Warum

Hallo im Grafschaften.EU- Blog!

Aus den Gedanken „um“ einen Blog haben wir diesen Auszug unserer Diskussion an die Autoren zur Anregung gegeben. Natürlich können auch alle anderen darauf reagieren. Wir hoffen, dass es im nachfolgendem Sinne zu einer interessanten Teilnahme kommt.

Herzliche Grüße
Die Blogregierung

 

Harald: Ist es überhaupt sinnvoll, einen weiteren Blog zu betreiben. Blog verstehe ich im Sinne von »das Führen eines Logbuches wie auf einer Schiffsreise«. Ein solches Logbuch wird geführt für die Zeit nach der Reise und dient dem Zweck, den Daheimgebliebenen die bedeutsamen Ereignisse während der Fahrt zu dokumentieren. Für wen also zeichnen die vielen Blogs, ergänzt durch Facebook, Google+, Twitter, youtube, Instagramm usw., usw., Ereignisse, Meldungen und Kommentare auf? An wen richten sie sich? Zu welchem Zweck?

Elke: Ein Blog sollte vor allen Dingen eines sein – persönlich. Die weltbewegenden Ereignisse werden in den Medien wieder- und wiedergekäut, bis sie uns regelrecht »zum Halse heraus hängen«. Das »große Ganze« soll nicht aus den Augen verloren werden, dabei setzt sich diese Chimäre aus kleinen und allerkleinsten Geschichten zusammen. Weltgeschehnisse beginnen mit den Gefühlen, Taten und Gedanken einzelner Menschen. Es sind immer die kleinen, am Rande stattfindenden Schicksale, die uns interessieren. Die Schilderung der Katastrophe haben wir am nächsten Morgen vergessen, aber den tapferen Feuerwehrmann, der unter Einsatz seines eigenen Lebens, das Leben eines anderen rettete, den vergessen wir nicht.

Achim: Diverse Blicke aus der persönlichen Perspektive auf die Welt zu erfahren hat seinen Reiz und ist – historisch gesehen – ein interessanter Prozeß.
Dass sie sich bei den „Gelehrten“, d.h. den professionellen Weltsichten, stark zwischen Fachaufsatz und Boulevard-Banalität polarisieren, ist ein wenig bedauerlich. Wer aber, zum Gelderwerb, der eigenen Meinung und Wahrheit eine von anderswo gewollte Richtung geben muss, sitzt zwischen den Stühlen. Ein Blog kann da einen Ausweg bieten.
Da wir alle dasselbe Meer befahren, sollte jeder seine Meinung haben und sie im Rahmen seiner Möglichkeiten äußern – und sei es im Gespräch mit den Nachbarn, egal, in welcher Region der Welt sich diese gerade aufhalten.
Und als Mensch – wenn ich es kann – muss ich mich nicht mitteilen und meine Erfahrungen und erworbenen Erkenntnisse weitergeben?

Harald: Wenn die erreichbaren Medien, wozu eben auch Blogs (es soll über 100 Millionen geben) gehören, noch nicht reichen, was fehlt diesen, dass es noch eines zusätzlichen Exemplares bedarf. Sind die anderen erreichbaren Medien nicht ehrlich? Oder befriedigen Blogs einfach nur ein emotional vorhandenes Mitteilungsbedürfnis der Betreiber?

Elke: Ich als Frau habe ein besonderes Mitteilungsbedürfnis. Ich will emotional sein, quasi laut denken, aber darf man dies heute noch? Heute morgen ist mir aufgefallen, dass ich mir sogar von meiner elektrischen Zahnbürste Vorschriften machen lasse. Sie gibt mir den Sekundentakt vor, wann ich den Zahnquadranten zu wechseln habe, obwohl ich mich als
passionierte Raucherin und Kaffeetrinkerin eigentlich vermehrt um die vordere Zahreihe kümmern müsste. Der Mensch passt eben nicht in ein Schema. Trotzdem pressen wir ihn hinein. Regelkonformes Denken, regelkonformes Schreiben mit regelkonformen Worten. Dabei ist es das individuelle Querdenken, was einen Blog interessant macht. Je ver-rückter, desto besser, will ich meinen.

Achim: Ob ich – oder wie weit ich – ver-rückt bin, kann ich bemessen, wenn ich mich dem Anderen gegenüber positioniere. Ich kann die mich umgebende Welt annehmen – so wie sie ist, ich kann mich von ihr distanzieren. Ich kann ein passiver Bestandteil von ihr bleiben oder mich isolieren. Ich kann einen Mittelweg begehen – das Sicheinbringen in die Welt.
Mit einem gesunden Selbstvertrauen gesegnet setze ich mich selbst als Maßstab – ich erhöhe mich nicht, aber ich erniedrige mich auch nicht. Ein Blog vermittelt meine Meinung in die mich umgebende Welt. Meine Ansicht der Welt kann so einem Anderen zur Positionierung dienen. Wenn dieser andere Mensch in den Dialog eintritt, schließt sich ein Kreis.

