Meditation

Man hört jetzt viel über Meditation zum »Herunterkommen«. Was eindeutig besser funktioniert als einfach nur herumzusitzen und nichts zu tun. Schließlich geht es darum, sich von allen »Anhaftungen« zu befreien. Wenn ich jetzt auf das antike Griechenland zurückgreife, waren die durch ihre Sklaven von jeglichen »Anhaftungen« befreiten Philosophen in der Lage, ihren losgelösten Geist bis zu den Sternen greifen zu lassen. Wenn ich zu prekär beschäftigten Alleinerziehenden schwenke, die durch die »Anhaftungen« täglicher Sorgen förmlich am Boden kleben, gehört es nun auch zu deren Obliegenheiten, sich durch Meditation der »Leichtigkeit des Seins« zu versichern. Funktioniert ähnlich wie der Psychozweig des Gesundheitssystems. Wenn es dem Patienten partout nicht besser gehen will, liegt es primär daran, dass er sich gegen die Bemühungen der Therapeuten sperrt. Wenn ich darin verhaftet bin, die nächste Miete zusammen zu bekommen, habe ich mein Mantra, das davon handelt wie gut es mir im Grunde genommen geht, eben nicht wirklich verinnerlicht. Nun komme ich mit der Kebekus nur schwer zurecht, aber ihre Bemerkungen zum absoluten Totschlagsargument gegen Klagen aller Art, treffen zu. Das Argument lautet: Pech! Es ist auch noch steigerungsfähig zu: dein Pech! Der Superlativ hierzu: Selbst schuld! Wenn man jetzt zu den armen Tröpfen gehört, die alles bis zum Anfang denken, kommt man zu dem Schluss, dass da was wahres dran sein muss. Sägt ein Nachbar an seinem Vorgartenbaum herum und mir fällt einer der schweren Äste auf den Kopf, kann ich mir durchaus vorwerfen, meinen Weg selbst gewählt zu haben und damit der Verursacher des Schädelhirntraumas gewesen zu sein. Eben alles eine Frage der Eigeninitiative. Wer im Treibsand versinkt, hat eben nicht genug davon gezeigt und wer mit dem Kopf gegen die Wand rennt, ist ein wenig überengagiert. Die Privilegierten unter uns klopfen sich unentwegt ob ihrer Stellung auf die Schulter; dabei ist es eine Frage des Zufalls, wann, wo und von wem man in die Welt gesetzt wurde. Und wer von der Erdenschwere aller Besitztümer, die er sein eigen nennt, schier erdrückt wird, dem verhilft die Meditation zu neuen Höhenflügen. Mittels Neurofeedback wird gelernt, sein Hirn in den angenehmen Zustand des Alpha-Wellen-Rhythmus zu versetzen. Der Obdachlose, der sich mittels Doppelkorn in den gleichen Zustand versetzt, wird hingegen verachtet. Alles eine Frage der anschließenden Leistungsfähigkeit. Und hier hat der Westler das östliche Prinzip der Meditation nicht begriffen. Ihm ist sie ein kräftespendendes Mittel auf dem Weg zum mehr! Selbst große Unternehmen bieten sie mittlerweile an, um die Produktivität ihrer Mitarbeiter zu erhöhen. GmbHs eben. Während der Östler es mit der Loslösung von Anhaftungen todernst meint, denn dort steht der Verzicht im Mittelpunkt.

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