Hunde III von Elke Balthaus-Beiderwellen

Irgendwo in Afrika ist ein Museum geplant, das die kuriosen Sitten der Deutschen in Bezug auf ihre Hunde zeigt. So wie wir uns über seltsame Gebräuche aus dem schwärzesten Afrika wundern, ist uns die Verwunderung der Afrikaner gewiss, wenn sie sehen, welchen Aufwand wir mit unserem Kindersatz treiben, der auf ihren Kontinent als wild streunend und gefährlich gilt. Von Diamanthalsbändern über exklusive Trachtenbekleidung, von Schönheitssalon über Wellnessoasen, von Luxusfutter über Prachtbestattungen, nichts erscheint für den »besten Freund des Menschen« gut genug. So wie uns Schamanentänze, die wenigstens im Keim noch einen Sinn besitzen, befremdlich erscheinen, mag beim Afrikaner der Kult um unsere Vierbeiner, der noch nicht einmal im Keim einen Sinn besitzt, Erstaunen, wenn nicht Entsetzen hervorrufen. Selbst Kannibalismus erscheint dagegen logisch, wenn es darum geht, sich die Kraft seines Gegners einzuverleiben. Vom vegetarischen Futter für den Fleischfresser per se, bis zur Komplettscherung, die ein Nerzmäntelchen erforderlich macht, keinem Tier werden seine natürlichen Bedürfnisse dermaßen vorenthalten, wie dem Hund. Einem Kaninchen gleich werden ihm Möhren und Salatblätter aufgezwungen und statt freier Bewegung wird er, wenn er klein genug ist, wie eine Handtasche unter dem Arm getragen, oder die Handtasche wird gleich zu seiner »natürlichen« Umgebung. Vom Wildtier zum Zierrat für Überkandidelte, nirgends ist die Degeneration einer Rasse besser zu beobachten. Wobei ich jetzt nicht zwischen Mensch und Hund unterscheide.

Da sich Hundehalter und Hund im Allgemeinen einander annähern, zeugt ein zum Toy degenerierter Hund vom absoluten Niedergang des Herrchens oder Frauchens. Unnatürlich ist, was in einer natürlichen Umgebung nicht überlebensfähig ist. Drei Mal dürfen sie jetzt raten, wen ich meine.

 

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