Reichtum

Als nicht »Digital native« verklickt man sich schon einmal gerne. Ich weiß nicht wie, aber plötzlich geriet ich via eBay auf die Seite von Christies New York, versuchte dort wieder herauszukommen und erhielt stattdessen den Zuschlag für ein 400.000.000 Gemälde! Nein, Spaß beiseite, es gibt Menschen, die in diesem Preissegment mal eben shoppen. Als Kind wollte ich immer Dagobert Duck sein und es ihm gleichtun mit dem Bad in den Goldstücken. Onkel Dagobert empfand in seinem analogen Reichtum so etwas wie Befriedigung. Heutzutage ist das anders; das Geld schwebt virtuell von da nach dort, ist scheu wie das sprichwörtliche Reh und darf nicht verschreckt werden, denn sonst entflieht es in ein Steuerparadies, wo es jede Menge Platzhirsche findet, die für grenzenlose Vermehrung sorgen. Ich frage mich, wie lange die Befriedigung über den nicht ganz eindeutigen Da Vinci anhält. Ist der Salvator mundi in etwa für den Käufer, was für mich ein Paar Schuhe ist? Ist eBay das preisgünstigere Christies? Findet dieses »drei, zwei, eins, meins« nur in unterschiedlichen Dimensionen statt? Und, wenn wie vermutet, der Da Vinci in irgendeinem Tresor auf »Nimmerwiedersehen« verschwindet, was hat der Käufer außer der Gewissheit des Besitzes von seinem einsamen Vergnügen? Liegt nicht der Lustgewinn des Habens in dessen Zurschaustellung? Warum verbarrikadieren sich die Superreichen in abgelegenen Enklaven? Schämen sie sich etwa? Man weiß es nicht, aber was ich weiß, ist, dass die Absurdität der Welt erhalten bleibt, wenn eine enorme Geldmenge ausgerechnet den »Heiler der Welt« erwirbt. Von Heilungen durch Handauflegungen hat man schon gehört, aber noch nie von Heilungen durch Dollarauflegungen. Aber ich schweife ab. Im Prinzip ist es doch so, dass das Goldene Kalb letztendlich als Sieger dasteht, denn die Anhäufung von obszönem Reichtum ist nicht möglich, wenn man sich strikt an die Zehn Gebote hält. Leider gilt der Trost, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in den Himmel kommt, heutzutage auch nicht mehr viel. Geschweige denn dieses falsche Versprechen von den Letzten, die die Ersten sein werden. Und davon, dass die Ärmsten die Seligsten sind, kann man sich nichts kaufen – erst recht keinen da Vinci.

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