Streikpflicht

Am Wochenende sprach ich mit meiner Nichte und meinem Neffen über ihre berufliche Ausbildung und bekam von den davon Betroffenen die Missstände in der Krankenpflege und auch-jetzt nicht lachen-in der Verwaltung mitgeteilt. Natürlich regte ich mich gemeinsam mit den beiden darüber auf, aber, was mich im Nachhinein noch mehr aufregte, war, dass die beiden den Sachverhalt zwar nicht klaglos, aber total aktionslos hinnahmen. Wie der Teufel es will, kam zufällig eine Freundin meiner ältesten Tochter, die in der Altenpflege arbeitet ebenfalls vorbei geschneit, leider vor dem Eintreffen der beiden jungen Leute. Besagte Altenpflegerin engagiert sich demnächst politisch in den in Niedersachsen eingeführten Vertretungen für das Pflegepersonal und ließ sich auch von der sauertöpfischen Miene ihres gewinnversessenen Altenpflegeheimchefs nicht beeindrucken, als sie ihm ihre Kandidatur bekannt gab. Da fiel mir natürlich das Lied: wenn nicht jetzt, wann dann, wenn nicht wir, wer sonst ein und ich gratulierte der schon ein wenig in die Jahre gekommenen Freundin. Leider hatte ich dies nicht mehr auf dem Schirm, als meine Nichte und mein Neffe mir ihr Leid klagten. Ich schwadronierte zwar über die Streikwelle in Frankreich, unterließ es aber, zu direktem Protest aufzurufen, wahrscheinlich, weil ich selber so ein Schisser bin. Aber, so überlege ich nun, dies ist genau die Masche! Man muss den Menschen Angst einjagen, damit sie spuren! Das erbärmliche Leben des Hartz-Vierers führt doch dazu, dass sich die Geringverdiener verzweifelt an ihren weit erbärmlicheren Job klammern. Und wenn aus Kalkül die Armen auf die Allerärmsten gehetzt werden, dann hat der Kapitalismus sein Ziel erreicht. Hier nun mein Aufruf an alle Ehrenämtler, alle abgehetzten Kranken- und an die zumeist total ausgebrannten Altenpfleger. Bleibt vierzehn Tage Zuhause, um der Regierung zu zeigen, wo ihre Hauptaufgaben liegen. Mal sehen, ob sie Flinten-Uschi die Mittel streichen, etwas Besseres in den Sinn bekommen, als Kopftuchverbote oder Kreuzpflicht in öffentlichen Gebäuden! Und, lasst euch vor allen Dingen nicht einreden, dies sein »links-versifft«!

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