Vorräte

Gestern habe ich meinen Gewürzschrank entrümpelt und entdeckte dabei Tütensuppen, deren Verfallsdatum in etwa meinem Geburtsdatum entsprach. Leider warf ich sie weg, dabei hätte ich sie als historische Zeugen der Anfänge pulverisierter Suppen durchaus bei eBay versteigern können -vielleicht krame ich sie ja auch wieder aus dem Müll heraus -, denn wer weiß, womöglich schlummert in einer dieser Tüten die Ursuppe, aus der alles Leben hervor ging. Was bringt mich eigentlich dazu Vorräte anzulegen? Umgeben von etlichen Supermärkten und Discountern in Steinwurfweite, in denen ich sogar zu nachtschlafender Zeit, quasi aus einem quälenden Traum heraus, in dem mir der Zucker für den Kaffee meines Mannes fehlt, eben eine Jacke über das Nachthemd geworfen, noch einkaufen gehen könnte und ich nur den Sonntag überbrücken müsste, hamstere und horte ich wie ein Eichhörnchen im Angesicht mehrerer strenger Winter. Das mag einerseits daran liegen, dass ich Produkte nur in »magischen Zahlen« wie eins, drei, fünf und sieben erwerbe – ein Tick, der leider nicht abzulegen ist – andererseits daran, dass der Anteil meiner Hamster- und Eichhörnchengene ungewöhnlich hoch ist. Eine Bekannte riet mir neulich, nach einer gewissen Zeit sämtliche Einkäufe einzustellen und so lange Mahlzeiten aus dem zu schöpfen, was sich unweigerlich ansammelt, bis alle Vorräte aufgebraucht sind. Dies wäre nicht nur eine exorbitante kreative Herausforderung, sondern brächte Zutatenkombinationen hervor, die den Speiseplan ungemein bereicherten. Außerdem hätte man immer Käse zum Überbacken zur Hand, dadurch säße ein »Notauflauf« immer drin! Hmm, demnach stünden heute Semmelknödel mit Thunfisch aus der Dose, Apfelmus und Haselnusskrokant zur Debatte. Den Vorschlag meiner Bekannten werde ich wohl nicht befolgen, denn dies ist meinem Gatten selbst mit Überbacken nicht zu verkaufen. Da muss ich wohl oder über zur Zwangsmaßnahme des limitierenden Einkaufzettels greifen. Was dort nicht steht, wird nicht gekauft und fertig! Auch wenn ich mit lechzender Zunge und zittriger Hand nach den Sonderangeboten greifen will: Vade retro Satanas!

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