Freud

Werbesprüche werfen mich regelmäßig aus der Bahn. Hier der neueste Slogan: »Beseitigt sogar Schmutz, von dem Sie gar nicht wissen, dass er da ist.« Warum? Könnte es sein, dass mein Unbewusstes sehr wohl über all den Staub und Dreck informiert ist, den ich wissentlich übersah? Und rumort dieses unbewusste Wissen der Theorie des Sigmund Freud nach, ständig in meinen Inneren herum? Jetzt könnte ich ja sagen, lasst mich mit dem mir unbekannten Schmutz in Ruhe, aber so einfach ist das nicht. Verhindert der Staub unter den Betten, ohne dass ich es merkte, die komplette sexuelle Entspannung? Die Wirkung eines quasi aus dem Nichts erstandenen Staubfadens an der Decke, sollte Mann keinesfalls unterschätzen und so manches Gestöhn ist mitnichten der raffinerten Fertigkeit des Partners geschuldet, sondern bezieht sich eindeutig auf die Bewusstwerdung eben dieses Staubfadens. Es geht ja noch weiter! Endlich wäre dann die Ursache der generationsübergreifenden weiblichen Migräne gefunden, die die Frauen kurz vor dem Beischlaf befällt. Da Frauen meistens Stellungen einnehmen, die einen Blick unter die Betten erlauben, will Frau sich aus Erfahrung nicht beidem aussetzen: dem weiblichen Putzzwang und dem männlichen Zwang Kopf und Hirn beiseite zu lassen. Merke: Frauen können das nicht! So bricht sich neurotisches Fehlverhalten Bahn, weil das Unbewusste nie Ruhe gibt und selbst dann stört, wenn Frau erst gar nicht weiß, worum es geht, bis sie das bis dahin Ungesehene sieht. Schwupps, schon wird der Schalter umgelegt und die wilde sexuelle Phantasie der Frau verwandelt sich in null Komma nichts, in Phantastereien über Staubmagneten. Die totale Bewusstwerdung ungesehener Verschmutzung setzt erst ein, wenn Frau eine Schwiegertochter bekommt, diese beiseite nimmt und in das lange Verborgene einweist und schon ist es vorbei mit zügellosem Sex. Ganz perfide wird es, wenn die Ehefrau des Prinzensöhnchens nicht mitgeteilt bekommt, wo er bevorzugt Verunreinigungen versteckt, um dann bei der plötzlichen Entdeckung lauthals zu verkünden: »Meine Mutter hätte dies im Leben nicht übersehen.« Genau dies ist der Zeitpunkt, an dem Mann sich entscheiden muss, ob er nun eine Zweitmutter, oder lieber berauschende sexuelle Erlebnisse haben will. Beides zusammen geht nicht, von Ödipus einmal abgesehen. Womit ich schon wieder bei Freud gelandet bin, dem es nie gelungen ist, die wahren Ursachen weiblicher Hysterie aufzudecken. Nein, da muss erst die Putzmittelindustrie und ihre Werbung kommen, um das Offensichtliche offen sichtbar zu machen.

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