Gartenarbeit

Nein, nein, nein, ich tue es nicht. Regelmäßig zu dieser Jahreszeit überkommt mich ein unbezwingbarer Pflanz- und Sähdrang. Von Cannabis bis Tomate über Wildwiesenblume, ich will graben und buddeln und mich am Ergebnis erfreuen. Kann ich aber nicht, weil Richie-der Maulwurf unter den Hunden- alles ausgräbt, was ich gerade pflanzte oder säte und so bewegen wir uns quasi in Doppelschicht durch den Garten. Erst ich, rein mit dem Zeug, dann er, raus mit dem Zeug und der Schweinehund muss sich, da Halbwadenhoch noch nicht einmal bücken. Anstatt es andersrum zu halten, er gräbt das Loch und ich befülle es, ein Gedanke, der mir letztes Frühjahr kam, drehte der Idiot noch eine dritte Runde und ich konnte von vorne anfangen. Zwar hat er die Scholle schon bereitet, im Garten findet sich ein Loch neben dem anderen, aber da richtig eklige hochstachelige Kakteen unserem Klima nicht trotzen können, bleiben die Aushebungen dieses Jahr unbefüllt wie ich mir schwor. Aber jetzt geht es bereits bei den Discountern los. Rosenstöcke, Camelien und wie ich in einem Prospekt entdeckte, warten sogar Zitrus- und Kumquatbäumchen auf häusliche Hege und Pflege. Vielleicht könnte ich mir ja mindestens kniehohe Pflanzgefäße besorgen- beim Aldi erspähte ich welche-, an die Richie, die Erdhummel unter den Hunden nicht heranreicht. Die Erdhummeln sind es übrigens, die, wenn sie bei Wärmeeinfall anfangen unterirdisch zu brummen, den Bergmann unter den Hunden in eine Art von Grabungswahn treiben. Anstatt dabei etwas Sinnvolles zutage zu tragen, ein prähistorisches Pfahldorf, das Bernsteinzimmer oder den noch nicht gefundenen Nazischatz, die Reste von Atlantis oder die verschollene Bundeslade- ein Emlichheimer Ötzi wäre auch ganz nett-, treibt er nur Erdhummeln aus ihren Verstecken und die nehmen hoch verärgert, mich ins Visier, anstatt den wahren Störenfried aufs Korn zu nehmen. Positiv ist vielleicht zu vermelden, da der Garten seit Urgedenken zu einem Arzthaushalt gehört, dass die Überreste falsch behandelter Patienten ebenfalls noch nicht aus der Versenkung aufgetaucht sind, aber was noch nicht ist, kann ja noch werden. Jedenfalls untersuche ich jede knochenähnliche Struktur, die mir mein archäologisch angehauchter Hund vor die Füße legt, um sie auf möglichen menschlichen Ursprung zu überprüfen. Das verrottete Hüftgelenk, das er mir auf den Bauch legte, als ich auf meiner Sonnenliege eingedöst war, stammte, wie ich feststellte, nachdem mein Schreikrampf abgeebbt war, aus dem Bereich des Bovinen und nicht des Humanoiden. Könnte aber auch pferdischen Ursprungs sein, aber da warte ich erst einmal ab, ob der knöcherne Rest des Gauls auch noch auftaucht. Da man bei jedem Ungemach auch daran denken sollte, es pekuniär auszuschlachten, könnte ich Richie ja als versierten Gartenumgräber vermieten. Also, wenn Bedarf besteht, bitte bei mir melden, aber nicht drängeln!

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