Hunde II von Elke Balthaus-Beiderwellen

Woran erkennt man den frischgebackenen Welpenbesitzer? An den angekauten Schuhen! Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern, mit welchem Schuhwerk die Familie unterwegs war, als unser verstorbener Winston noch klein war. Jetzt droht mit Satchmo eine neue Periode der ausgefransten Fußbekleidung. Meine Hausschlappen sind jedenfalls schon hinüber. Aber, das wollte ich gar nicht erzählen. Gestern gab es nämlich erst einmal Großalarm. Unser neuer Welpe hat eine Blasenentzündung. Er tröpfelt wie ein schwerer Prostatiker. Sofort rief ich beim Tierarzt an, der mir riet, eine Urinprobe zum Termin mitzubringen. Haben Sie schon einmal eine Urinprobe von einem herumwetzenden Junghund genommen? Eine schweißtreibende Angelegenheit. Ständig sauste ich mit einer Kelle hinter ihm her. Einmal stellte er sich so passend zum Pinkeln hin, dass ich sofort mein Auffanggerät schnappte und losstürmte. Leider stand der Küchenschrank im Weg, an dem ich mit meinem kleinen Zeh hängen blieb. Mein Schmerzschrei erschreckte unseren neuen Hausgenossen derart, dass er schnurstracks unter dem Wohnzimmersofa verschwand und sich einige Zeit nicht blicken ließ. War nicht weiter schlimm, denn so konnte ich meinen verletzten Zeh kühlen. Totbeleidigt erschien Satchmo doch noch wieder und bezog Pinkelstellung. Ich, die Kelle immer an der Frau, bekam eine einwandfreie, nicht kontaminierte Urinprobe. Die Beschwerden des Kleinen führten dazu, dass meine jüngste Tochter viermal aus Köln anrief, um sich nach dessen Befinden zu erkundigen. Die Älteste rief noch öfter von ihrem Arbeitsplatz aus an. »Ruf mich sofort zurück, wenn du beim Tierarzt warst. Und frag nach den Beinen!« Wie beim Welpen üblich stehen die Pfoten noch in alle Himmelsrichtungen, je nachdem wie er steht oder tapsig vor sich hinläuft. Ich konnte meine Älteste gerade noch davon abhalten, die angeblichen Fehlstellungen mit der Wasserwaage nachprüfen zu wollen. »Aber schau doch mal, da ist doch eindeutig ein Knick! Und wenn er jetzt so steht, sind die Hinterbeine ganz krumm!« Satchmo pinkelte, leicht hockend, fröhlich auf das Wohnzimmerparkett und machte sich offensichtlich keinerlei Gedanken darüber, womöglich missgebildet zu sein. Nachmittags war ich beim Tierarzt. Der Welpe bekam eine Antibiotikaspritze – nach einer Urinprobe wurde gar nicht erst gefragt-, Vitamintabletten, eine Futterempfehlung für enorm wachsende Hunde, und das Wunderfutter wurde auch gleich bestellt. Auf dem Rückweg kaufte ich mir eine hochpräzise Haushaltswaage, denn wir wollen ja die angemessene Futterdosis weder über- noch unterschreiten. Bis die Lieferung der angemessenen Nahrung für Hunderiesen aller Art beim Tierarzt eintrifft, muss Satchmo eben mit hundsbanalem Welpenfutter überleben. Dieses Futter wog ich Kügelchen für Kügelchen ab und stellte die Tagesration für den folgenden Tag auf den Küchentresen. Mein Mann kam nach Hause, schnüffelte kurz und mit einem: »Das stinkt aber«, schüttete er das von mir milligramweise wie mit einer Apothekerwaage ausgewogene Futter in den Sack zurück. Meine älteste Tochter erkundigte sich gleich nach Satchmos Beinen, stellte schimpfend die Kompetenz des Tierarztes in Frage, denn reichlich krumm stehend erleichterte sich Satchmo gerade wieder auf den Parkettboden.

Elke Balthaus-Beiderwellen

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