Hunde von Elke Balthaus-Beiderwellen

Die Zeit für einen Blog habe ich heute nicht. Wir haben einen neuen Welpen im Haus. Nachdem unser Winston Churchill, ein gewaltiger Bernersennhund gestorben ist, hielten wir es genau eine Woche ohne Hund aus. Was heißt, wir besitzen noch einen weiteren Hund Richard Parker, einen höchst kapriziösen Jack-Russel-Jagdterrier Mix, der sich eher wie eine Katze benimmt, da er von einer solchen sozialisiert wurde – damals besaßen wir auch noch einen Kater, der Richard erzog. Seitdem gibt dieser Hund die Diva, putzt sich nach jeder Berührung mit Schmutz ausgiebig, wie eine Katze es tun würde, und will mit uns nur etwas zu tun haben, wenn ihm der Sinn danach steht. Diese Mimose wird nun von einem großen Schweizer Sennhund Welpen genervt, der unentwegt spielen will und ihr mächtig auf die Nerven fällt. Dauernd muss ich mich dazwischen werfen, wenn Richard nach dem Welpen schnappen will und ich habe die Augen mehr auf Richards Fell gerichtet als auf die Tastatur, denn ein beginnendes Sträuben desselben kündigt an, dass der Terrier kurz vorm Platzen steht. Zurzeit ist Waffenruhe. Richard liegt auf dem Stuhl neben mir, Louis Armstrong, genannt Satchmo, unser neuer Hausgenosse liegt unter meinem Stuhl und macht ein Schläfchen, nachdem er einen Teppich angekaut, einen Jackenärmel zerpflückt und mir die ganze Bude verpinkelt hat. Das große Geschäft gelang schon im Garten, nachdem ich dort eine halbe Stunde erbärmlich im Nachthemd frierend mit unserem neuen Gefährten zugebracht habe. So viel frische Luft bin ich gar nicht gewohnt! Schon gar nicht am frühen Morgen! Meine große Hoffnung beruht auf der Tatsache, dass Satchmo den gleichen Charakter haben soll wie unser verstorbener Winston, der sich, sobald er eine Leine sah, hinter einem der beiden Wohnzimmersessel versteckte. Wo er lag, da lag er. Meistens gründlich im Weg, sodass ich über ihn steigen musste, sofern ich nicht über ihn stolperte. Meine Knie sahen ständig aus wie zu meiner vorpubertären Zeit, also zerkratzt, verschorft und in allen Farben frischer und verblassender Hämatome leuchtend, denn nichts ist so fatal wie ein schwarzer Hund auf einem schwarzen Parkettboden. Satchmo ist auch schwarz und ich muss zeitig daran denken, ihm beizubringen, mir freie Bahn zu lassen. Ich habe eine Menge guter Vorsätze, was die Erziehung des Welpen betrifft, habe aber die Befürchtung, dass sie genau so in die Hose geht wie bei Richard Parker, der Katze im Fell eines Hundes und wie bei Winston, dem Couchpotato. Wir hätten ihn Petrus, den Felsen nennen sollen, so unverrückbar und meinen Bewegungsdrang begrenzend, baute er sich an allen möglichen und unmöglichen Stellen vor mir auf. Wenn ich ihn zwecks Spaziergang in den Kofferraum meines Kombis lud, blieb er am Zielort bei geöffneter Kofferraumklappe im Wagen liegen, bis ich von diesem, in seinen Augen viel zu schweißtreibenden und sinnlosen Unterfangen zurückgekehrt war. Im Blick die sehnsüchtige Frage, ob es denn nun endlich nachhause auf das Sofa ginge. Jetzt kann er sich für alle Zeit in unserem Garten ausruhen, unser Winston. Ich habe ihm heute Morgen mit seinem Nachfolger einen Besuch abgestattet. Wobei ich sehnsüchtig hoffte, aus Satchmo würde ein zweiter Winston werden. Wenn Richard etwas passieren sollte, weiß ich noch nicht, ob ich mir dann einen neuen Hund oder einen melancholischen Kater zulegen werde.

Elke Balthaus-Beiderwellen

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