Systemrelevanz

Was wir nicht begreifen wollen, und wahrscheinlich auch nie werden, ist, dass wir uns in einem System befinden, in dem eben alles mit allem zusammenhängt. Jede noch so kleine Bewegung, die wir machen, jeder noch so kleine Gedanke, den wir in die Welt setzen, hat eine Auswirkung- der berühmte Flügelschlag eines Schmetterlings, der am anderen Ende der Welt einen Sturm verursacht. Dies hat meines Erachtens nichts mit der wohlbekannten Chaostheorie zu tun, sondern eher damit, dass wir uns in einem makroskopisch betrachtet, physikalischem Gefüge befinden, dem wir nicht entkommen können. Aber der Mensch wundert sich ja gerne. So ist es höchst verwunderlich, das Abholzung von Hängen zu Schlammlawinen führt, Begradigung von Flüssen zu Überschwemmungen und die Plastikverseuchung des Meeres zu Fischunverträglichkeiten, um nur einige Beispiele zu nennen. Unser Fußabdruck ist nicht so vergänglich, wie der am Strand, obwohl, wenn ich mich in die Welt des Allerkleinsten bewege, nicht endgültig klar ist, ob er eben so vergänglich ist, wie er erscheint. Was ich damit sagen will, ist, dass wir nicht in Schreckstarre verfallen sollten, sondern uns im Vorhinein darüber klar werden sollten, welche Wirkung jedes Tun unsererseits hervorruft und, da manches auch gewaltig in die Hose gehen kann, schließlich sind wir ja nur Menschen, verantwortlich mit unserem Verursacherprinzip umgehen. Ich denke, die Evolution hat uns mit unserem Großhirn die Möglichkeit geschenkt, dem ihr innewohnenden Versuch und Irrtum Prinzip zu entkommen. Nehmen wir einmal die Verteufelung des Dieselmotors. Da nun der Absatz von Benzinern gestiegen ist, stieg der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre so stark wie seit langem nicht. Da ist der sogenannte Schnellschuss mal wieder gewaltig ins eigene Knie gefahren. Das ist wohl der Cowboy in uns, der erst schießt und dann Fragen stellt. Ich möchte jetzt hier nicht den krankhaften Bedenkenträgern ins Blatt spielen, denen mit ihren verschwurbelten Vorweg-Phantasien ein allgemeiner Tiefschlaf am liebsten wäre. Fortschritt ohne Risiko ist nicht möglich, aber an den Stellen, an denen wir Risiken einschätzen könnten, sollten wir es vielleicht einmal tun. Der Gedanke, dass Fässer, in denen wir Atommüll lagern auch rosten können, ist so abwegig nicht! Aber alles kommt ja plötzlich und völlig überraschend, wie der Winter, der die Sommereifler noch im Dezember komplett überrumpelt. Nein, alles hatte einen Beginn. Ja, auch ich bin im Nachhinein schlauer als vorher, aber ich kann zumindest darüber reflektieren, den gleichen Fehler nicht nochmal zu machen. Und, wenn wir dies alle gemeinsam tun, hindern wir die Geschichte daran, sich ständig zu wiederholen. Denn, wie Einstein sinngemäß so richtig bemerkte: Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und trotzdem ein anderes Ergebnis zu erwarten. Vielleicht erklärt sich damit auch der zunehmende Wahnsinn der Menschheit.

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