Graue Tage von Witwe Clausen

Heute werde ich meinen Friedhelm in seiner Stele nicht besuchen. Stattdessen leiste ich mir den Luxus, einen Gammeltag einzulegen. Der Himmel ist düster, Sturm ist angekündigt; was spricht dagegen, einen gemütlichen Sofatag zu verbringen? Ich verstehe nicht, warum sich die Menschen über den November beklagen. Eine bessere Ausrede als dessen Wetter gibt es nicht, um kuschelig in eine Decke gewickelt, innere Einkehr zu halten.

Ich mache mir viele Kerzen an, koche ausreichend Kaffee, gönne mir den ersten Christstollen des Jahres und lasse den dunklen Tag einfach Tag sein. Bei der Gelegenheit fällt mir ein, dass ich mir bereits immer eine Katze zulegen wollte. Mein Friedhelm mochte diese Tiere nicht, da sie ihm in ihrer absoluten Unabhängigkeit  unheimlich erschienen. Katzen sind die einzige Spezies, die niemals vom Menschen domestiziert wurde, sondern sich ihm quasi freiwillig anschloss. Wo Menschen lebten, existierten Kornkammern und, wo sich Kornkammern befanden, ging der Vorrat an Mäusen und Ratten nie zu Ende. So profitierte einer vom anderen. Die Menschen wurden die Nagerplage quitt und die Katzen fanden ausreichend Futter.

Jetzt wird doch nichts aus meinem gemütlichen Haustag, denn, warum fahre ich nicht ins Tierheim und schaue mir die dort zu verschenkenden Taschentiger an? In meiner Kuscheldecken- und Kerzenidylle fehlt eindeutig eine schnurrende Katze! In den örtlichen Tierladen müsste ich dann auch noch, um das nötige Equipment zu besorgen. Friedhelm ist ja nicht mehr anwesend. Warum sollte ich mir nicht einen unabhängigen Hausgenossen besorgen? Die Betonung liegt auf Unabhängigkeit, denn die Witwer, die auf dem Friedhof um mich herum scharwenzeln, suchen doch nur eine neue Abhängigkeit. Eine Ersatzmama, eine niemals austrocknende Amme, eine Trösterin in einsamen Nächten und eine eifrige Haushälterin. Nein danke, meine Herren!

Dann lieber ein fetter Kater, der genau zugibt, mich nur ausnutzen zu wollen. Der nicht vortäuscht, was nicht vorhanden ist, auf meine Kosten lebt und es auch noch genießt. Wenn er auf meinen Schoß springen sollte, weiß ich, dass ihm in diesem Moment danach ist und er dies nicht aus falsch verstandenem Pflichtgefühl tut.

Mmh …. Einen Namen für ihn hätte ich auch bereits. Ich werde ihn, als eingefleischter Emergency Room Fan, John Carter nennen. Dann kann ich ihn Carter rufen und ihm das Gefühl vermitteln, nicht so vermessen zu sein, ihm einen Namen aufdrücken zu wollen.

Tut mir jetzt Leid für die jungen Leute, die hier diesen Blog betreiben, aber ich muss meinen Kugelschreiber niederlegen, denn ich habe noch gewaltig viel zu erledigen!

Witwe Clausen

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