Hirnforschung

Durch Zufall stießen Hirnforscher auf einen besorgniserregenden Befund. Bei MRT-Aufnahmen, die aufgrund anderweitiger diagnostischer Indikationen entstanden, wurde deutlich, dass sich zwischen den Scheitellappen und dem Frontallappen, der für unser rationales Denken zuständig ist, zunehmend ein weiterer Hirnlappen dazwischen drängt. Die höchste Aktivität zeigt dieses zusätzliche Hirnareal, wenn der Wille zur Veränderung durch eine desaströse Motivationslage nicht verwirklicht werden kann. Die Hirnforscher sprechen in diesem Zusammenhang nun vom Jammerlappen, bei dem noch nicht klar ist, ob er eine evolutionäre Weiterentwicklung, oder einen Rückschritt darstellt. Es häufen sich aber Stimmen, die diese Entwicklung in den Bereich der Pathologie rücken, da Ersatzhandlungen, wie vermehrte Nahrungsaufnahme, übermäßiger Alkohol- und Drogenkonsum oder die Flucht in die neue digitale Medienwelt das Wachstum des Lobus lamentatus, wie der wissenschaftliche Name lautet, befördern. Volkstümlich ausgedrückt heißt dies, wenn man will, aber nicht kann, weil alle anderen außer einem selber an einer misslichen Lage die Schuld tragen und man sich an dieser Verschwörung gegen die eigene Person dadurch rächt, dass man sein Hirn wie auch immer wegtankt, breitet sich der Jammerlappen invasiv bis in den Frontallappen aus, sodass rationales Denken mehr und mehr erschwert wird. Dies schlägt sich auch im Wahlverhalten nieder, wo sogenannte Retter, egal welchen Blödsinn sie auch immer schwafeln, den meisten Zuspruch finden. Es scheint sich um ein weltweites Phänomen zu handeln, wie jüngste Wahlergebnisse zeigten. Was ist dagegen zu tun? Hoffen lässt, dass die Verabreichung von Kant-Texten in vereinfachter Form offensichtlich in der Lage ist, die Entwicklung des Jammerlappens zu stoppen. Ob der fatale Prozess komplett rückgängig zu machen ist, werden neuere Studien ergeben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.