Ohne Worte

Mir geht ein Begriff, der mir heute Morgen in den Kopf kam, nicht mehr aus dem Sinn. Es geht um das wunderschöne Wort »Wortschatz«. Das Schatz darin besagt doch einwandfrei, dass jede Sprachzensur uns ein wenig ärmer macht, in dem sie uns nach und nach der Worte entraubt. Allein, um auf so etwas Dummes wie eine »Sprachregelung« zu verfallen, da braucht es schon einen gewaltigen Hirnverfall. Was nicht gesagt werden kann, kann mit der Zeit auch nicht mehr gedacht werden, denn wie soll ich das, was in meinem Kopf vorgeht in Worte fassen, wenn mir diese schlichtweg ausgehen. Sprachkosmetik entspringt auch künstlich verformten Hirnen, die verschleiern sollen, dass derjenige, der schön reden, noch lange nicht schön denken kann. Wie ich heute morgen vernahm sollen die Wölfe in Deutschland nicht getötet, abgemurkst, hingemeuchelt, umgebracht oder gar massakriert werden, nein, sie werden »letal entnommen«! Welchen halbtoten Denkorganen entfährt solch ein Schwachsinn? Bis jetzt mein Spitzenreiter zum »Unwort des Jahres«, aber wir haben ja erst April, da wird sich so mancher Klugscheißer noch eine Steigerung entringen. Wer beschließt eigentlich, dass wir dieses und jenes Wort nicht brauchen, das es weg kann und warum? Wir entfernen aus der Farbpalllette doch auch keine Schattierung, nur weil sie uns nicht gefällt. Jetzt hat mir die Autokorrektur gerade aus Farbpallette erst Farbpalllette, dann Farbpalette gemacht, egal mir kommt es auf einen Buchstaben mehr oder weniger nicht an, wenn nur das Wort erhalten bleibt. Schließlich schreiben wir auch nicht mehr Bureau, sondern Büro, damit sich auch der orthografisch schwache Hansel des Wortes bemächtigen kann. Eines Wortes bemächtigen, was für ein Ausdruck. Sich die Macht eines Wortes zu eigen zu machen. Wortgewalt finde ich auch wunderschön, besonders, wenn dadurch körperliche Gewalt vermieden werden kann. Nehmt uns doch nicht die Werkzeuge, die verhindern, dass wir uns der Sprache beraubt, noch vor der verbalen Begrüßung die Köppe einschlagen, oder ist dies vielleicht gewollt? Ist ja auch lästig diese Herumdiskutiererei, Rübe ab und fertig und sich nicht damit auseinandersetzen müssen, was uns der Spucht da gerade sagen wollte. Wer kommen, sehen und siegen will, der redet nicht lange herum. Wieso kommt mir da gerade Trump in den Sinn? Wieder egal. Ein Wort einer Bombe gleich entschärfen, belegt, welche Sprengkraft in Worten liegen kann, also gehen wir sorgsam mit ihnen um, aber reduzieren sie um Himmels willen nicht! Denn was gibt es Schlimmeres, als an einer schmerzenden Seele zugrunde zu gehen, allein, weil man ihr keinen Ausdruck verleihen kann.

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