Ego te absolvo

In den Stunden, in denen mein Hirn endlos Geschehnisse wiederkaut, die nicht mehr zu ändern sind, wünsche ich mir, gläubiger, praktizierender Katholik zu sein. Ich meine, was kann erholsamer sein, als die »Schwamm-Drüber-Methode« der Beichte? Eine gewisse Anzahl von Rosenkränzen und drei Ave Marias als Zugabe obendrauf und schon geht es unbeschwert auf zu neuen Schandtaten. Die Unfehlbarkeit des Papstes zeigt mir, dass ein menschliches Wesen – obwohl dem menschlichen Wesen wesensfremd – den Zustand der Narrenfreiheit erreichen kann. Somit ist mir dieses vielleicht auch vergönnt. Da Gott, abgesehen von der Homosexualität, der Abtreibung und dem außerehelichem Sex, alles verzeiht, bekomme ich in diesem Leben keine nennenswerten Sünden mehr zusammen. Ich bereue dann wöchentlich meine lässlichen Verfehlungen und trete reiner als dermaleinst die Jungfrau Maria aus dem Beichtstuhl. Mit dem Zustand, dass ich als Frau Hauptverursacherin der Erbsünde bin, komme ich klar. Diese Tatsache hat mir noch nie den Tag verdorben. Aber ein klerikales Reset befreit Geist und Seele und zeitigt nachhaltigere Effekte als das Zureden eines Psychotherapeuten, da ihm, einfacher Mensch, der er ist, die Fähigkeit zur einzig wahren Absolution abgeht. Zwischenmenschliche Konflikte können mir nicht mehr angelastet werden, da allein der Herr entscheidet, was gut und richtig ist, und da es bis zum Jüngsten Tag eh noch etwas hin ist, erledigt sich das meiste in der Zwischenzeit von selbst. Zwiesprachen mit Gott können nur zu meinen Gunsten ausgehen, da sie das Produkt meiner ureigenen Gedankenwelt sind, und sollte sich doch ein leiser Zweifel an meiner Vorgehensweise ergeben, beruhigt mich, dass zumindest Jesus Christus jederzeit für mich einsteht. Kaum ist die Mündigkeit einer höheren Macht überlassen, breitet sich das wohlige Gefühl der Verantwortungslosigkeit aus, denn wofür hat man schließlich einen Vater? Wenn der dann auch noch allmächtig und allwissend ist, werde ich kleines Licht ihm bestimmt nicht reinreden. Es mögen wohl Momente des Zweifels entstehen, da der Herr seine Segnungen nicht gleichmäßig unter den Menschen verteilt, aber das liegt eben daran, dass sie nicht wie ich zu den Auserwählten gehören. Manche fallen eben tiefer als in Gottes Hand. So weit, so paradiesisch, wäre da nicht dieses Gefühl, dass ich es mir ein wenig zu einfach mache. Jetzt könnte ich diese Verunsicherung dem Teufel anlasten und bin erneut prima aus dem Schneider, aber da selbst die gläubigsten der Gläubigen unter den Katholiken, Vorkehrungen in ihrem Sinne treffen, erscheint vollkommenes Gottvertrauen nicht mehr zu sein, als ein Himmelfahrtskommando. Vielleicht ist genau dies ja das pragmatische am praktizierten Katholizismus. Gott ist für das Verzeihen zuständig und um den Rest kümmert man sich halt selbst.

Ein Gedanke zu „Ego te absolvo

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