Das Dampfkesselprinzip

Wenn man mich fragen würde, was selten einer tut, so würde ich den Volksmund als unendlichen Quell der Weisheit anführen. Heute Morgen beschäftigte ich mich mit dem Ausspruch: aus seinem Herzen eine Mördergrube machen. Bedeutungsschwere Worte wie ich finde. Wer seinem eigenen Herzen keine Luft zum Atmen verschafft, wird zum Mörder. Nun kann man da noch von Glück reden, dass die meisten von uns zu Selbstmördern ad hoc oder auf Zeit werden, aber die Zunahme von Amokläufen stimmt mich doch ein wenig nachdenklich. Wenn jemandem aufgrund von lange unterdrückter Wut die Mordlust in die Augen steigt, ist im Vorfeld etwas gründlich falsch gelaufen. Die rund um uns aufschwappende, teilweise nicht nachvollziehbare Aggression, die sich in Fußballstadien, auf der Autobahn, in den sozialen Medien und im alltäglichen Umgang miteinander zunehmend entlädt; wo kommt die »auf einmal« her? Meines Erachtens liegt es daran, dass derjenige, der sich nicht traut »frei von der Seele weg«(!) zu reden, irgendwann explodiert, wahlweise nach innen oder nach außen. Die Maulsperre, die uns die political correctness auferlegt, führt dazu, dass das bis zur Selbstverleugnung korrigierte Volk sich damit rächt, solche Hohlköpfe wie Trump zu wählen, die zwar nicht sagen, was sie denken, da sie dies nicht können, aber aussprechen, was sich im »gesunden Volksempfinden« so alles anstaute. Und dann bricht sich eben Bahn, was sich Bahn brechen will und was im Stadium des Baches noch zu vernachlässigen war, wird zum reißenden Strom, der alles und jedes und vor allen Dingen die Vernunft unter sich begräbt. Lasst doch jeden Idioten quasseln, was er will und fühlt euch nicht dazu berufen, ihn umerziehen zu wollen, denn sonst schließt er sich mit seinesgleichen zusammen und geballte Blödheit ist schwerer zu kontrollieren als vereinzelte. Und wer weiß, vielleicht steckt ja in dem Geäußerten, wie im Kindermund ein klitzekleines Stückchen Weisheit. Die »ich weiß, dass ich nichts weiß« Mentalität bringt den positiven Aspekt des Zuhören Müssens mit sich und vielleicht nähern wir uns der objektiven Wahrheit nur, wenn wie die Abermillionen der subjektiven zulassen. Denn schließlich kann man eine Sache unmöglich nur so und nicht anders betrachten. Lassen wir einander gelten, auch wenn es noch so schwer auszuhalten ist. Bedenken wir lieber, dass das, was heute gilt, morgen schon ganz anders aussehen kann. Und, wer ständig ein wenig Luft ablassen kann, ist davor gefeit, irgendwann zu platzen. Überlassen wir die Singularität dem Weltall, wo sie schöpferisch wirkt.

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