Nordmännchentännchen

Gestern musste ich dringend zum Discounter. Dort gab es dreijährige Nordmanntannen im Angebot, die so winzig waren, dass die doppelte Verkleinerungsform der Überschrift durchaus ihre Berechtigung hat. In etwa so groß, bzw. lang wie mein Unterarm- ohne Hand, versteht sich. Toll, was so ein/e Nordmann/erin in drei Jahren zustande bringt. Natürlich muss der Weihnachtsschmuck jetzt auf Zuwachs gekauft werden, denn in diesem Jahr reicht es geschätzt gerade mal für ein Kerzlein und ein Kügelchen. Geschenke gibt es in Form von Briefmarken, da die Postwertzeichen unter das Bäumlein passen. Es werden eh zu wenig Briefe geschrieben, geschweige denn, dass diese hochromantische Form der schriftlichen Kommunikation wie damals auch noch zur Kunstform erhoben wird. Wahrscheinlich werden wir dermaleinst Romane in SMS-, oder whatsapp-Form lesen. Alles kann, nichts muss, schon gar keine Orthographie oder korrekte Zeichensetzung oder Groß- und Kleinschreibung, denn auch Worte wollen gleichgegendert werden. Der derart befreite Leser stoppelt sich sein eigenes Buch zurecht und vielleicht bleiben uns dadurch die ebenso zahl- wie sinnlosen Biographien erspart. Aber ich war ja noch bei den Nordmänner/innen, die noch welche werden wollen. Trotz nachdrücklicher Warnung meines Göttergattens, ich solle gefälligst von dieser »Noch-Bonsai-Ausgabe« der stattlichen deutschen Tanne fernbleiben, konnte ich nicht widerstehen. Außerdem sollten Befehle nie unhinterfragt bleiben, besonders, wenn ähnlich viel Kompetenz wie bei Ehemännern vorhanden ist. Seit Urzeiten wird der Spruch unter Frauen weiter gegeben, dass Männer zwar alles essen, aber beileibe nicht alles wissen dürfen- besonders in Bezug auf die Ingredienzien der Mahlzeit. Also ich würde anstelle meiner besseren Hälfte meine Gattin ja niemals ärgern, besonders, wenn sie die Hoheit über die Kochtöpfe besitzt. Denn bevor Frauen alles abließen, wie sie es heute hoffentlich tun, wurde früher etwas ganz anderes abgelassen, bevorzugt in das vorzügliche Süppchen. Da gibt es tatsächlich noch Männer, die glauben, der Blutstropfen in den Reibekuchen entstamme den zarten Fingerchen der Frau, dabei hatte er seinen Ursprung in noch weit zarterem Gewebe. Deswegen gab es die Dinger auch nur höchstens einmal im Monat. Aber ich komme schon wieder vom Thema ab. Zwei der drei erworbenen Bäumlein verkaufte ich meinem Mann als Geschenke an Mutter und Schwiegermutter, denn ist deren Ehrgeiz erst einmal geweckt, halten sie noch locker die nächsten zehn Jahre durch, um das Bäumchen zum Baume heranwachsen zu sehen, aber, so ist sie nun einmal, die Nachkriegsgeneration, da machste nix dran. Nummer drei wächst und wuchert an geheimen Orte dem Weihnachtslichterglanz zukünftiger Jahrzehnte entgegen. Hoffentlich halte ich noch so lange durch, aber das Gewächs kann auch als Grabschmuck durchgehen, dann aber mit Lichterkette!

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