Kaffeeautomaten von Paul Wiedebach

Seitdem wir in Italien waren, ist meiner Gattin der hiesige Kaffee verleidet. Mir ist ja egal, wie Kaffee schmeckt. Koffeinhaltig muss er sein, weitere Ansprüche stelle ich an das schwarze Gebräu nicht. Lange Rede, kurzer Sinn, ein hochmoderner Kaffeeautomat musste her und nimmt nun den halben Küchentresen in Beschlag. Alles nicht so schlimm, wenn meine Holde nur nicht im Zuge des Neuerwerbs alle meine Instantkaffeevorräte entsorgt hätte. Sie wissen schon, Kaffeepulver, heißes Wasser und fertig. Zu größeren Aktionen bin ich am frühen Morgen nicht in der Lage. Gerne auch mal den Kaffeebecher vom Vortag benutzt, denn wer hält sich mit unnötigen Spülaktionen auf? Seitdem dieses Ungetüm unsere Küche blockiert, bin ich, anstatt an mein Koffein zu kommen, mit den Forderungen dieses Automaten beschäftigt, denn bevor nicht alle seine Bedürfnisse erfüllt sind, rückt das Monster kein Getränk heraus. Zunächst steht da »Tank füllen«, was ich gerade eben noch auf die Reihe bekomme. Hoffnungsvoll drücke ich den Espressoknopf und erfahre, dass der Satzbehälter geleert werden muss. O.K., Kamerad, aber jetzt rück den Kaffee raus! Nachdem ich den Bohnenbehälter gefüllt habe, verlangt das Biest glatt noch eine Entkalkung! Nein mein Freund, Rache muss sein! Quäl du dich ruhig durch deinen Kalk; ich brauche jetzt erst einen doppelten Espresso, sonst greife ich zum Hammer und Schluss mit deiner Erpressung! Jedoch hält mich der Kaufpreis der Maschine, der der eines Kleinwagens entspricht, von jeglicher Vergeltung ab. Leider bin ich immer der Erste in der Küche und, wenn meine Frau sich einen Kaffee ziehen will, malt und brummt der Verräter fröhlich vor sich hin und serviert meiner Angetrauten einen frischen Cappuccino, woraufhin sie sich gar nicht mehr einkriegt vor lauter Lobpreisungen für unseren elektrischen Sprössling. Bevor ich mir dies noch länger ansehen muss und jeden Morgen erschöpft in meinen schwer erworbenen Wachmacher heule, entwarf ich einen teuflischen Plan. Heimlich kaufte ich mir einen Vorrat an Instantkaffee und versteckte ihn sorgsam in einem der oberen Küchenschränke, an die meine Liebste nicht heranreicht. Am nächsten Morgen schlich ich frohgemut in die Küche, ließ Kaffeeautomat, Kaffeeautomat sein und braute mir einen extrastarken Kaffee. Sie wissen schon,Tasse vom Vortag, Kaffeepulver, heißes Wasser, fertig. Sollte sich doch meine Herzdame mit dem Unersättlichen herumstreiten. Heimtückisch schaltete ich ihn zwar ein und stellte eine Tasse auf die Ablagefläche, aber ansonsten kümmerte ich mich einen Dreck um das Teil. Grinsend schlürfte ich mein Gebräu und tat so, als wäre ich in die Tageszeitung vertieft. Endlich erschien meine Teure und drückte schlaftrunken auf den Cappuccinoknopf. Was soll ich sagen? Der Verräter malte und brummte fröhlich vor sich hin und servierte meiner Gattin einen dampfenden Cappuccino, woraufhin sie fast in Jubelschreie ausbrach. Seitdem herrscht Krieg zwischen mir und dem Automaten. Das Problem ist nur; ich kann nicht mit Sicherheit sagen, für wen sich meine Frau letztendlich entscheiden wird.

 

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