Hygrometer

Als ob es nicht genug für mich zu kontrollieren gäbe, habe ich jetzt, laut Empfehlung von Wohnraumexperten, überall in meinem Hause Hygrometer, also Feuchtigkeitsmesser angebracht, denn ganz Deutschland schimmelt sich durch den ungehindert um sich greifenden Isolierungswahn nicht gerade um Kopf und Kragen, sondern vielmehr um Bronchien und Lunge. Und, wer nicht richtig lüftet, ist selber schuld, wenn der schwarze Belag auf den Zähnen nicht vom Kaffee- oder Rauchgenuss stammt, sondern einer Schimmelkultur geschuldet ist. Trauerränder unter den Fingernägeln müssen zur Winterzeit nicht sein, da nicht im Garten herumgewerkelt wird und auch dort kann man den aggressiven Sporen am Besten durch vorsorgende Feuchtigkeitsmessung mittels Hygrometer entgegen wirken. Auf jeden Fall zeigt mir jetzt ein Grinsegesicht an, wenn ausreichend gelüftet oder zu wenig gefeuchtet wurde. Ich habe auch schon mehrere Runden durch alle Räume hinter mir, wurde aber von allen Digitalmessern wohlwollend angelächelt und denke, ich könnte stündliche Pausen in meine Kontrollgänge einlegen. Aber der Spor an sich ist heimtückisch und wer weiß, ob er nicht die Sekunde ausnutzt, in der das Hygrometergesicht die Mundwinkel nach unten verzieht, um sich, im wahrsten Sinne des Wortes, häuslich niederzulassen, und so drehe ich noch eine Runde. Man sollte auf jeden Fall vor Inbetriebnahme jeglichen Gerätes die Bedienungsanleitung lesen, stelle ich mit vom ewigen Laufen brennenden Fußsohlen fest, denn, wie ich dort reichlich verspätet erfahre, lässt sich per Knopfdruck der höchste und der niedrigste gemessene Feuchtigkeitsstand der zurückliegenden Stunden ablesen und meine blöde Rennerei erübrigt sich. Im Moment überlege ich nur, ob ich die Messwerte jetzt tabellarisch oder vielleicht doch besser graphisch erfasse, um ein tägliches Gesamtbild vom Binnenzustand meiner Räume zu erhalten. Vielleicht könnte ich auch eine Power Point Präsentation erstellen, damit mir mein Gatte nicht mehr mit der ständigen Nachfrage, ob ich auch genug lüfte auf die Nerven geht, oder sich vorwurfsvoll darüber auslässt, dass in den Toilettenbereichen Sprühflaschen mit »Schimmel-Ex« herumstehen. Dann wäre meine Antwort keine schnippische mehr, sondern eine hygometermäßig wissenschaftlich fundierte. Damit könnte ich auch meine damals von mir aufgrund zunehmender Langeweile verbaselte Doktorarbeit nachholen. Thema: Die Behandlung männlicher Befindlichkeitsstörungen durch minutiöse Messung des Luftfeuchtigkeitsgehaltes in der häuslichen Umgebung!

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