Versuchungen von Tanja K.

Nun, Überwindung kostet es mich schon, hier einfach drauflos zu schreiben. Nachdem es nicht so weiter geht mit meinem Alkoholkonsum am Wochenende, an dem eigentlich alle saufen, es mir aber körperlich und seelisch nicht mehr bekommt und ich endlich etwas unternehmen will, kann ich meine Texte, die ich für meine Online-AA Gruppe schreibe, auch für den Blog verwenden.

Absolute Anonymität garantierte man mir, und ich verlasse mich darauf.

Das Schwerste ist, sich zuzugestehen, dass man Schwierigkeiten mit dem Alkohol hat. Der »Problemlöser« wird selber zum Problem. Meine Familie drängt mich seit langem, etwas zu unternehmen, aber der Psychiatrie und der Psychologie traue ich nicht mehr über den Weg.

Ich meine, drei Jahre Psychoanalyse nach Freud wegen Magersucht, neun Wochen Psychiatrie wegen Trinkerei und Bulimie, fünf Wochen Psychiatrie wegen Valiumentzug und zwei Jahre ambulante Verhaltenstherapie wegen Panikattacken, brachten nicht allzu viel.

Ich fürchte die Therapeuten jetzt mehr als die Krankheit, denn außer einem Symptomwechsel ist nichts passiert.

So kehrte ich nach einem Ausflug in die Welt der Angstlöser in Pillenform zum guten, alten Alkohol zurück.

Die Beschaffung ist erheblich einfacher, der Kater dauert 48 Stunden, was man vom Valium nicht behaupten kann.

In ein reales Meeting der Anonymen Alkoholiker traue ich mich nicht, aber meine Online-Gruppe scheint ein angemessener Ersatz zu sein. Ich verliere alles. Meine Scheidung läuft. Das Sorgerecht für meine Söhne  bleibt fraglich und Freunde lassen sich schon lange nicht mehr blicken. Es bleibt mir demnach nichts weiter übrig, als es anders zu versuchen.

Die zwölf Schritte der AA sind gewöhnungsbedürftig. Mein jüngster Sohn, der Einzige der ab und an noch mehr als das Nötigste mit mir redet, meinte: »Steht da etwa von Punkt eins bis zwölf, kein Alkohol, kein Alkohol, kein Alkohol …..?«

Nein, da steht:

1. Schritt: Wir gaben zu, dass wir dem Alkohol gegenüber machtlos sind – und unser Leben nicht mehr meistern konnten.

2. Schritt: Wir kamen zu dem Glauben, dass eine Macht, größer als wir selbst, uns unsere geistige Gesundheit wieder geben kann.

3. Schritt: Wir fassten den Entschluss, unseren Willen und unser Leben der Sorge Gottes – wie wir Ihn verstanden – anzuvertrauen.

4. Schritt: Wir machten eine gründliche und furchtlose Inventur in unserem Inneren.

5. Schritt: Wir gaben Gott, uns selbst und einem anderen Menschen unverhüllt unsere Fehler zu.

6. Schritt: Wir waren völlig bereit, all diese Charakterfehler von Gott beseitigen zu lassen.

7. Schritt: Demütig baten wir ihn, unsere Mängel von uns zu nehmen.

8. Schritt: Wir machten eine Liste aller Personen, denen wir Schaden zugefügt hatten, und wurden willig, ihn bei allen wieder gut zu machen.

9. Schritt: Wir machten bei diesen Menschen alles wieder gut – wo immer es möglich war –  , es sei denn, wir hätten sie dadurch verletzt.

10. Schritt: Wir setzten die Inventur bei uns fort, und wenn wir Unrecht hatten, gaben wir es sofort zu.

11. Schritt: Wir suchten durch Gebet und Besinnung die bewusste Verbindung zu Gott – wie wir ihn verstanden – zu verbessern.

12. Schritt: Nachdem wir durch diese Schritte ein geistiges Erwachen erlebt hatten, versuchten wir, diese Botschaft an Alkoholiker weiter zu geben und unser tägliches Leben nach diesen Grundsätzen auszurichten.

Da musste ich erst einmal schlucken. Bislang Gott (?) sei Dank noch keinen Alkohol.

Tanja K. Anonyme Alkoholikerin

Ein Gedanke zu „Versuchungen von Tanja K.

  1. Also, Tanja K. die „Bedienungsanleitung“ scheinst du bestens zu kennen, ich wünsche dir viel Kraft und Erfolg bei der Umsetzung, pack es an und vertraue dir, du musst es dir selbst wert sein!!!!!

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