Vorbilder

Heute gab es zur Abwechslung einmal zwei positive Nachrichten. Da wäre zunächst die gemeinsame Rettungsaktion von Militär und Zivilbevölkerung in Banda Ace – man erinnert sich, die am schwersten gebeutelte Region beim Tsunami – für zehn gestrandete Pottwale zu nennen. Zum anderen die Aktion »Barber Angels« die den Ärmsten unter uns einen kostenlosen Haarschnitt bietet und ihnen damit einen kleinen Teil ihrer menschlichen Würde zurückgibt. Geht doch, möchte man meinen. Warum nicht am Ende jeder Nachrichtensendung, einen kurzen Beweis dafür, dass Mitmenschlichkeit ein zwar seltenes, aber trotzdem vorhandenes Gut darstellt? Da ginge man den Tag doch ganz anders an! Da der Mensch durch das Beispiel lernt, gerne auch vorgeführtes Verhalten imitiert, wäre durch die Medien eine gewisse Ausgeglichenheit zu vermitteln, weniger Trump und mehr Dalai Lama, wenn man so will. Es besteht schon ein gewaltiger Unterschied, ob man »vor der Haustür beginnt der Krieg«, oder »vor der Haustür beginnt die Chance« formuliert. Ich meine hier nicht das Schönreden negativer Fakten; ich bitte – und sei es nur am Rande – um die Erwähnung positiver Tatsachen. Ich stelle mir gerade eine alternative »Bild« Zeitung vor, die einen nicht mit fett gedruckten »Hammermeldungen« gleichsam erschlägt, sondern uns in riesigen Lettern täglich entgegen schreit, wer wem wo selbstlos zur Seite stand. Ein Presseorgan für die Stillen, das wäre es doch! Was betreiben unsere Medien denn anderes, als Volksverhetzung im großen Stil? Uns wird eingebläut, dass die Afrikaner nichts auf die Reihe bekommen, Farbige in den USA größtenteil kriminell sind, die Chinesen bienenfleißig die Weltherrschaft anstreben und der Russe, da kann man machen, was man will grundsätzlich böse ist. Dabei kann ein Volk, dass seine Dichter so verehrt, wie kein anderes auf der Welt, gar so schlecht nicht sein. Das alltägliche Heldentum besitzt eben keine Plattform.
Morgenstarte ich einen Selbstversuch, da ich heute noch die Walrettung vor Augen habe. Ich lasse keine Nachrichtensendung aus, ziehe mir hinterher noch Werbesprüche wie: Geiz ist geil, unterm Strich zähl ich, weil ich es mir wert bin, drei-zwei-eins-meins und ähnliche rein und dann will ich mal sehen, ob aus mir nicht doch ein ganz passabler Amokläufer wird.

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