Eltern von Elke Balthaus-Beiderwellen

Im Morgenmagazin gab es heute einen besonderen Service. Ausgerechnet eine Vertreterin der Zeitschrift »Eltern« beantwortete Fragen junger Paare mit frischen Nachwuchs. Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als dieses Blatt mir jeden instinktiv natürlichen Brutpflegetrieb zunichtemachte. Das ist zwar nun bald dreißig Jahre her und es kann durchaus sein, dass die Postille, wie man sich das erste Jahr mit dem eigenen Kind besonders schwer machen kann, ihre Rat-SCHLÄGE überarbeitete, aber ich befürchte mal nicht. Auf allen Vieren kroch ich damals hochschwanger durch unsere Wohnung, um mögliche Gefahren aus der Kinderperspektive aufzuspüren. Vom Treppengittern, bis zu Steckdosensicherungen, vom Umräumen aller Putzmittel in selbst für mich unerreichbare Höhen, von Überprüfen der Raufasertapete auf »Knibbelsicherheit« über eine besondere Schulung für unseren Haushund, bei allen Gefahren, die einem Kleinkind drohen, wunderte es mich, dass die Menschheit bislang überlebte. Noch schlimmer war der psychische Druck. Mütter, so lernte ich, können im ersten Jahr so viel kaputtmachen, dass man das Kind nicht im Kindergarten, sondern gleich in der JVA anmelden sollte. Ein Hicks, ein Schreier überhört und die Zukunft als Psychopath war perfekt. Gläschen-, Fertig- und Flaschennahrung waren Ausgeburten der Hölle, ebenso wie Wegwerfwindeln. Damals war in Mode, dass man sein Kind mithilfe diverser Tragetücher unverbrüchlich mit dem eigenen Körper verband. Selbst ein entspannendes Wannenbad in völliger Einsamkeit war der jungen Mutter untersagt. Und da wundert sich Deutschland, dass die Tendenz zum Einzelkind geht. Als ich meine Urgroßmutter fragte, wie sie es geschaffte hatte, sechs gelungene Kinder groß zu bekommen, antwortete sie: »Ach, die liefen einfach so mit.« Besonders verwundert war sie über die Tatsache, dass ich nach den Mahlzeiten mir ihrer Ur-Urenkelin durch die Wohnung lief und der Kleinen sanft den Rücken klopfte. »Sie muss doch ein Bäuerchen machen«, erklärte ich meinen Marathon. »Leg`s hin. Wenn Bäuerchen kommen muss, kommt es auch im Liegen!« Das war der genaue Zeitpunkt, an denen ich sämtliche Elternhefte in den Müll entsorgte.

 

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