Adventsdekoration von Paul Wiedebach

Seit zwei Wochen liege ich auf der Lauer. Ich lasse meine Gattin nur äußerst ungern alleine aus dem Haus, denn sie unterliegt ihrem jährlichen Adventsdekofimmel. Wenn sie es doch schafft, sich heimlich herauszuschleichen, muss sie sich vor ihrem Eintritt einer Taschenkontrolle unterziehen, damit sie keine neue Weihnachtsdekoration ins Haus schmuggelt. Heerscharen von Engeln bewohnen unseren Keller. Die Lichterketten reichen aus, um ganz New York zu beleuchten, alle Sterne des Universums lagern bei uns in Kisten und Kästen und der Keller wirkt, als hätten sich dort mehrere Feen aus dem Märchenland gründlich erbrochen, aber irgendwie scheint immer noch etwas zu fehlen. »Wir haben gar keine leuchtenden Elche«, beklagte sie sich letztens. Woraufhin ich fragte, was denn Elche mit Advent, oder mit Weihnachten zu tun hätten, denn meines Wissens, wären um die Krippe keine Tiere dieser Art versammelt gewesen. Schon gar nicht beleuchtet. »Und LED- Lichternetze für die Büsche in unserem Vorgarten fehlen auch! Oder besser noch! Es gibt jetzt LED-Bäumchen, da können wir eine Lichterallee zu unserer Hautür kreieren! Außerdem gibt es jetzt LED-Schläuche für die Dachrinnen« »Ja, wohne ich in Disney-World? Hier wird nichts kreiert! Schon gar keine Lichterallee. Und die Büsche werden auch nicht mit Netzen überzogen. Auch die Dachrinnen bleiben duster. Oder soll die ganze Nachbarschaft sehen, dass das Herbstlaub der vergangenen Jahre darin vor sich hinschimmelt?« »Oder LED-Farbwechselsterne für die Fenster? Was hältst du davon?«, fuhr meine Frau unbeeindruckt fort. »Nur, wenn du eine Preisliste für Dienstleistungen aus dem horizontalen Gewerbe neben unsere Haustür hängst, werde ich mich mit Farbwechselsternen arrangieren können! Außerdem höre ich nur noch LED. Was ist aus der alten, stinkgewöhnlichen Wachskerze geworden? Ein einfacher Tannenkranz, vier Kerzen drauf und fertig ist der Advent!« »Wenn ich gewusst hätte, was für ein prosaischer, alter Klotz du bist, hätte ich mir das mit unserer Heirat gleich dreimal überlegt!« »Was bitte ist an einem nach Bienenwachs und frischen Tannen duftenden einfachen Kranz prosaisch? Romantischer geht es gar nicht!« »Männer! Verstehen nichts, aber mischen sich überall ein!« Sprach`s, schnappte sich mehrere Einkaufstaschen und den Autoschlüssel und verließ türenknallend das Haus. Nun durfte ich wieder hinter der Haustürscheibe auf ihre Heimkehr warten, denn irgendwelche LED`s kamen mir nur über meine Leiche in unser Domizil. Zwei Stunden später kam sie mit randvoll gefüllten Taschen zurück. Auf den ersten Blick nur Lebensmittel. Brummend ließ ich meine Frau passieren. Aber, was musste ich in der Küche am Boden jeder Tasche entdecken? Einen LED-Elch! »Der Größte und Schönste ist für deinen Schreibtisch«, schmeichelte meine Gattin. Während ich diese Zeilen schreibe, grinst mich diese Scheußlichkeit grell leuchtend an. Was tut man nicht alles für eine funktionierende Ehe! Wenigstens blieben mir die LED-Farbwechselsterne erspart. Aber, wer weiß? Bis Weihnachten sind noch vier Wochen hin.

 

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