Nippelpiercing

Gerade wurden mir in meinem Spammailordner 15%Rabatt auf alle Nippelaccessoirs angeboten. Was fange ich mit diesem Angebot jetzt an? Erst einmal handelt es sich um die falsche Mailadresse, denn sollte eine solche Versuchung nicht eher an meinen Mann gehen als an mich? Zum anderen habe ich aufgrund meiner rheumatisch verkrümmten Finger schon Probleme bei den Ohrringen, da fange ich doch nicht an, auch noch vergeblich an anderen Körperstellen herumzufummeln. Und außerdem, warum sollte ich mich an Stellen schmücken, die außer mir nur noch mein Gatte und mein Gynäkologe zu Gesicht bekommen? Es mag zwar ganz reizvoll sein, wenn auf der Mammographieaufnahme außer Knoten noch das eine oder andere Highlight dem Betrachter entgegen blitzt, aber der tiefere Sinn jeglichen Genitalpiercings blieb mir bislang verschlossen. Na gut, das Zungenpiercing lasse ich noch als Schnullerersatz durchgehen, aber der Rest? In welchen freudschen Untiefen muss man waten, um eine Erklärung für das kunterbunte Geschlechtspiercingallerlei zu finden. Waren die Ärmchen im Mutterleib zu kurz um entscheidend beruhigende Körperstellen zu erreichen? Wollen wir durch permanente punktuelle Reize daran erinnert werden, dass wir außer Verstand auch noch Gefühl sind? Ich meine, eine Aufsichtsratsvorsitzdiskusssionsrunde wird doch erheblich interessanter, wenn man zwischendurch das verborgene Piercing berührt. Es geht doch darum, dass wir uns lieber lausen lassen würden, als endlos dummes Zeug zu bereden, aber wer gibt dies schon öffentlich zu? Es steckt noch verdammt viel der Bonoboaffen in uns, die jeden Konflikt mit einer sexuellen Entladung bereinigen. Machen wir auch, aber eher heimlich und im verborgenen. Und jede Auseinandersetzung, mag sie noch so ethisch-moralisch-rational daherkommen, ist sexuell unter- bzw. überlagert. Gebe zwei Menschen in einen Raum und der unsichtbare Dritte, der Sexus, ist unabdingbar präsent. Im Grunde genommen ist die sexuelle Komponente in dermaßen hohe Sphären enteilt, dass man bereit ist, sich Metall ins allerempfindlichste zu rammen, um eine Ahnung davon zu bekommen, wie es hätte sein können.

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