Hörgeräte II

Heute Nachmittag muss ich zum Hörgeräteakustiker und Bericht darüber erstatten, wie zufrieden ich mit dem Gerät bin, dass mir 14 Tage zur Probe überlassen wurde. Also erstelle ich zwei Listen. Eine mit: zufrieden, weil … und eine mit Unzufrieden, weil … Ich fange mit der Zufriedenheitsliste an und als erster Punkt erscheint die Tatsache, dass ich das Gefühl habe, alle Welt schreit mich nur noch blechern an, was natürlich auch auf der anderen Liste stehen könnte. Aber egal. Zufrieden, weil ich die Fernsehlautstärke nicht mehr bis zum Anschlag hochregeln muss, was mir nicht im Geringsten auf die Nerven fällt, nur den Menschen, die gelegentlich um mich rum sind. Allerdings bleiben nuschelnde Schauspieler, nuschelnde Schauspieler, da hilft auch das größte Hörgerät der Welt nichts. Ich seh schon, so wird das nix mit meiner Positivliste. Man sieht die Hörgeräte nicht, könnte dort noch stehen, aber das passiert auch, wenn ich sie nicht einsetze. Ich kann die Geräte ausschalten, wenn mich die Gespräche um mich herum langweilen, aber da sie das in der Mehrzahl der Fälle tun, muss ich, um wegzuhören, nicht erst den Umweg über die Hörhilfen nehmen. Ich bin halt nicht gern »auf Sendung«. Ich habe jetzt immer blitzsaubere Ohren. Durch die Körbchen, die im äußeren Gehörgang sitzen, wird zwar mehr Ohrenschmalz produziert, aber mit einem Rutsch durch eben diese Körbchen beim Herausnehmen nach draußen expediert. Nun muss man in filigraner Handarbeit diese dämlichen Dinger sauber putzen- kommt ganz bestimmt auf die Negativliste. Ganz zu schweigen davon, dass ich mir beim Kämmen mehrmals am Tag die ganze Kabellage herausreiße, bei der Gelegenheit die Körbchen kontrolliere und mich als ungewaschen und ungepflegt empfinde. Meine Hunde bellen laut und häufig, auch ohne Hörgerät deutlich vernehmbar. Mit diesem Teil wird das Gekläffe überdeutlich vernehmbar, was meinen Hunden schon den einen oder anderen Klaps mit der Zeitung eingetragen hat. Andererseits, was können die Tiere für mein Hörvermögen? Dabei ist das pausenlose Jucken und Vibrieren in den Gehörgängen noch gar nicht erwähnt. Es braucht eine knappe Viertelstunde, bis die Geräte samt Kabellage an Ort und stelle sitzen. Das wieder Einsetzen der Minibatterien, dabei noch gar nicht mitberechnet. Dann habe ich sie drin und gehe mich erst einmal kämmen, mit dem zu erwarteten Ergebnis. Wenn ich dann noch ausgesprochenes Pech habe, fällt eines der Geräte herunter. Das Batteriefach öffnet sich, die Mikrobatterie springt auf Nimmerwiedersehen heraus, falls ich nicht auf Knien den gesamten Badezimmerboden absuche. Mein Hörvermögen für die Flüche, die ich dabei ausstoße, ist in beiden Ohren gleich, obwohl ich nur noch einseitig verdrahtet bin. Und ich frage mich, wem außer mir persönlich will ich schon den ganzen Tag zuhören? Ist die innere Stimme nicht die wichtigste und wird man ihrer nicht ganz ohne Hilfen gewahr? Diese innere Stimme wird mich heute Nachmittag zum Akustiker treiben und dort glasklar erklären lassen: so nicht!

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