Geschlechterkrieg 1

Eines will und will mir nicht aus dem Kopf gehen. In Pisa sollte ein Mann seine zwei- oder dreijährige Tochter – ich weiß es nicht mehr so genau – auf dem Weg zur Arbeit eben in der Kita absetzen. Als die Mutter die Kleine dort abholen wollte, konnte das Kleinkind nicht aufgefunden werden. Was war also passiert? Der Mann war dermaßen mit den Gegebenheiten seiner Arbeitsstelle beschäftigt, dass er schlichtweg vergaß, an der Kita vorbei zu fahren! Aber, es kommt noch schlimmer. Er vergaß sogar, dass seine Tochter sich noch auf dem hinteren Kindersitz im Wagen befand, stieg aus und ließ das Kind in dem sich zunehmend erhitzenden Auto zurück. Erst als die Mutter Alarm schlug, fiel ihm sein Versäumnis wieder ein, aber die Kleine konnte nur noch tot geborgen werden.
Was mich nun beschäftigt ist, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass einer Frau jemals etwas Derartiges passiert. Es sei denn, sie ist komplett zugedröhnt, was ja auch vorkommen soll. Ich vergesse im Laufe eines Tages alles und jedes, aber eine meiner Töchter im Auto vergessen? Noch heute habe ich Alpträume, in denen ich mich aus unerfindlichen Gründen an einem gottverlassenen Ort der Welt befinde, während eines meiner Kinder in einem anderen Teil des Globus um Hilfe weint und ich keine Möglichkeit finde, dorthin zu gelangen. Was ging in dem oben erwähnten Fall im Kopf des Mannes vor, dass er sein eigenes Kind gewissermaßen ausblendete? Nun ist es eine Binsenweisheit, dass Männer und Frauen in unterschiedlichen Gedankenwelten leben und wenn sich die Genderbeauftragten noch so sehr auf den Kopf stellen, aber was mich im Moment umtreibt, ist, ob das andere Geschlecht nicht eher zu bedauern als zu bekämpfen ist. Und, ob es aus diesem Bedauern heraus, nicht möglich ist, das im Grunde genommen äußerst lebensfeindliche Patriarchat, in etwas Sinnvolleres, Zukunftsfähigeres zu verwandeln. Wir reden immer vom fruchtbaren Austausch der Kulturen, aber weigern uns hartnäckig quasi bei Adam und Eva anzufangen. Mann und Frau könnten sich wunderbar ergänzen, wenn die Häme über das seltsame Gebaren des anderen Geschlechts unterbliebe. Ich meine, Scheidungsraten von über fünfzig Prozent sprechen Bände und lassen in den meisten Fällen Alleinerziehende mit Kindern zurück, die überhaupt nicht mehr wissen, wo es lang gehen soll. Die Gleichheit der Geschlechter ist ein derartiger Unfug, dass die Gleichwertigkeit auf der Strecke bleibt.

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