Harald: Spielen wir nicht alle nach gemeinsamen Regeln, den Regeln der bei allen Menschen gleichen Gefühlswelt? Ich gehe davon aus, dass das Bündel an Gefühlen, zu denen wir fähig sind, angeboren ist. Einzig die jeweilige Mischung ist unterschiedlich und führt zu unterschiedlichen Temperamenten. Mir geht es darum, was überhaupt uns Menschen motiviert. Sind wir in der Lage, ohne Gefühle aktiv zu werden? Ich gelange immer mehr zu der Ansicht, dass wir zwar zu rein rationaler Erkenntnis fähig sind, dass wir aber nur von Gefühlen zum Handeln gebracht werden. Unsere Vernunft wäre dann das Werkzeug unserer Gefühle. Die Frage, die sich mir stellt: wenn uns nur unsere Gefühle leiten, sind unseren Gefühlen – und damit uns selbst – deren Beweggründe bewusst? Mit anderen Worten: weiß der Hunger etwas über Blutzuckerspiegel, der Durst über Elektrolythaushalt, der Sexualtrieb über Fortpflanzung? Oder sind die Gefühle nur durch
Zufall und natürliche Selektion entstandene Auslöser von Aktionskaskaden, die zum Überleben führen? Sind wir also überhaupt zu freiem Handeln fähig?

Elke: Es gibt so viele Welten-Grafschaften-wie es Menschen auf der Erde gibt. Wir mögen zwar die selben Grundgefühle haben, aber wir ticken nicht gleich. Wir haben unsere eigenen »Wahrheiten«. Vielleicht ist DIE WAHRHEIT deswegen schwer zu erlangen, weil sie ein Komprimat aller menschlichen Wahrheiten sein muss. DER WAHRHEIT ist demnach nur durch absolute Ehrlichkeit beizukommen. Leider ist die interessierte Aufforderung »erzähle mir von dir« recht selten geworden, weil wir spüren, ob Wahrhaftigkeit herrscht oder nicht. Bekommen wir den allgemeinen Konsens präsentiert, hören wir sofort weg, denn den kennen wir zur Genüge. Wenn papageienhaft nachgeplappert wird, wenn sich unser Gegenüber nur den allgemeinen Erwartungen gemäß äußert, ist dies genau wie die sprichwörtliche Schallplatte mit dem Sprung. Vielleicht gerät deswegen das aufrichtige Zuhören in Vergessenheit, weil es durch Aufrichtigkeit ausgelöst wird. Man mag sich mit seiner Weltsicht irren, aber wenn sie absolut individuell ist, irrt man sich interessanter.

Achim: Was für ein schönes Wort …. wahrscheinlich ist es ein wesentlicher Antrieb im Menschen – die Dinge „interessanter“ zu tun. Ich meine, wenn man schon mal auf der Welt ist – und schließlich ist niemand von uns darum gefragt worden – dann kann man sie auch in einer besonderen Art und Weise tun … – was aber das TUN voraus setzt. Unsere Gefühle sind sich alle gleich, aber unser Handeln ist es (oft) nicht – und das im Wesentlichen, weil wir in unserem Handeln die rationale Funktion in uns zur Anwenung bringen, denn es bleibt das Spiel zwischen gefühlter und rationalisierter Welt, auch das Spiel zwischen Wahrheit und Irrtum, von außerordentlicher Bedeutung – als eine der faszinierenden Beschäftigungen des menschlichen Geistes. Dieses Spiel des Geistes ist immer eine individuelle Handlung, sie ist immer frei, insofern man grundsätzlich von der Möglichkeit eines freien Handelns reden kann. Gefühle sind nicht nur ein Teil von mir, sie sind ICH, sie bilden mich. In ihrer einzigartigen Konstellation aus Genen, Möglichkeiten, Erfahrungen usw. lassen sie sich nicht in dieser oft und leider immer noch gedachten Trennung von Körper und Geist, Gefühl und Verstand verstehen. Grundsätzlich ist es mit dem Handeln doch so: Wir stehen in der Notwendigkeit einer Tat (z.B. ESSEN) – sie ist vielleicht aus einem Gefühl entstanden (HUNGER) oder aus der bewußten Einsicht in eine von außen an mich herangetragene Notwendigkeit (DIE MUTTRER SAGT: KIND: ES GIBT MITTAGESSEN). Wir können einen Entschluss fassen, geprüft durch unser Gefühl (MUTTER MECKERT, WENN ICH NICHT ESSE – oder im Gegenteil: IST MIR EGAL, ICH WILL ERST NOCH ZU ENDE SPIELEN), die Konsequenzen dieser Entscheidung, die zu erwartenden Wirkungen auf andere Gefühlslagen, sehen wir mit einem rationalen Blick – die Entscheidung wird vom Verstand beeinflusst und – im Idealfall vom Verstand auch getroffen.

(Ja, kommt bei wenigen und bei den anderen selten vor, ist aber grundsätzlich möglich). Ich will in einem Blog schreiben – rationale Handlung, vom Gefühl geprüft.Gibt schon ganz viele davon – stimmt, aber muss es MICH interessieren, dass Andere etwas tun, was ich auch mache? Die Einen tun etwas, die Anderen tun etwas anderes – viele Worte werden geschrieben, viele Worte werden gelesen. Nicht alle geschriebenen Worte werden von Allen gelesen. Das war schon vor dem Internet so und wird wirklich IMMER so bleiben. Warum jemand Beiträge gerade auf unserm Blog lesen soll? Soll ja niemand – aber man kann seine Zeit auch mit wirklich unsinnigeren Dingen verbringen. Und wenn ich schon etwas lese um mich anregen, inspirieren, aufregen o.ä. zu lassen, dann in einer Art und Weise, die mir gefällt (ACHTUNG! Gefühlsprüfung!) – und ja, da hoffe ich drauf, dass es dies tun wird (gefühlt) und bin mir gewiss (rational), dass wir eine gute Alternative zu anderen dazu bieten.

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