nur so lange, wie wir von seiner äußeren Erscheinung geblendet sind. Der von einem Brillantkollier geschmückte Hals täuscht oft nur über die Leere des Kopfes hinweg, den er trägt. Und auch der kleinste Wicht gelangt durch die entsprechende Uniform zu einer Abart von Stärke. Ich streife mir demnach mit meiner Bekleidung ein Bild von mir selber über, das ohne diese keinen Bestand mehr besitzt. Nicht weit weg von den Naturvölkern, die sich die Felle der erlegten Raubtiere um die Schultern legten, um sich ein Stück weit deren Stärke zu eigen zu machen. Jetzt fragt sich nur, wie weit diese Metamorphose reicht. Bin ich nur mit dem Löwenfell dem Löwen gleich, oder wäre ich es auch so? Und ist mein Gegenüber nur von dem Fell beeindruckt, das ich trage, oder gilt die Wertschätzung meiner Person? Klären lässt sich dies nur, wenn man sich entblößt und schaut, was passiert.