Advent

Dieses Jahr scheinen meine Mitmenschen Weihnachten nicht abwarten zu können. Ich meine an den Hochsommerlebkuchen und an durch die Wärme schmelzende Schokoweihnachtsmänner hat man sich schon irgendwie gewöhnt, aber dass der diesjährige Weihnachtsbeleuchtungswahn bereits Anfang November um sich greift, wirkt ein wenig befremdlich, denn es müssen ja noch etliche Totenfeiertage absolviert werden. Da liegen in den Läden Grableger neben Adventsgestecken und die Angehörigen zieht es nicht zu den Grabstätten der verflossenen Lieben, sondern Richtung Weihnachtsmarkt. Ich finde, dass egal was auch immer eine gewisse Bedeutung hat, dieses nur durch strenge Terminierung, der Vorfreude und dem warten auf … erlangt. Niemand käme auf die Idee seinen Geburtstag einen Monat und die Bewirtung der Gäste gleich drei Monate vorzuverlegen. Was bereits Mitte des Jahres verwässert wird, verliert seine Bedeutung und so kann es passieren, dass man lange vor dem Datum des ersten Advents, sich quasi am Weihnachtsdekorationsgetue satt gesehen hat. Dabei geht es doch nicht darum, bei wem als Ersten das erste Lichtlein brennt, sondern dass es alle rituell gleichzeitig anzünden. Apropos Lichtlein, grade in der Vorweihnachtszeit nimmt der »Lichtsmog« überproportional zu. Bei der aller Orten aufflammenden Intensivbeleuchtung hätten die drei Weisen aus dem Morgenland keine Chance gehabt, einem Stern zu folgen, weil die Sterne neben unseren Lichtorgien verblassen und nicht sichtbar sind. Wer weiß, wohin es die Drei womöglich verschlagen hätte und wem sie dann gehuldigt hätten, wahrscheinlich den Angestellten funkelnder Supermärkte. Aber ich war ja noch beim Advent. Sonntag steht der erste bevor und ich kann und kann mich nicht dazu aufraffen, meinen Beitrag zum bunten Lichtertreiben zu leisten. Zumal ich weiß, dass, wenn mich die Dekorationswut einmal packt, ich nur schwerlich damit aufhören kann. Im Moment habe ich den Verschönerungstrieb noch gut im Griff, aber »wehe, wenn sie losgelassen«, da ist es durchaus möglich, dass die drei Weisen bei mir auf der Matte stehen.

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