Glückseligkeit

Gestern schaute ich mir die Verfilmung von »Hectors Reise« an. Nun will mir ein Satz daraus nicht mehr aus dem Kopf gehen. »Wir haben die Verpflichtung glücklich zu sein!« Eine vollkommen neue Gemengelage. Andererseits kennt der Volksmund genug Sprüche wie: Er/Sie rennt ständig mit dem Kopf gegen die Wand. Er/Sie steht sich ständig selbst im Weg. Er/Sie stolpert ständig über die eigenen Beine. Wenn wir das glücklich sein als Verpflichtung empfänden, hieße dies doch zunächst gründlich in der eigenen Glückverhinderungsmottenkiste aufzuräumen! An oberster Stelle kämen bei mir die Selbstvorwürfe. Wenn ich glückserfüllt ein hoch erbauliches Buch lese und sich mir gleichzeitig die Hundespuren auf dem Fußboden unentwegt dazwischen drängen, dann liegt es an mir, wie ich die Rangfolge der Pflichten gestalte. Ins Allgemeine übertragen stünde hier das Wirtschaftswachstum gegen das Glückswachstum der Gesellschaft. Es wird außer in Bhutan in keinem anderen Land erhoben. Es stand auch noch nie zur Debatte, den Artikel eins des Grundgesetzes um »ebenfalls ist das Glück des Einzelnen unantastbar« zu erweitern. Auch in den zehn Geboten sucht man den Passus »Sei glücklich!« vergebens. Und wer in seinem Arbeitszeugnis den Satz: Er/Sie war stets glücklich und zufrieden« findet, braucht mit dieser Bewertung nicht auf Jobsuche zu gehen. Im Erziehungswesen wird vom Bildungsauftrag geredet und nicht davon, wie man lernt glücklich zu sein. Im Moment stehen die Bundestagswahlen an und es findet sich nicht eine Partei, die verspricht, für ausreichend Glück in der Bevölkerung zu sorgen. Wenn demnach immer und überall das Glück unter ferner liefen, kursiert, ist und bleibt jeder »seines Glückes Schmied« und kann selber sehen, wie er klarkommt. Dabei glaube ich, dass bei einer Umfrage in Bezug auf zukünftige Ziele, keiner mit einem »einfach glücklich sein« antworten würde. Wir ordnen das persönliche Glück bereits selber ziemlich weit unten ein. Irgendwie haben wir alle im Kopf, dass Glück sich einstellt, wenn wir alle Vorbedingungen geschaffen, alle Hindernisse aus dem Weg geräumt und alles Sollen erfüllt haben. Selbst die Glückseligkeit eines imaginären Paradieses muss erst verdient werden, was im Extremfall Auswüchse wie Selbstsprengungen beinhaltet. Belohnungen gibt es nur für Wohlverhalten, was bereits jedes Kind, das zitternd vor dem Nikolaus mit seinem goldenen Buch steht, bestätigen kann. Erwachsenen Kindern gibt man gerne ein »sei vorsichtig und pass auf dich auf« mit auf den Weg dabei wäre ein »sei glücklich« auch »nicht von schlechten Eltern«! Zu Pflichten muss ermahnt, erzogen und gedrängt werden. Wenn ich jetzt das Glück als vornehmste Pflicht betrachte, dann bedarf es einer grundlegenden Revision, ach was rede ich, Revolution in der Erziehung. Die Frage »macht mich das glücklich« verlangt die vordringlichste Aufmerksamkeit. Was nicht bejaht werden kann, gehört konsequent entsorgt, wenn ja wenn die Verpflichtung zum Glück bestünde, was ein schöner, vielleicht irgendwann zu verwirklichender Wunschtraum ist.

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